Dem Wochenbericht Aber die Weltrohstoffmäkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank In Norddeutschland, entnommen.

Während der Berichtswoche waren auf den Weltrohstoffmärkten wiederum keine Belebungstendenzen erkennbar. Außerdem gibt es zur Zeit auch keine Anhaltspunkte, die auf eine baldige Geschäftsbelebung schließen lassen. In Anbetracht dieser Grundstimmung disponierten die Marktpartner vorsichtig und zurückhaltend, und die Preisbildung ließ eine gewisse Nervosität erkennen. Neuerdings setzt sich in einigen USA-Kreisen immer stärker eine pessimistische Beurteilung der künftigen Weltmarktentwicklung durch. Es wird zur Zeit ernsthaft die Frage diskutiert, ob nicht Im Laufe von 1955 eine Friedensbaisse ähnlich wie nach dem ersten Weltkrieg (1921) eintreten wird. USA-Nationalökonomen begründen diese Erwartungen mit dem Hinweis, daß die Vorratskäufe der Regierungen, die lange Zeit als stabilisierender Faktor wirkten, inzwischen weitgehend abgeschlossen sind und die Vorräte sich bereits preisdrückend niederschlagen. Inwieweit diese Erwartungen zutreffen werden, kann zur Zeit noch nicht gesagt werden. Es dürfte aber feststehen, daß die USA-Regierung aus verschiedenen Gründen einen Preisverfall durch nachfragebelebende Maßnahmen zu verhindert versuchen wird.

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei elf die Tendenz leicht bis stark steigend und bei acht leicht bis stark schwächer. Die Preise von vier der notierten Waren, nämlich Aluminium, Blei, Kupfer, Zink, waren konstant.

Weizen: Seit Beginn des neuen Erntejahres ist auf dem Weltweizenmarkt eine Wandlung eingetreten. Noch im Juli wurde allgemein angenommen, daß die großen Exportländer eine Revision ihrer Preispolitik vornehmen und daß euch die IWA-Mindestpreise herabgesetzt werden würden. Die Entwicklung auf dem Weltweizenmarkt hat aber in den letzten Monaten, im Gegensatz zu den ursprünglichen Erwartungen, zu einer Preisfestigung geführt, eine Tendenz, die durch die USA-, Agrarpolitik wesentlich beeinflußt worden ist. Die Haltung der USA in der Frage der Weizenpreise zeigt/daß sie auch in naher Zukunft keine Preisherabsetzung in Erwägung ziehen. Auch die kanadischen Weizenpreise, die vom Weizenamt festgesetzt werden, sind nicht gesenkt worden. Die Notierung für Manitoba Nr. 1 ist in den letzten Monaten praktisch unverändert geblieben und liegt nach wie vor etwa 10 v. H. über dem IWA-Mindestpreis. Die Position der Erzeugerländer hat durch die diesjährigen schlechten Ernten eine Stütze erhalten. Besonders stark ist Kanada betroffen worden, das in den letzten Jahren das führende Exportland war. Die amtliche kanadische Weizenschlußschätzung für 1954 lautet auf nur rd. 299 Mill. bu gegenüber den Rekordergebnissen von 1952 und 1953 in Höhe von rd. 688 bzw. 614 Mill. bu. In den USA beläuft sich der Minderertrag auf rd. 200 Mill. bu. Hinzukommt, daß auch die großen Importländer in Westeuropa infolge ungünstiger eigener Ernten mit einer erhöhten Nachfrage auf dem Weltmarkt auftreten werden. – Diese Wandlung der Angebots- und Nachfragesituation hat dazu geführt, daß mit einer Revision der Preispolitik der führenden Weizenexportländer im Sinne einer Preisherabsetzung wohl nicht zu rechnen sein dürfte, sondern, im Gegenteil, mit einer evtl. Preisherabsetzung. Die USA und Kanada haben allerdings auf der letzten Tagung des Internationalen Weizenrates erklärt, keine Preisherabsetzung vornehmen zu wollen. Es ist anzunehmen, daß sich diese Exportländer an ihre Zusage halten werden, zumal sie sich bemühen, die noch außerhalb des IWA stehenden Länder, vor allem Großbritannien, für eine Beteiligung zu gewinnen. Trotz der geringen diesjährigen Ernten und der Tatsache, daß per Ende des laufenden Wirtschaftsjahres mit keiner Erhöhung der Überhänge zu rechnen ist, hat sich grundlegend nichts an der statistischen Position geändert. Die großen Bestände aus den vorjährigen Ernten bereiten den Erzeugerländern nach wie vor Sorgen, und diese Länder bemühen sich aus Kostengründenin verstärktem Maße um den Abbau dieser Vorräte. Es bleibt abzuwarten, ob die großen Weizenexportländer die Chance ausnutzen werden, um die Situation auf dem Weltweizenmarkt zu bereinigen oder ob sie weiterhin an der bisherigen Weizenpolitik festhalten und damit die Lösung des Überschußproblems noch weiter in die Länge ziehen.

Kupfer: Kennzeichnend für den Londoner Kupfermarkt war nach wie vor die relativ feste Haltung, die weniger durch die Nachfrage als durch die angespannte Angebotslage hervorgerufen wurde. Aus dem Verlauf des Londoner Marktes zu schließen, sind die Verbraucher gut eingedeckt. – Auch der New Yorker Markt wies eine feste Haltung auf, da für die nächste Zeit nur mit einem sehr knappen Angebot gerechnet wird. Nach den neuesten chilenischen Angaben wird die dortige Kupfergewinnung 1954 auf nur 325 000 t veranschlagt und die Höhe der Aufträge, die nicht bedient werden können, auf 51 300 t. Im Oktober hatte die Produktionsschätzung auf 339 000 t gelautet und die Lieferverpflichtungen auf insgesamt 421 075 t.

Blei: Bei mäßiger Nachfrage der US-Verbraucher und gutem Exportinteresse war der New Yorker Markt durch einen festen Grundton gekennzeichnet. Die US-amerikanische Bergwerksgewinnung lag in den ersten neun Monaten 1954 mit 879 sht/Tag unter dem Durchschnitt von 1953 mit 937 sht/Tag Trotz Beendigung des Londoner Dockarbeiterstreiks war hier infolge knapper Angebotslage überwiegend eine Festigungsneigung zu verzeichnen. Erst zum Wochenschluß lockerte sich in Erwartung einer baldigen Beilegung des australischen Dockarbeiterstreiks das Angebot, wodurch eine Schwächeneigung ausgelöst wurde.

Baumwolle: Da dem Markt eine Auftriebstendenz fehlt, waren die Preise rückläufig. Verschärft wurde die Schwächeneigung noch durch die Veröffentlichung der fünften amtlichen US-Ernteschätzung (13,2 Mill. Ballen für 1954, 16,5 Mill. Ballen Ernte 1953). Es hat sich also gezeigt, daß trotz einer scharfen Anbauflächenbeschränkung nicht das erwünschte Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erzielt werden konnte, da infolge der Bebauung besserer Böden und einer Intensivierung des Anbaues der Durchschnittsertrag pro Acre laufend gesteigert wird. Nach dieser neuesten Ernteschätzung belief sich der Ertrag pro Acre auf 329 lbs im Vergleich zu 324,2 lbs im Vorjahre und 279,9 lbs 1952. Im Vergleich zu dem Zehnjahresdurchschnitt 1942/51 in Höhe von 271,4 lbs/Acre ist also in diesem Jahr ein Mehrertrag von 57,6 Ibs/Acre zu verzeichnen. Aus diesem Grunde soll im kommenden Jahr eine weitere Anbaubeschränkung um 15 v. H. vorgenommen werden. Das würde bedeuten, daß nur 18,1 Mill. Acres mit Baumwolle bepflanzt werden und daß die Marktquote auf 10 Mill. Ballen beschränkt wird. Demgegenüber fordern jedoch die Farmer eine Festsetzung der Anbaufläche auf 20 Mill. Acres. Trotz der im Vergleich zum Vorjahre geringen Ernte und des erwarteten höheren Bedarfs für den Inlandverbrauch und für Exportzwecke bleibt die US-Versorgungslage gegenüber dem Vorjahre unverändert, da der Ernterückgang durch eine Erhöhung der Vorräte kompensiert wurde. Gegenwärtig ist es fraglich, ob der Inlandverbrauch auch tatsächlich so stark steigen wird, wie erwartet; denn im ersten Halbjahr dieses Jahres war in den USA ein Rückgang des Baumwoll- und Wollkonsums zu verzeichnen, dem ein Anstieg des Verbrauchs von synthetischen Fasern gegenüberstand. In den letzten Tagen äußerte daher auch das US-Landwirtschaftsministerium die Ansicht, daß der geschätzte Abgang von 13,7 Mill. Ballen in dieser Saison nicht erreicht werden dürfte und daß vor allem die Schätzung des US-Inlandverbrauchs nach unten revidiert werden müsse.