h. St., Kiel

Die zahlreichen Nordsee-Sturmfluten des Jahres 1954 haben ein ungewöhnliches Opfer gefordert: das Hotel Kronprinz bei Wenningstedt auf Sylt, das dicht vor dem Absturz über das 25 m hohe Kliff in die Wellen der See hinein steht. Am Sockel des dreigeschossigen Gebäudes bricht die Uferkante in die Tiefe. Schon seit Jahren konnten die Gäste in den Vorderzimmern der Seeseite direkt in die schäumenden Wogen in die Tiefe blicken, die Jahr für Jahr näher heranrückte. Als vor etwa 50 Jahren das Gebäude errichtet wurde, lag die Küste des berühmten Roten Kliffs fast noch hundert Meter entfernt. Jetzt mußte das Haus baupolizeilich geräumt werden, und man will es so schnell wie möglich abtragen, um dem Absturz in das Meer zuvorzukommen. Weder Behörden noch Gemeinden kann der Besitzer des Hotels haftbar machen, Entschädigung ist nicht zu erwarten für diesen Unglücksfall, auch nicht für den verlorenen Grund und Boden. Der Küstenabbruch, der in Schleswig-Holstein jährlich einen Hektar Land frißt, ist als Naturereignis Risiko der Anlieger. Die Küste außerhalb des "geschlossenen Anwuchses" ist Gemeineigentum, und wo der Anwuchs abbricht – wie am Rand eines Kliffs –, wird der Privatbesitz sozusagen auf nassem Wege sozialisiert.