Hg., Wien, im November

Nach langwierigen Verhandlungen mit einer türkischen Regierungsdelegation in Wien kam eine Einigung über die Fortsetzung des österreichischen Warenverkehrs mit der Türkei zustande. Die türkischen Schulden belaufen sich zur Zeit auf rund 8 Mill. $; die Hälfte davon verbucht die österreichische Holzwirtschaft, den Rest die Industriebetriebe einschließlich der verstaatlichten Wirtschaft. Ein Abbau dieser Altschulden wird nunmehr dadurch in die Wege geleitet, daß Österreich einen 20-Mill.-’Dollarkredit einräumt. Die Mittel werden jedoch nicht der Türkei zur Verfügung gestellt werden, man will sie im Rahmen der Ausfuhrförderungskredite den österreichischen Exporteuren einräumen. Alle künftigen Exporte in die Türkei müssen also mit einem Bezug von dort gekoppelt sein. Die Exporteure, die um einen bundesverbürgten Kredit nachsuchen, müssen nachweisen, daß diese Koppelung vorliegt und daß die Akkreditive für den Export bereits gestellt sind.

Die Neuregelung sieht vor, daß sich die österreichischen Importe aus der Türkei zu den Exporten nach dort wie 3:4 verhalten, wobei die Tabakimporte (27 Mill. S im ersten Halbjahr 1954) außerhalb dieser Koppelung bleiben. Ein Teil der Exporterlöse wird hierbei für die Abtragung der Altschulden abgezweigt, also außerhalb des normalen Clearings über ein Sonderkonto verrechnet werden. Die bundesverbürgten Exportkredite bedeuten hierbei eine 80prozentige Vorfinanzierung des Exporteurs. Außerdem übernimmt der Staat auch die Exportrisikohaftung für den fristgerechten Zahlungseingang bei Lieferung von Investitionsgütern, wobei eine Kreditdauer von zwei bis sieben Jahren vorgesehen ist.