Weit stärker als in früheren Jahren haben die Dividenden der Aktiengesellschaften Westdeutschlands im öffentlichen Rampenlicht gestanden, wobei immer wieder auf die Spitzendividenden hingewiesen wurde. Zwar sind auch heute noch nicht die Abschlüsse von allen Gesellschaften erschienen (obwohl die gesetzlichen Fristen für die Bilanzveröffentlichungen des Jahres 1953 längst verstrichen sind), aber trotzdem läßt sich bereits ein zuverlässiges Bild über die Dividendenzahlungen gewinnen. Ein bedeutender Teil der noch ausstehenden Gesellschaften ist schon seit Jahren dividendenlos. Insofern erscheint das nachstehend entwickelte Bild noch etwas zu günstig. Ein weiterer beachtlicher Teil dieser Gesellschaften schüttet aber unabhängig von dem Jahreserfolg keine Dividenden aus, weil alles zur stillen Kapitalbildung verwendet wird.

Bisher liegen die Veröffentlichungen von etwas mehr als 1100 industriellen Aktiengesellschaften vor, von denen jede vierte Gesellschaft eine verbesserte Ausschüttung aufzuweisen hat, und zwar haben 105 Gesellschaften ihre Dividendenzahlung wieder aufgenommen und 337 Gesellschaften haben ihren Dividendensatz erhöht, meistens um 1 bis 2 v. H. Mit wenigen Ausnahmen entsprechen diese Dividendenerhöhungen nicht der Herabsetzung der Körperschaftssteuer für die Ausschüttungen. Die Gesellschaften haben also durchweg einen Teil dieser Steuerersparnis zur inneren Stärkung der Unternehmen verwendet. Allerdings dürfte ein Teil der Dividendenerhöhungen des Vorjahres bereits einen Vorgriff auf die zu erwartende Steuervergünstigung dargestellt haben. Die erstmals gezahlten Dividendensätze liegen überwiegend bei 4 bis 5 v. H. Zwar gehen auch einige Gesellschaften darüber hinaus, aber bei noch mehr Gesellschaften bleibt der erste Dividendensatz unter 4 v. H.

Gegenüber diesen Verbesserungen halten die Verschlechterungen sich in wesentlich engerem Rahmen. Lediglich 13 Gesellschaften haben ihren Dividendensatz ermäßigt. Darüber hinaus haben jedoch weitere 34 Gesellschaften ihre Dividendenzahlungen eingestellt. Schwerpunkte der Dividendeneinstellungen waren die Zuckerindustrie und Teile der Eisen Verarbeitung, insbesondere die Drahtindustrie. In der Eisenverarbeitung sind auch verhältnismäßig viele Ermäßigungen von Dividendensätzen festzustellen.

Das Schwergewicht der Dividendenzahlungen liegt trotz der zahlreichen Erhöhungen noch immer bei 4 bis 6 v.H. Bei den Dividendensätzen von 7 bis 8 v. H. hat sich ein neuer Schwerpunkt gebildet, während die Dividendenzahlungen darüber hinaus bereits eine Ausnahme darstellen. Bei diesen Gesellschaften handelt es sich durchweg um Unternehmungen, die bei der DM-Umstellung ihre Aktienkapitalien klein gehalten und statt dessen die Rücklagen stärker dotiert haben. Auf das buchmäßige Eigenkapital bezogen, würden diese Dividendensätze sich zum großen Teile sehr beachtlich verringern. Das gilt auch schon für eine nicht geringe Zahl von Gesellschaften, welche 7 bis 8 v. H. ausgeschüttet haben. Ganz besondere Verhältnisse liegen im allgemeinen bei den – noch recht wenigen – Gesellschaften mit einer Ausschüttung von mehr als 10. v. H. vor. Zum überwiegenden Teil handelt es sich dabei um Gesellschaften, deren Aktien sich in ausländischem Besitz befinden. Die Rücklagen sind hier teilweise höher als die Aktienkapitalien, und mit den Rückstellungen arbeitet in diesen Unternehmen meistens das Drei- bis Vierfache des Aktienkapitals.

In den einzelnen Industriezweigen liegen die Verhältnisse sehr unterschiedlich. Im Bergbau und in der Eisenindustrie ist die Gewinnung eines klaren Bildes noch sehr erschwert, weil als Folge der Entflechtung bei einem großen Teile der Unternehmen noch keine Vergleichszahlen vorliegen. Der Bergbau zeigt weitgehende Verbesserungen, wobei die Dividende im allgemeinen nicht über 6 v. H. hinaus gesteigert wurde. In der Eisenwirtschaft überwiegen sogar die Verschlechterungen erheblich, insbesondere durch den Ausfall einiger hoher Dividendensätze. Innerhalb der Bauwirtschaft zahlt die Zementindustrie überwiegend 8 bis 10 v. H. Die Bauindustrie selbst zieht nur langsam nach und in der sonstigen Baustoffindustrie ist die Dividendenlosigkeit noch weit verbreitet. In der Chemischen Industrie haben vor allen Dingen die Gummiwaren-Hersteller weitgehende Dividendenerhöhungen vorgenommen. Auch die Aufstockungen der IG Nachfolger spielen hier eine beachtliche Rolle. Im übrigen zeigt die Dividendenlosigkeit und der große Anteil der niedrigen Sätze, daß keineswegs hier überall gut verdient wird.

In der Metallindustrie hat die Erzeugung wesentlich weitgehendere Erhöhungen vornehmen können als die Halbzeugindustrie. In der Metallwarenindustrie liegen die Verhältnisse sehr unterschiedlich. Die wenig günstige Exportlage spielte dabei eine entscheidende Rolle. In der Elektrotechnischen Industrie konnte ein erheblicher Teil der Gesellschaften auf 8 bis 10 v.H. gehen. Demgegenüber liegt das Schwergewicht im Maschinen-und Apparatebau bei 6 bis 8 v. H. Starke Unterschiede zeigen sich ebenfalls in den einzelnen Teilen der Fahrzeugindustrie, die insgesamt allerdings recht gute Fortschritte gemacht hat.

Auch in der Textilwirtschaft sind Dividendenverbesserungen auf breiter Grundlage festzustellen. Bei einem erheblichen Teil wurden allerdings erst die Rückschläge des Jahres 1952 ausgeglichen, was aber keineswegs überall der Fall gewesen! ist. Dies gilt vor allem für die Baumwollindustrie und für die Tuchweber. Die Kammgarnspinnereien zeigen demgegenüber überwiegend Verbesserungen. Kräftig aufgeholt hat auch die Leinenindustrie. Demgegenüber zog die Veredlung sowie die Jute-, Hanf- und Filzindustrie nur sehr langsam an. Die Seidenindustrie zeigt eine recht unterschiedliche Entwicklung. Von den sonstigen Verbrauchsgüterindustrien sind Fortschritte vor allen Dingen in der Papierindustrie, der Porzellan- und Steingutindustrie sowie in der Schuhindustrie zu berichten, während Druckereien, Glasindustrie, Lederindustrie und Holzindustrie keine besonderen Fortschritte zu verzeichnen haben.

Die Ernährungswirtschaft zeigt zwar eine weitgehendere Erholung als im Vorjahr, jedoch bleiben die Dividendensätze im allgemeinen noch sehr bescheiden. So zeigen die Brauereien zahlreiche Verbesserungen, jedoch bleibt das Schwergewicht noch bei 4 bis 5 v. H. Bei der Zuckerindustrie und auch bei den Mühlen überwiegen im Augenblick noch die Verschlechterungen, jedoch stehen noch so viele Abschlüsse aus, daß ein Überblick noch nicht zu gewinnen ist. In den übrigen Zweigen der Ernährungswirtschaft ist eine leichte Erholung zu verzeichnen. Lediglich die Öl- und Margarineindustrie hat größere Fortschritte. G. Plum