DIE ZEIT

Forum der Zeit

Von dem ebenso umfangreichen wie unübersichtlich gewordenen Verwaltungsapparat, der die sozialen Hilfeleistungen in einem komplizierten und zugleich kostspieligen Verfahren durchführt, werden jährlich rund 20 Milliarden, entsprechend einem Fünftel des Volkseinkommens, erfaßt und sodann an die verschiedenen Kategorien von "Berechtigten" geleitet, ohne daß damit den "sozial Schwachen" eine nachhaltige Hilfe gegeben werden könnte.

"Bin Junggeselle und habe reichlich Geld"

Auf die Frage: "Was ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen bürgerlicher und sozialistischer Lebensführung?", antwortete ein zwanzigjähriger Maschinenschlosser: "Keine Meinung–ich bin Junggeselle und habe reichlich Geld.

Vorsicht, Entspannung!

Moskaus Vorschlag einer Sicherheitskonferenz vor einer Ratifizierung der Pariser Verträge ist an dem einmütigen Nein der Westmächte gescheitert.

Fromme Rechnung

Der neue Bundestagspräsident Dr. Gerstenmeier ist erst im dritten Wahlgang mit relativer Mehrheit Sieger geblieben über seinen Parteifreund, den CDU-Abgeordneten Lemmer, den die Berliner Abgeordneten nach dem ersten Wahlgang präsentierten.

Ende gut, alles gut

Im letzten Augenblick, nämlich in der Schlußberatung der Steuergesetze, hat der Bundestag ganz erhebliche Anstrengungen gemacht, die Vorschläge des Bundesfinanzministers doch noch zu einer Art von größerer Steuerreform weiterzuentwickeln.

Was sonst noch geschah

Die Nervosität Moskaus wegen der Ratifizierung der Pariser Verträge verstärkt sich in dem Maße, in dem die Zweifel an der Ratifizierung durch die Parlamente aller beteiligten Staaten schwinden.

ZEITSPIEGEL

Im niedersächsischen Innenministerium wurde festgestellt, daß Regierungsbeamte bei den Regierungen in Aurich, Hildesheim und Lüneburg Dienstwagen zum Schätzwert an Autohändler abgegeben und durch Zuzahlung eines Aufgeldes in Höhe der veranschlagten angeblichen Überholungskosten für die gebrauchten Fahrzeuge neue Wagen des neuesten Typs erworben haben.

Der 80jährige Churchill

Von den vier Männern, die das Gesicht des zweiten Weltkrieges prägten, ist heute nur einer am Leben: Winstön Spencer Churchill.

Besuch im Krakau des Jahres 1954

Bankreihen über Bankreihen stehen in der Bahnhofsvorhalle von Krakau. Wer hierher kommt, um zu verreisen oder jemanden abzuholen, muß Zeit mitbringen.

Die Autogangster

Die Gefährdung des Straßenverkehrs durch Autogangster, die zu einer ernsten Beunruhigung der Bevölkerung geführt hat, sollte nicht allein durch Großfahndungen bekämpft werden, in deren Verlauf es dann auch noch Unglücksfälle gibt (Siehe DIE ZEIT, Seite 20).

"Pressefreiheit" in Hessen

Seit Monaten ruft der Kronjurist der SPD, der Bundestagsabgeordnete Arndt, nach einer Einschränkung der amtsrichterlichen Befugnisse bei der Beschlagnahme von Druckerzeugnissen wegen des Verdachtes der Beleidigung, der üblen Nachrede und so weiter.

Keine Ruhe in Süd-Vietnam

Süd-Vietnam ist praktisch in einem Zustand der Anarchie." Mit diesen Worten schilderte der Abgeordnete Pineau vor dem Finanzausschuß der französischen Nationalversammlung die Lage.

Nürnberger Gespenster

Soll man die Grundsätze, nach denen die Kriegsverbrechertribunale in Tokio und Nürnberg urteilten, als allgemein gültiges Völkerrecht anerkennen? Das ist die Frage, die bei den Vereinten Nationen soeben wieder zur Verhandlung kam.

Wie man’s macht, ist es verkehrt

Es würde mich freuen", schrieb Bundesjustizminister Dr. Neumayer im Vorwort der kürzlich veröffentlichten Referentenentwürfe zur Reform des Urheberrechts, "wenn nicht nur die kritischen Stimmen sich melden würden, sondern auch die, die den Entwürfen ganz oder teilweise zustimmen.

Der Terror verliert einen manager

Es ist gut, daß Wyschinski in New York starb und nicht zu Hause. Dadurch ist allen Spekulationen der Boden entzogen. Von den drei Henkern der baltischen Staaten ist er der einzige, von dem feststeht, daß er eines natürlichen Todes starb.

Staatsoper im "Werbekleid"

Wiens Staatsoperndirektor Franz Salmhofer leistete dem ihm anvertrauten Institut einen schlechten Dienst, als er kürzlich die Oper "Das Werbekleid" des Komponisten Franz Salmhofer neu einstudieren ließ.

"Das Leben trägt"

Die deutschen Expressionisten sahen in ihm ihren Stammvater. Er hatte mit der Berliner Skandalausstellung vom Jahre 1892 das Tor aufgestoßen.

Auch die Zuschauer haben es schwer

Noch bei der "Norddeutschen Erstaufführung" des Theaterstücks, das Herman Wouk selbst nach seinem so unerhört erfolgreichen Roman "The Caine Mutiny" geschrieben hat (es heißt im amerikanischen Original "The Caine Mutiny Court-Martial", also: "Die Kriegsgerichtsverhandlung über die Meuterei auf der ‚Caine‘"), gab es des öfteren Abgangsapplause für Darsteller.

Später Herbst

Es steht dir nicht mehr zu, dich von ihm verwirren zu lassen. Es klammert sich noch an den kahlen Ast und möchte bleiben und warten, bis der Wind sich auch das letzte Blatt geholt hat.

Ein Preis für Jahnn

Der Literaturpreis des Landes Niedersachsen 1954 in Höhe von 5000 DM wurde zwischen dem in München lebenden Lyriker und Erzähler Georg von der Vring und dem Hamburger Dramatiker und Erzähler Hans Henny Jahnn geteilt.

Grenzen der Stiltreue

Der Kölner NWDR hat verdienstlich eine erhebliche Reihe alter Tonwerke durch sein fallweise zusammentretendes Sonderensemble Capella Coloniensis möglichst stilecht wiedergegeben und auf Schallband aufnehmen lassen.

Ich war nicht in Portofino

Seit einigen Wochen wird an mich dauernd die Frage gerichtet, ob ich in diesem Sommer auch in Portofino war und wie mir die dortigen Schnecken schmecken.

Der schlampige Schreibtisch

In den Jahren nach dem Krieg gab es Gegenden, wo plötzlich Holzschlagkommandos auftauchten und aus einer reizenden Waldlandschaft mit träumerischen Schneisen, geheimnisvollen Irrgängen und lauschigen Pfaden ein kahles, entsetzlich übersichtliches Gelände machten.

Psychoanalytisches...

Vor über vierzig Jahren erklärte der Chirurg Gustav v. Bergmann zum ersten Male, daß ein Magengeschwür psychische Gründe haben könne.

Dichter in glücklicher Zeit?

Wer kann heute noch die menschliche Größe der jungen Dichter vor 1914 ganz ausmessen? Wer kann noch nachempfinden, wie sie gelebt haben als Ausnahmeexistenz, als "eine an den Rand der Büchse gequetschte Sardine" – um ein Wort Kierkegaards zu zitieren –, inmitten einer saturierten Zeit? Wer spürt noch ihre absolute Verlassenheit? Rilke und Hofmannsthal, die die Revolution der deutschen Lyrik begannen, kamen aus einer großen Tradition.

Zweimal Abschied

Ihr Vatername war Godefroy, als Schauspielerin nannte sie sich Tilla Durieux, und mit ihren Affären und Ehen hielt sie einmal Berlin in Atem.

Es gibt noch Humor

Eine Auslese teils bekannter, teils unbekannter Künstler-Anekdoten, wobel sich Degas und Liebermann als besonders ergiebig erwiesen haben.

Die Sünden dieser Welt

Harte Sitten gibt’s auf der Welt: zieht da doch der sizilianische Weinbauer Casimiro Badalamenti aus seinem Heimatdorf weg und tut sich mit der lockeren Schwalbe Concetta zusammen.

Mit Namen – ohne Namen

Seit mit der Veröffentlichung der 16 vorgewählten Kurzgeschichten begonnen wurde, haben sich viele Leser in Briefen gemeldet und schon jetzt mit Beifall und Kritik nicht zurückgehalten.

Sie hießen Peddersen

Als das Schild Minerspeak in Sicht kam, regnete es immer noch. "Hast du die Hausnummer?" fragte ich Henry. Statt einer Antvort zeigte er nach vorn.

Preisrichterbedingungen:

Jeder Leser kann sich als Preisrichter an unserem Kurzgeschichten-Preis beteiligen. Voraussetzung ist, daß er alle 16 durch die Vorprüfung der Redaktion veröffentlichten, Kurzgeschichten in den Nummern 43 vom 28.

Sachsen: Zehn Badewannen

"Unser Aufbau, machte die Steigerung der Badewannenproduktion erforderlich. Deshalb wurde bei uns eine Kolonne, aus mir und einem Kollegen bestehend, eingerichtet.

Hessen: Spionenfurcht in Büdingen

Vor einigen Tagen klopften zwei Kriminalbeamte an der Tür des Hotelzimmers, das Filmproduzent Jörg Emil Jannings, ein Neffe des großen Schauspielers, im Stern-Hotel zu Büdingen in Oberhessen gemietet hatte.

Berlin: Die Kinder der Bonzen

Der Sohn des ehemaligen SED-Kaderchefs und Politbüromitglieds Franz Dahlem, der 32 Jahre alte Robert Dahlem, hat sich vor kurzem nach Westberlin abgesetzt.

Schlesien: Nach Fürst Pücklers Plänen

In der Mitte zwischen Görlitz und Guben liegt an der Neiße das hübsche Kleinstädtchen Muskau. Bekannt wurde es durch den Fürsten Pückler, der hier residierte und um sein Schloß herum wie diesseits und jenseits der Neiße seine weltberühmten Englischen Gärten anlegte.

Baden – Württem berg: Onkel Pauls 20 Feste

Die Geschichte ist kein Märchen. Als der Bürgermeister des kleinen Neckardorf es und ein Notar das Testament des vor kurzem gestorbenen Landschaftsmalers Paul Scholpp öffneten, lasen sie es Schwarz auf Weiß: Von dem Erlös aus dem Verkauf seines Hauses, der Äcker und Weinberge sollte jedes Jahr im Sommer für die kleinen Poppenweiler ein großes Kinderfest veranstaltet werden.

Schleswig-Holstein: Hotel am Absturz

Die zahlreichen Nordsee-Sturmfluten des Jahres 1954 haben ein ungewöhnliches Opfer gefordert: das Hotel Kronprinz bei Wenningstedt auf Sylt, das dicht vor dem Absturz über das 25 m hohe Kliff in die Wellen der See hinein steht.

Rücksichtslos

Das Kapitalmarktförderungsgesetz wird mit Jahresende auslaufen. Für die bis dahin noch nicht an einen Ersterwerber verkauften steuerlich privilegierten Obligationen soll aber noch eine Verkaufsfrist bis Ende Februar eingeräumt bleiben.

Machtkampf

Wenige Tage bevor das neue Gebäude der Allianz in München in Anwesenheit des Bundeskanzlers eröffnet werden soll, und noch kurz vor der Hauptversammlung der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (9.

Konzernpolitik ist hart

Die Aktien der Hansa – Mühle AG, Hamburg, haben sich in diesen Tagen dem Pari-Kurs bis auf einige Bruchteile genähert. Eine bemerkenswerte Tatsache, wenn man bedenkt, daß die Gesellschaft für 1953 einen – allerdings nicht genehmigten – Verlustabschluß vorgelegt und sich den Aktionären seit der Währungsreform von einer sehr zwielichtigen Seite gezeigt hat.

Verpflichtet nach vier Seiten

Die Figur des Unternehmeraktionärs, der sein Unternehmen in eine AG verwandelt hat und es von der Position des Vorstands- oder des Aufsichtsratsvorsitzers aus verwaltet, gehört der Vergangenheit an.

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