Mendès-France in Amerika

Der französische Ministerpräsident Merdès-France ist auf seiner Reise nach Washington zu einem dreitägigen Besuch in Kanada eingetroffen. Bei seinen Verhandlungen in Washington, die unter der Annahme einer sicheren Ratifizierung der Pariser Verträge vor sich gehen, hofft Mendes-France, die von Dulles in London und Paris abgelehnte Verteilung der amerikanischen Rüstungshilfe durch die "Westeuropäische Union" durchsetzen zu können. Auch über die asiatischen Probleme wird gesprochen werden. Die politische Entwicklung in Süd-Vietnam läßt befürchten, daß bei der im Genfer Vertrag vorgesehenen Volksabstimmung über die Wiedervereinigung von Nord- und Süd-Vietnam ganz Vietnam an den Kommunismus verlorengeht.

Das wichtigste Thema ist aber das Verhalten des Westens gegenüber der Sowjetunion. Seine eigene Einstellung zu Verhandlungen der Großmächte mit Moskau und zu der europäischen Rolle der Sowjetunion hat der französische Ministerpräsident bisher im ungewissen gelassen. Immerhin hat er sich zu dem westlichen Standpunkt bekannt, daß die Ratifizierung der Pariser Verträge durch Verhandlungen mit Moskau nicht gefährdet werden darf.

Josehida gefährdet

An dem Tage, an dem der japanische Ministerpräsident Josehida in Washington von Präsident Eisenhower die Zusage zu Lieferungen von überschüssigen Nahrungsmitteln aus Regierungsbeständen erhielt, vollzog sich in Tokio ein politisches Ereignis, das seine Stellung zu Hause wahrscheinlich erschüttert.

Der Gründer der Liberalen Partei, Ischiro Hatojama, Unterrichtsminister im letzten Kriegskabinett, und der Vorsitzende der Fortschrittspartei, Mamoru Schigemitsu, bei Kriegsende Außenminister, beschlossen die gemeinsame Gründung einer neuen Partei, die am 23. November vollzogen werden soll. Diese Partei verfügt im Abgeordnetenhaus über 110 Sitze. Zusammen mit den Sozialisten hat sie genügend Stimmen, um das Kabinett Joschida zu stürzen und Neuwahlen herbeizuführen.

Politische Beobachter sind überzeugt, das Joschidas Tage als Regierungschef gezählt sind, zumal das Ergebnis seiner Verhandlungen in Washington bei weitem nicht die erwarteten amerikanischen Verpflichtungen für eine großzügige Wirtschaftshilfe gebracht hat.