Vielmehr nach dessen Geschmack war jene sensationelle, viele Wochen währende Untersuchung seiner Zusammenstöße mit der Armee. Damals, das war im Frühjahr 1954, hatten wir sie alle im Wohnzimmer den ganzen Tag lang: das anstößige Lächeln McCarthys und die Gesichter seiner jungen Assistenten Cohn und Carr, geschmeidig das eine, ausdruckslos das andere, den gequälten Ausdruck des Textilfabrikanten Stevens, welcher aus republikanischem Patriotismus sich hatte zum Armeeminister machen lassen und nun in den schmutzigen Mahlstrom der Politik geraten war; auch das hübsche Windhundgesicht des Millionärssohnes Schine kannten wir gut. Um dessen Rekrütenausbildung ging anscheinend alles. Aber im Grunde ging es, wie wir vor den Fernsehschirmen in unseren Wohnzimmern bald merkten, m etwas ganz anderes, nämlich um den Versuch eines Senators, sich durch die Erregung von Furcht vor Kommunisten ein Netzwerk von Spähern, Spitzeln oyid Aufpassern in allen Ämtern und Ministerien zu spinnen. Ein Netzwerk, das gegebenenfalls auch zur Erpressung und Abwürgung innenpolitischer Gegner gut geeig war.

Jene FrühJahrs Untersucfeung war von irfererste bis zur letzten Minute vor der Fernsehkamera geführt worden "Geführt" ist vielleicht ein irreführender Ausdruck: Der Vorsitzende war ein Freund McCarthys, der Rechtsberater einer seiner glühendsten Anhänger. Die beiden hielten die Untersuchung songf ältig in einer so wüsten uttd regellösen Atmosphäre, daß McCarthys Vorliebe für Schläge unter den Gürtel und Tritte ins Gekröse Triumphe feiern konnte — Triumphe jedenfalls über die erkennbaren Gestalten vor der Kamera. Die Zuschauer daheim begannen allerdings, sich ihr Teil aus. Es machte einer Anzahl von Senatoren Mut, ein Rügeverfahren gegen ihn zu beantragen. Der Watkins Ausschuß mit dem abgeknöpften Mikrophon wurde vom Plenum beauftragt, eine Reihe, von Klagen republikanischer wie demokratischer Senatoren zu untersuchen. Er kam nach neuntägiger Verhandlung zu dem Schluß, daß McCarthy seine Privilegien mißbraucht, daß er das Ansehen des , Senats geschädigt habe und daß er wegen zweier , Verfehlungen gegen die guten Sitten des Senats zu tadeln sei. Die Kongreßwahlen gingen vorüber. Acht Tage danach trat der Senat zu einer ungewöhnlichen Sondersitzung zusammen. Nämlich ausschließlich zu dem Zweck, über McCarthy zu befinden gemäß Sektion 5 Absatz 2 im ersten Artikel der Verfassung, wo es heißt: "Ein jedes Haus (des Kongresses) kann die Regeln selbst bestimmen, nach denen es verfährt. Es kann seine Mitglieder für unordentliches Betragen bestrafen und ein Mitglied mit Zustimmung von zwei Dritteln ausstoßen " Am 10. November vormittags waren die Galerien des Senats mit Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine ziemliche Anzahl von Neugierigen hatte keinen Platz gefunden und wartete vor den Eingangstüren in den Wandelhallen, bewacht von einem Sonderaufgebot uniformierter Polizisten. Die; Pressegalerie befindet sich über dem erhöhten Sessel des Vorsitzenden. Wenn man nicht in der vordersten Reihe sitzt und sich über die marmorne Brüstung beugt, kann man den Vorsitzenden "nicht sehen. Das ist kein Nachteil, denn er hat wenig zu sagen. Die Senatoren wenden sich auch nicht von einem Rednerpodium an die Versamm lang, sondern von ihrem Sitz aus, oder auch mal im Auf- und Abgehen an den Vorsitzenden, und da bei kann man ihnen nun von der Pressegalerie aus bequem ins Gesicht blicken.

Die i im Halbkreis angeordneten Pulte waren " gegen elf Uhr etwa zur Hälfte besetzt. Ich zählte 38 Republikaner und. 14 Demokraten, doch saßen auch einige Senatoren auf breiten Ledersofas, die rings um den Saal an den Wänden stehen, oder befanden sich im Gespräch mit ihren Assistenten oder Angestellten der gesetzgebenden Versammlung, die Zutritt zu den Versammlungen haben. In der dritten Reihe des Halbrunds standen zwei Herren nebeneinander vor ihren mit Papieren und grün gehefteten Broschüren bedeckten Pulten. Einige der Senatoren hatten ihre Lehnsessel herumgedreht, um die beiden bequemer im Auge behalten zu können. Der gerade sprach, war Senator Watkins. Der andere, der in seinen Papieren wühlte, war Joseph McCarthy, der jüngere Senator des Staates Wisconsin. Ich hatte ihn seit zwei Monaten nicht mehr leibhaftig und auch nicht auf der Fernsehscheibe gesehen. Er war braungebrannt und wirkte neben dem fragilen, zartgliedrigen Greis an seiner Seite wie ein gutgenährter Preisboxer. Er trug einen dunkelblauen Anzug und eine großgemusterte Krawatte. Von oben sah man deutlich, daß er kahl zu werden beginnt.

Watkins war dabei, den Bericht zu erläutern, den sein Ausschuß dem Senat als Grundlage fernerer ßfeäSÄSSte M, streifte die.

t~rerfÄiWöriliäÄSgamgen Stedis MännerKollegiums und zählte nun die einzelnen Punkte im Verhalten McCarthys auf, die der Ausschuß untersucht und tadelnswert gefunden hatte. Er zitierte mit erhobener Stimme den rüden Ausspruch des jiinferen Senators von Wisconsin über seinen repubiianischen Parteifreund, den jüngeren Senator von New Jersey, Hendrickson. Hendrickson sei von