m. z., Fürth Die Gastwirte in der Fürther Altstadt warten seit zehn Tagen vergeblich in ihren leeren Gaststuben auf Besuch. Mit ihnen warten Hunderte von Kellnern und Musikern, die bisher allabendlich alle Hände voll zu tun hatten, den Durst ihrer Gäste auf Getränke und Musik zu stillen. Aber ihr Stammpublikum – die amerikanischen Soldaten und ihre Mädchen – bleibt aus, seitdem durch einen Befehl des US-Generals Numa Watson die Fürther Altstadt in der Zeit von 17 Uhr bis 6 Uhr früh für Angehörige der Besatzungsmacht gesperrt wurde. Dieser Befehl beruht auf den Klagen des Generalmajors Patrick J. Ryan, Chef der Feldgeistlichen der amerikanischen Armee, über den Sittenverfall der GI’s in einigen Städten, darunter in Kaiserslautern, Fürth und München. Die Klagen wiederum basierten auf Informationen, die Bischof Dibelius an Generalmajor Ryan mit der Bitte weitergeleitet hatte, gemeinsame Maßnahmen zur Hebung der Moral in den betreffenden Gebieten zu treffen.

Die Fürther Bevölkerung begrüßte die Sperrung des auch durch Schlägereien berüchtigten Vergnügungsviertels ebenso dankbar wie der Polizeidirektor Dr. Anton Kaltenhausen der erklärte, dieser Teil der Altstadt sei in den letzten Jahren zu einem "offenen Geschwür" geworden.

Die betroffenen Gastwirte jedoch haben scharfen Protest gegen die Verfügung erhoben und werfen ihrem Oberbürgermeister Dr. Hans Bornkessel und dem Polizeidirektor "wirtschaftsfeindliches Verhalten" vor. Der Vorsitzende der Fürther Gastwirtsinnung, Wilhelm Sammler, erklärte inzwischen, die Innung werde nach Prüfung der Rechtslage darüber entscheiden, ob sie die Stadt wegen Geschäftsschädigung verklagen könne. Auch die Autotaxenvereinigung Fürth hat sich den Klagen der Gastwirte angeschlossen. Seit der Sperrung des Vergnügungsviertels gingen ihre Umsätze um 50 v. H. zurück.