Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat nunmehr den Frankfurter Rechtsanwalt Willy Tormann – in seiner Eigenschaft als Vertreter einer Aktienminderheit der Aktionäre der Deutschen Golddiskontbank AG (DEGO), deren Anteile zusammen den zwanzigsten Teil des Grundkapitales übersteigen – zur Einberufung einer HV der DEGO zum Zweck der Wahl eines AR ermächtigt und RA Tormann zum Vorsitzenden dieser HV bestimmt. Die ao. HV findet am 16. Dezember in Berlin-Charlottenburg in der Berliner Zentralbank statt. Auf der Tagesordnung steht die Wahl eines Aufsichtsrates und die Beschlußfassung über den Ersatz der durch die Ermächtigung der Einberufung zur HV und deren Durchführung entstandenen Kosten. Dem Beschluß des Amtsgerichtes Berlin-Charlottenburg liegt die Tatsache zugrunde, daß durch die Kontrollratsdirektive Nr. 24 seinerzeit sämtliche Mitglieder des AR und des Vorstandes der Deutschen Golddiskontbank ersatzlos aus ihren Ämtern entfernt worden sind, und daß das für die Verwaltung der Gesellschaft sachlich zuständige Bundesministerium trotz wiederholter Vorstellungen von RA Tormann die Einberufung einer HV zum Zwecke der Besetzung der satzungs- und gesetzmäßigen Organe der Gesellschaft abgelehnt hat.

Das AK der DEGO von 600 Mill. RM befindet sich mit 519 Mill. RM im Besitz der früheren Deutschen Reichsbank, der Rest ist im Besitz freier Aktionäre. RA Tormann ist dahingehend informiert worden, daß der auf Grund des Gesetzes vom 6. 8. 1954 zum Zwecke der Verwaltung des Reichsbankvermögens eingesetzte Treuhänder auf Veranlassung der beteiligten Bundesministerien in Aussicht genommen hat, den von der HV zu wählenden AR aus sechs Mitgliedern, und zwar dem Reichsbanktreuhänder und je einem Vertreter des Bundeswirtschafts-, Finanz- und des Justizministeriums sowie zwei Vertretern der freien Aktionäre zu bilden. RA Tormann, als Vertreter einer Gruppe von freien Aktionären, weist darauf hin, daß es Aufgabe des neuen AR der DEGO sein wird, sich einen Überblick über den Status des DEGO-Vermögens zu verschaffen und anläßlich einer etwa erfolgenden gesetzlichen Liquidation der Gesellschaft die Verhandlungen mit den zuständigen Bundesressorts zu führen sowie etwaige Abfindungsangebote der Regierung zu prüfen und den Aktionären nach Prüfung vorzulegen. V.