Es überrascht nicht, daß die unter dem Einfluß Moskaus stehenden europäischen Staaten bestrebt sind, eine eigene Aluminiumerzeugung ins Leben zu rufen, um so mehr, als Ungarn über die wertvollsten Bauxitvorkommen Europas verfügt. Das ist auch der Grund dafür, daß Ungarn schon vor dem Krieg mit dem Aufbau einer eigenen Aluminiumindustrie begonnen hatte.

Der größte Teil der ungarischen Bauxitförderung wurde vor dem Krieg exportiert und in der Hauptsache von der deutschen Aluminiumindustrie verarbeitet. Bei Csepel wurde von der Firma Manfred Weiß eine kleine Reduktionsanlage mit einer Kapazität von 1500 t im Jahr betrieben, die während des Krieges zerstört wurde. Gegenwärtig bestehen Pläne, die Tonerdeerzeugung für die Aluminiumproduktion in großem Maßstab bei Almasfüzitö aufzunehmen. Die Anlage nahm 1951 die Tonerdeerzeugung auf und soll nach vollständigem Ausbau 60 000 t im Jahr erzeugen. Die letzten Schätzungen lauten auf eine Jahreskapazität von 30 000 t. Tonerdeanlagen bestehen weiter in Ajka und Magyarovar mit Jahresleistungen von 20 000 t bzw. 15 000 t. Ungarns Aluminiumproduktion wird vor der Magyar-Soviet Bauxit-Ipar in Budapest kontrolliert. Die Bauxitreserven werden auf über 10 v. H. der Weltreserven geschätzt. Sie betragen mehr als 350 Mill. t. Schätzungsweise werden je Jahr 600 000 t gewonnen, die heute bei dem geringen Eigenbedarf zum größten Teil nach der UdSSR ausgeführt werden.

Die Tschechoslowakei nahm ihre erste Reduktionsanlage zur Aluminiumerzeugung Ende 1953 in Betrieb. Angesichts des Fehlens von Bauxitvorkommen will man nur den Eigenbedarf befriedigen, der etwa auf 10 000 bis 12 000 t im Jahr geschätzt wird. Obwohl kleine Vorkommen von Bauxit bei Brijeg in der Slowakei und in anderen Teilen des Landes aufgefunden wurden, muß der Bedarf des Werkes, das bei Svaty Kriz in der Slowakei errichtet wurde, durch Einfuhren aus Ungarn gedeckt werden.

Polen hat bisher nur Pläne zur Errichtung einer Aluminiumindustrie, doch verlautet, daß in Kürze eine Reduktionsanlage bei Skawin in Betrieb genommen werden soll. – Rumänien ist das zweite osteuropäische Bauxitland, das über beträchtliche Vorkommen verfügt, deren Reserven auf etwa 10 Mill. t geschätzt werden. Es handelt sich aber infolge des hohen Kieselsäuregehalts um ein geringwertiges Produkt. Seit Jahren werden Pläne erwogen, eine eigene Aluminiumindustrie ins Leben zu rufen, doch ist es bisher nur bei Plänen geblieben.

Wenn auch die erste Voraussetzung für die Errichtung großer Anlagen für die Aluminiumerzeugung in den umfangreichen Bauxitvorkommen Ungarns gegeben ist, so fehlt es bisher noch an der zweiten Voraussetzung: der billigen elektrischen Energie. Diese Frage wird sich in Osteuropa als schwer lösbar erweisen, denn der Energiebedarf für die Aluminiumerzeugung ist sehr hoch, und ausbaufähige Wasserkräfte, die in großem Umfang zur Erzeugung des billigen Kraftstroms herangezogen werden könnten, sind nur beschränkt vorhanden. B.