Die Förderstatistik verzeichnet zum erstenmal im August d. J. eine wirtschaftlich erwähnenswerte Erdölförderung im bayrischen Raum von 138 t Rohöl, die aus der Bohrung Ampfing 4 stammen. Dabei ist die Produktion der Sonde Tegernsee, die seit einigen Jahrzehnten laufend eine winzige Förderung von 10 t ausgezeichneten Leichtöls jährlich liefert, nicht berücksichtigt. Jedenfalls ist mit der ersten Monatsproduktion das ölrevier Bayern zum erstenmal-offiziell in den Förderziffern der Erdöl Wirtschaft in Erscheinung getreten..

Der Stand des Ölaufschlusses außerhalb des Feldes Ampfing läßt erwarten, daß in absehbarer Zeit weitere Lagerstätten erschlossen werden können. Die Erdölindustrie betrachtet die geologischen Grundlagen der weiteren Ölsuche im bayrischen Teil des Alpenvorlandes als zumindest grundlegend geklärt, nachdem in den ersten Jahren der neuen "Ölhausse" – 1947 bis 1949 – die von allen anderen deutschen Revieren abweichenden Verhältnisse erhebliche Schwierigkeiten boten. Es wurden bereits 18 Tiefbohrungen in Bayern niedergebracht. Welche Bedeutung die westdeutsche Ölindustrie der Ölsuche im Raum des Alpenvorlandes (Bayern bis zum württembergischen Raum am Bodensee die geologisch als "Molassetrog" eine Einheit, bilden), beimißt, geht daraus hervor, daß schon 1953 etwa 8 v. H. aller im Bundesgebiet niedergebrachten Bohrmeter an Aufschlußbohrungen dort gebohrt wurden. Im gleichen Jahr wurden z. B. im Oberrheintal trotz der schon nennenswerten Produktion an Erdöl nur 16 v. H. der Aufschlußbohrmeter gebohrt.

Aussichtsreichste Zone scheint ein nördlich München verlaufendes Gebiet zu sein. In dieser Zone liegen drei bisher erkannte "Strukturen" (d. h. Gesteinsaufwölbungen, die Sammelpunkte für Erdöl darstellen können), die als besonders aussichtsreich gelten. Eine davon ist Ampfing, die zweite Isen – eine Konzession der "Vacuum-Erdöl-AG" –, und die dritte ist Erding, eine Konzession der Deutschen Erdöl-AG. Auf diese drei Strukturen konzentriert sich das Hauptinteresse. Daneben stellt das Gebiet von Memmingen ein bemerkenswertes Aufschlußobjekt dar, wo die Deutsche Schachtbau- und Tiefbohrgesellschaft, Lingen-Ems, bereits vor dem Ölfund von Ampfing eine minimale Produktion von etwa einer Tagestonne in ihrer Bohrung Heimertingen 1 erzielte.

Damit ist für das bayrische Erdöl ein Start auf Weiter Basis gegeben. Die Natur der Lagerstätten in Bayern, bei denen es sich um sogenannte Verwerfungslagerstätten handelt (d. h. Erdölansamm-Jungen an Verwerfungen der Gesteinsschichten), läßt allerdings Hoffnungen auf derart reiche und ausgedehnte Lagerstätten, wie sie in den letzten Jahren in Niedersachsen entdeckt wurden, nicht allzuviel Raum. Immerhin liegt die Tagesförderung in Ampfing 4 von etwa 10 t weit über dem Durchschnitt aller westdeutschen Sonden. H. St.