O. Sch., Mexiko-City, im November

Die Bemühungen Mexikos zur Steigerung des Exports haben offizielle und offiziöse Stellen veranlaßt, energische Schritte zur Hebung der Handelsmoral einzuleiten. Das mexikanische Handelsprestige hat im Verlaufe der letzten Jahre (speziell in den lateinamerikanischen Ländern) darunter gelitten, daß gewissenlose Geschäftsleute wohl einwandfreie Muster vorlegten, aber minderwertige Ware lieferten. Viele Klagen liegen besonders bei mexikanischen Textilien vor. Diese Manipulationen stellten nicht allein eine Schädigung des Handelsprestiges dar, sie führten unvermeidlicherweise auch zum Verlust von Kunden und Absatzmärkten.

Vom Wirtschaftsministerium wurde nun eine spezielle "Kommission zum Schutze des mexikanischen Außenhandels" gebildet, die ihre Arbeit im Oktober aufgenommen hat. Diese Kommission – ihrem Charakter nach ein Beirat des Wirtschaftsministeriums – setzt sich aus Vertretern des Wirtschaftsministeriums, des Finanz- und des Außenministeriums, der "Banco Nacional de Comercio Exterior", des Verbandes der Importeure und Exporteure und der nationalen Handels- und Industriekammern zusammen.

Der erste, von der Kommission schon bei ihrem Zusammentritt behandelte Fall bezog sich auf eine Reklamation eines Hamburger Importhauses das von einer Firma in Mexiko-City 45 t Bienenhonig "mustergetreu" bezogen hatte. Geliefert wurde jedoch ein minderwertiges Produkt, besser: eine Verfälschung, die von offiziellen deutschen Stellen als für den Verbrauch ungeeignet bezeichnet wurde. Obwohl die mexikanische Firma die Verantwortung auf einen Lieferanten in Veracruz abzuschieben versuchte, stellte die Kommission die Verantwortlichkeit beider mexikanischen Lieferanten fest. Sie empfahl folgende Maßnahmen: 1. daß das Wirtschaftsministerium die Handels- und Industriekammern um den Ausschluß der beiden genannten Firmen ersucht; 2. daß das Wirtschaftsministerium diesen Firmen keinerlei weitere Export- und Importgenehmigungen erteilt; 3. daß das Finanzministerium den Fall auch auf Steuerunregelmäßigkeiten hin überprüft; 4. daß gegen beide Lieferanten eine Untersuchung des Gesundheitsministeriums erfolgt; 5. daß das Wirtschaftsministerium das Innenministerium um die Ausweisung des (ausländischen) Präsidenten der Firma in Mexiko-City ersucht, und 6. daß das Wirtschaftsministerium den Generalstaatsanwalt der Republik um Einleitung eines Strafverfahrens gegen beide Firmen bittet.

Die Kommission kündigte gleichzeitig an, daß sie in Zukunft in allen Fällen der Verletzung und der Herabsetzung der mexikanischen Produktion und des mexikanischen Handels im Auslande mit gleicher Energie eingreifen wird. Ob es helfen wird?