Die 441. Auktion des Kunsthauses M. Lempertz in Köln (18. bis 20. und 22. November) bietet wie die vorherigen Versteigerungen ein reichhaltiges Programm aus allen Gattungen der bildenden Künste und des Kunstgewerbes an. Höhepunkte dieser, vielseitigen, aber auf gute Qualität bedachten Veranstaltung werden die ausländische Privatsammlung niederländischer Gemälde und die beiden Kollektionen goldener oder emaillierter Schmuckdosen und Uhren des achtzehnten Jahrhunderts sein. Die von Dr. Eduard Plietzsch fachmännisch beschriebene und als "erlesen" gelobte Gemäldesammlung umfaßt Werke der niederländischen Primitiven, von denen der "Hl. Hieronymus" des Lucas Cassel (Brüssel, Mitte des sechzehnten Jahrhunderts) unseres Erachtens besonders originell ist, und eine stattliche Zahl guter und zuverlässiger Gemälde der holländischen und flämischen Meister des siebzehnten Jahrhunderts, darunter Jan van Goyen, Gabriel Metsu, Salomon van Ruysdael, Jan Steen, Willem van de Velde d. Ä., Simon de Vlieger, David Teniers d. J. und andere mehr. Der immer noch starken Nachfrage nach niederländischer Barockmalerei wird im übrigen die wohl assortierte Abteilung älterer Malerei, die auch attraktive Namen wie Lucas Cranach d. Ä., Quentin Massys und El Greco aufweist, entgegenkommen. Für das wachsende Interesse des Hauses Lempertz an zeitgenössischer Kunst spricht das Angebot von modernen Bildern und Plastiken, unter denen sich Werke von E. L. Kirchner, Bonnard, Beckmann, Hofer, Pechstein, Feininger, Kollwitz, Scheibe, de Fiori und Lehmann befinden.

Eine seltene Augenweide sind die eleganten Dosen aus verschiedenfarbigem Gold, Goldemail, Halbedelsteinen und mit köstlicher Miniaturmalerei, meist Pariser Arbeiten aus der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, mit denen prachtvolle Uhren aus einer anderen, gleichfalls ausländischen Privatsammlung in der Kostbarkeit wetteifern. Neben Meisterwerken der Berliner Uhrmacherkunst, von denen die reichverzierte Taschenuhr mit Quarzgehäuse und Blumensträußen aus farbigen Steinen als ehemaliger Besitz Friedrichs des Großen hervorgehoben werden darf, sind vor allem die Goldemailuhren von Toutin (Paris) und Huaut (Genf) bewundernswert. Ungewöhnlich groß ist die Abteilung mittelalterlicher Plastik, die von jeher auf dem Kölner Kunstmarkt bereitwillige Käufer fand. Ein spätottonisches Relief (Ende elften Jahrhunderts) wird die Museumleute interessieren, vielleicht auch die eine oder andere Skulptur, z. B. die Kreuzigungsgruppe des österreichischen Meisters Jos. Math. Goetz und die Multscherfigur. Die Auktion schließt wie üblich mit antiken Möbeln und Orientteppichen, von denen manches Stück nicht allein dem praktischen Bedürfnis, sondern auch der Liebhaberei der Sammler dienlich sein könnte. tr.