Wenn die Gemeinde Hinterwaldhausen Brennholz an ihre Bürger verkauft, dann wird es vom Förster versteigert: wer am meisten bietet, der erhält den Zuschlag. Das ist ein einfaches und sich in aller Öffentlichkeit abspielendes, daher auch jede Korruption ausschließendes Verfahren. Die Zeiten, in denen ein solcher patriarchalischer Betrieb sinnvoll war, sind aber vorüber. Holz ist schon längst ein industrieller Rohstoff geworden, den nicht nur die Bauwirtschaft und die Möbelindustrie, sondern vor allem auch die Zellstoffindustrie und der Bergbau in großen Mengen verbrauchen. Sie alle aber müssen genau so wie der Bürger unserer Kleinstadt zur Holzauktion gehen, um dort einzukaufen. Solange Holz in Hülle und Fülle vorhanden ist, mag das gehen. Im letzten Jahr aber ist die Nachfrage um etwa 10 v. H. gestiegen, das Angebot jedoch blieb starr, weil mit gutem Recht nicht mehr eingeschlagen wird, als es die langjährigen Pläne der Forstverwaltung vorsehen. Irgend jemand geht deshalb leer aus. Keiner will das aber sein. Man bietet also mehr, die Preise fangen an zu steigen und locken die Spekulanten an, wie die reife Frucht’ die Wespen. So sind denn auch im letzten Jahr die deutschen Rundholzpreise von 360 v. H., über den Koreahöchststand hinaus, auf 667 v. H. gestiegen. Das Ausland ist nur zögernd gefolgt. Dieser Preisanstieg ist weit mehr, als es der Marktlage entspricht. Er ist in Wirklichkeit der Ausfluß einer Psychose und einer nach Rüstungsgeschäften schielenden Spekulation ...

Wenn ein Kaufmann vor der gleichen Situation wie heute der deutsche Waldbesitz steht, dann schaut er, wie er mit seiner alten Kundschaft zurecht kommt. Niemand aber hat dies notwendiger als der deutsche Wald. Ist einmal die Konjunktur des sozialen Wohnungsbaues vorbei, fällt mehr Holz in Deutschland an, als gebraucht wird. Das Gespenst der Holzverdrängung wird dann wieder für jedermann sichtbar. Der Forstfiskus sollte auch nicht durch Zulassung überhöhter Preise seine besten Kunden auf die Auslandsmärkte abdrängen, denn auf den Schutz, den ihm die hohen Transportkosten im Augenblick noch bieten, ist kein Verlaß. Was heute dem Wald an Absatzmärkten verlorengeht, verliert er für immer. Das weiß man selbst in der Forstverwaltung. Trotzdem vermag man auch hier nichts zu ändern, weil der Gedanke der Marktpflege sich mit fiskalischen Gewohnheiten nicht vereinbaren läßt.

Es wird also das Holz weiter versteigert, wobei der den Zuschlag erhält, der den höchsten Preis bietet, und wäre es auch der wildeste Spekulant, der heute seine Geschäfte mit Holz betreibt, weil mit alten Fahrzeugen nichts mehr zu verdienen ist. Anders kann ja auch der Forstbeamte nicht handein, denn er hat für seinen Fiskus den größten Nutzen herauszuholen; im übrigen aber muß er zusehen, daß auch nicht der Anschein der Korruption hervorgerufen wird. Dies aber ist ein Verkaufssystem, das sich sehr schnell festlaufen muß.

Direktor Schütze von der Zellstoffabrik Waldhof hat kürzlich erklärt, daß man sich jetzt nach anderen (ausländischen) Rohstoffbasen umsehen muß, um nicht der Spekulation ausgeliefert zu sein. Solche Warnungen sollten die großen Waldbesitzer, das sind vor allem die Länder, die im deutschen Holzgeschäft geradezu eine Monopolstellung einnehmen, aufhorchen lassen. Sie müßten erkennen, daß die alte fiskalische Methode der Holzauktion nicht mehr in unsere Landschaft paßt, und daß deshalb der deutsche Wald sich zu anderen Verkaufsmethoden entschließen muß, die seiner Stellung als Lieferant eines wichtigen industriellen Rohstoffes adäquat ist. Rgb.