N. N., Sydney, im November

Im australischen Außenhandel hat sich die Passivität, die sich nach der Periode des hohen Überschusses im Mai wieder einstellte, auch auf das neue Finanzjahr übertragen. Das erste Vierteljahr des laufenden Finanzjahres (von Juli bis September) hat mit dem beträchtlichen Defizit von 55 Mill. austral. Pfund abgeschlossen. Die Passivität im Außenhandel ist vor allem eine Folge des ansteigenden Importvolumens nach den verschiedenen Lockerungen der Anfang 1953 eingeführten Importeinschränkungen. Im Berichtsquartal hat die Einfuhr die Höhe von 207 Mill. austral. Pfund erreicht, verglichen mit 157 Mill. Pfund in derselben Periode des Vorjahres.

Der australische Export ist dagegen mit Ausnahme der Wolle in verschiedenen Zweigen (Weizen, Milchprodukte und getrocknete Früchte) auf Absatzschwierigkeiten gestoßen. Während er im ersten Quartal 1953/54 noch die Höhe von 191 Mill. erreichte, betrug er von Juli bis September nur noch 152 Mill. austral. Pfund.

Die Handelspassivität hat, zusammen mit dem Defizit auf den unsichtbaren Positionen für Fracht, Versicherung und u. a. Kapitalbewegung, in der kurzen Zeit von Ende Juli bis Ende September die australischen Devisenreserven beträchtlich eingeschränkt, und zwar um nahezu 100 Mill. von 522 Mill. auf 424 Mill. Pfund. Die damit verbundene Bedrohung der Zahlungskapazität des Landes hat die Bundesregierung zu der Verschärfung der Importrestriktionen bewogen, die die weniger wichtigen Nicht-Konsumentenwaren betrifft. Während seit April dieses Jahres die Einfuhrbewilligungen für Waren dieser Kategorien ohne weiteres und für jede beliebige Menge ausgestellt wurden, sind sie. seit dem 1. Oktober wieder auf 100 v. H. der Einfuhr des Basisjahres 1950/51 beschränkt worden.

Vor allem wurden jene Autofabriken durch diese beträchtlichen Einschränkungen hart getroffen, die die Wagen in ihren Bestandteilen importieren und im Lande selbst erst zusammenbauen. Ferner bekommen auch die Importeure von Linoleum und Teppichen, von Büromaschinen, Nähmaschinen, Traktoren, Porzellanwaren, Zigarettenpapier und photographischem Papier die neue Verschärfung zu spüren. Bei verschiedenen dieser Warenkategorien hatte sich (besonders bei Porzellanwaren und Büromaschinen) nach der Lockerung der Einschränkung gen im April eine deutliche Tendenz zu Überbestellungen für Spekulationszwecke gezeigt, was dann auch die Einfuhr so sehr hat anschwellen lassen. Im Gegensatz zu den Nicht-Konsumentenwaren werden die Konsumentenwaren wie bisher zu 60 v. H. der Einfuhr des Basisjahres 1950/51 zugelassen.

Die gegenwärtige Devisenlage wird heute noch nicht als allzuernst betrachtet, da der Export der wichtigen landwirtschaftlichen Produkte, von denen die australischen Außeneinkünfte auch heute noch bis zu 80 v. H. abhängig sind, erst im Oktober einsetzt und die größten Umsätze erst im November und Dezember getätigt werden. Von diesen erwartet man, daß sie den Außenhandel wieder aktivieren. Auch dürften die eingeführten Importeinschränkungen aller Voraussicht nach das Gleichgewicht für den Rest des Jahres wiederherstellen. Sollte es sich jedoch zeigen, daß der Import nicht auf die als tragbar angesehene Höhe von 60 Mill. Pfund zurückgeschraubt werden könnte oder daß das Exporteinkommen, weiter zurückgehen würde, dann müßte sich das Land zweifellos wieder auf eine Periode neuer und noch schärferer Importeinschränkungen gefaßt machen.