Bonn: Hohe Geldpreise für gute Filme. Weitgehende Hilfsmaßnahmen. Aus den Schlagzeilen der Tageszeitungen müßte der Bürger und Steuerzahler entnehmen, daß der Bundestagsausschuß für Presse, Film und Funk einstimmig beschlossen hat, im Bundeshaushalt 1955/56 sollen 2,5 Millionen DM als Geldpreise zur Förderung guter Filme bereitgestellt werden. In jedem Jahr soll der beste deutsche Spielfilm der Bundesrepublik mit einem Bundesfilmpreis in Höhe von 300 000 DM, ein zweiter mit 150 000 DM, der beste Kulturfilm mit 50 000 DM, der zweitbeste mit 25 000 DM ausgezeichnet werden. Außer diesen Auszeichnungen soll jeder deutsche Spielfilm und Kulturfilm, der auf internationalen Filmfestspielen preisgekrönt wird oder von einer Filmbewertungsstelle die Prädikate "besonders wertvoll" oder "wertvoll" erhält, mit Preisen von 100 000 bis 5000 DM ausgezeichnet werden.

Hat der Film bisher zu erkennen gegeben, daß er diese besondere Begünstigung der Bundesregierung verdient? Auf diese Frage ist ein einfaches Nein die Antwort. Warum also wird ausgerechnet für dieses umstrittene Kunstprodukt, das bisher mehr der geistigen Verflachung als der Förderung der Kultur diente, eine Unterstützung in Form eines staatlichen Ehrenpreises beantragt, solange es noch keine Bundespreise für schöpferische Taten gibt, die sich als echte Kunst verdient gemacht haben, wie die auf den Gebieten der Literatur, Malerei, Bildhauerei? Warum keinen Bundestheaterpreis für die beste Aufführung des Jahres und warum keinen Bundespreis für Wissenschaften? Sollte aber dem Film als einem "Volkserziehungsmittel" so viel Bedeutung beigemessen werden, wäre es noch viel wichtiger, die Arbeit von Pädagogen, Lehrern und Hochschulprofessoren auszuzeichnen, denen in erster Linie die Erziehung des Volkes in die Hand gegeben ist. Wem bekannt ist, unter welch bescheidenen Lebensumständen viele unserer Künstler, Wissenschaftler und Lehrer arbeiten und ganz ohne Anerkennung, der sieht im Bundesfilmpreis nicht die dringendste Notwendigkeit. Finanzminister Schäffer wird ja übrigens auch noch ein Wort dazu zu sagen haben.

Wenn es nötig ist, den Film zu stützen, soll man es auf wirtschaftlicher Ebene tun wie bisher. Aber auch da läßt sich manches einwenden. Zum Beispiel gegen geplante zollpolitische Maßnahmen, die die Einfuhr ausländischer Filme beschränken sollen, "um die vorerst noch fehlende Rentabilität der deutschen Filmproduktion sicherzustellen". Wenn das auch in manchen Ländern praktiziert wird, so sollte sich bei uns niemand mehr bereit finden, den ungehemmten Austausch und freien Wettbewerb geistiger Produkte zu unterbinden. Ebensowenig wie der Import von Büchern und der Austausch von Funksendungen sollte der Filmimport gedrosselt werden, denn wer trifft da die richtige Auswahl und wer ist kompetent, das Publikum zu bevormunden?

Schon die bisherige Prädikatisierung der Filme durch amtliche Stellen als "besonders wertvoll" und "wertvoll", die mit steuerlichen Vergünstigungen zusammenhing, war so undurchsichtig und anfechtbar, daß bei den Anträgen für die Bewilligung des Bundesfilmpreises jetzt ein Zusatz gemacht werden mußte: "Bei der Auszeichnung von Kulturfilmen sollen allerdings künftig strengere Maßstäbe als bisher angewandt werden." EM