Die nachfolgenden Ausführungen zu dem vielumstrittenen Thema "Public Relations" scheinen uns von besonderem Gewicht zu sein, weil sie uns von einer in der unternehmerischen Praxis stehenden Persönlichkeit zugeleitet wurden.

Die Gefahr des Mißverstehens der "Public Relations" hängt sicherlich damit zusammen, daß es bisher noch nicht gelungen ist, für diesen Begriff eine eindeutige Übersetzung und damit zugleich eine knappe Definition zu finden. Die Public Relations sind und bleiben daher mancherlei Deutungen ausgesetzt. In letzter Zeit macht sich nun eine gewisse Tendenz bemerkbar, die die Public Relations zu einer "Meinungsfabrikation" stempeln will, mit der es gelingen soll, planmäßig, von der Wahrheit abweichend, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Zweck dieser Meinungsfabrikation soll sein, den Staatsbürger oder – wirtschaftlich gesehen – den Konsumenten "an der Nase herumzuführen".

So ist es nun doch nicht! Dies sei zur Ehrenrettung der Public Relations ausdrücklich festgestellt. Die Pflege der Public Relations soll Wertschätzung, Achtung, Interesse, also Sympathie für ein Unternehmen in der breiten Öffentlichkeit erwecken. Die Erfahrung lehrt jedoch, daß auf die Dauer gesehen, nur für die Person, die Gemeinschaft oder die Sache Sympathie erweckt werden kann, die diese Sympathie auch wirklich verdient, Public Relations im Sinne der positiven Ausstrahlung auf die öffentliche Meinung betreibt also jedes Unternehmen – auch ohne einen PR-Fachmann –, das gut geleitet wird und von dessen Leitung selbst der letzte Mitarbeiter in irgendeinem Sinne positiv beeindruckt wird, so daß er also auch seinerseits seine Umwelt für das Unternehmen wieder positiv beeinflussen oder, mit anderen Worten, Sympathie für "sein" Unternehmen in der Öffentlichkeit erwecken kann. Die Public Relations eines Unternehmens haben demnach – und das kann nicht oft genug betont werden – ihren Ursprung im Innenleben des Unternehmens und können nicht durch Kunstgriffe eines hinzugezogenen Fachmannes dem Unternehmen von außen oktroyier: werden, etwa nach dem Motto: "Ich habe für alles meine Leute."

Wann ist nun aber das Innenleben des Unternehmens in Ordnung, also die Basis für die positiven Ausstrahlungen von innen nach außen gegeben? Hier kann die Antwort nur eine unvollständige sein, da das Innenleben eines Unternehmens sich aus einem Mosaik zahlloser Erscheinungsformen zusammensetzt. Der Geist und die Linie des Unternehmens finden ihren Niederschlag nicht nur in der einwandfreien Qualität des Produktes, sondern auch in der Politik des Verkaufs, dem Auftreten des Außendienstes, in der Gehalts- und Lohnpolitik sowie der gesamten Personalpolitik, in der Führung der Produktionsbetriebe, ja sogar im Einkauf muß sich die Linie des Unternehmens zeigen: Jeder Mitarbeiter – vom Direktor bis zum Hilfsarbeiter – die unbewußt ein wichtiger Faktor der Public Relations seines Unternehmens, wenn er Außenstehenden aus innerer Überzeugung erzählen kann, daß in "seinem" Betrieb, auf die Sache und auf seine Person bezogen, wirklich alles "bestens" ist. Diesen Eindruck und diesen Erfolg zu vermitteln, wird jedoch nur dann gelingen, wenn auch tatsächlich alles "bestens" ist, wenn also die ruhige, sichere Führung, die konstanten Linien vorhanden sind und sich bis in das letzte Glied der Firma auswirken.

Wie kann ein Unternehmen aber ein solches Idealziel erreichen? Etwa durch Einstellung eines PR-Fachmannes? Nein, diese Aufgabe würde über die Kraft des besten PR-Fachmannes hinausgehen, da es eine Aufgabe der Leitung des Unternehmens selbst ist. Nur der Unternehmer selbst und nicht eine von außen verschriebene Fachkraft kann sein Unternehmen durch seine überlegene Steuerung und durch seinen persönlichen Einfluß, den er in erster Linie seinen leitenden Mitarbeitern vermittelt, zu dem gestalten, was als Kern der Public Relations eines Unternehmens zu bezeichnen ist, nämlich zu einem in jeder Hinsicht (sachlich und menschlich) vorbildlich geleiteten Unternehmen.

Daher ist der Gedanke der Public Relations ja auch nicht neu, da es schon immer echte Unternehmer gegeben hat, die ihr Haus mit souveräner Sicherheit geführt haben, und deren Unternehmen daher auch schon früher den Ruf genossen, den man sich jetzt vielfach mit der Pflege der "Public Relations" verschaffen will. Die eigentliche Aufgabe des PR-Fachmannes setzt erst dann ein, wenn das Objekt, nämlich das Unternehmen, auch wirklich der Sympathie der Öffentlichkeit wert ist. Dann kann der Fachmann kommen und durch geschickte Untermauerung der echten und wahren Tatsachen diese einer weiteren Schicht der Öffentlichkeit näherbringen. Dann – und nur dann – trägt seine Arbeit den Stempel der Echtheit und wird Erfolge für die Dauer zeitigen. Auch die Werbung kann sich nur dann auf die Dauer durchsetzen, wenn sie für eine wirklich qualitativ einwandfreie Ware wirbt. Und die so verstandenen "Public Relations" haben natürlich auch ihren materiellen Effekt. Der sich immer mehr verschärfende Konkurrenzkampf erfordert gebieterisch immer neue Vorteile gegenüber dem Wettbewerber. Sind nun die Wettbewerber in ihren Angeboten hinsichtlich Preis und Qualität gleich, gibt bei dem Konsumenten und auch beim Handel häufig die im Unterbewußtsein des Käufers schlummernde Feststellung den Ausschlag: "Ich kaufe die Ware der Firma X. Diese Firma ist wirklich vorbildlich und in jeder Hinsicht in Ordnung. Ihr gehört meine Sympathie!" Das klingt einfach, ist jedoch die Quintessenz der Public Relations. Das so einfach formulierte Ziel ist aber bestimmt so einfach nicht zu erreichen (und keineswegs mit Kunstgriffen), sondern nur mit ehrlichen Mitteln, nämlich durch die Unternehmensleitung selbst in konsequenter Arbeit an der vorbildlichen Führung des eigenen Unternehmens, die durch die Public Relations-Abteilung geschickt unterstützt wird. Fritz, Nagel