Wenige Tage bevor das neue Gebäude der Allianz in München in Anwesenheit des Bundeskanzlers eröffnet werden soll, und noch kurz vor der Hauptversammlung der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (9. 12.), hat das Münchener Bankhaus Merck, Finck & Co. die Machtkämpfe, die sich seit einiger Zeit um den Aktienbesitz der Allianz und damit auch, um den entscheidenden Einfluß auf die Verwaltung der Gesellschaft abspielen, durch einen "Aufruf an die freien Aktionäre der Allianz-Versicherung" in die Öffentlichkeit getragen. Bislang wurde das Ringen nur in den sprunghaft steigenden Aktienkursen bei der Allianz-Versicherung (Januar 1954: 175; November 1954: 467) und bei der Münchener Rück (in der gleichen Zeit von 360 auf 840 DM) sichtbar. Durch das Vorgehen von Merck, Finck & Co. – das Institut hat sich im vorigen Jahrhundert an der Gründung beider Versicherungen maßgeblich beteiligt – soll offensichtlich die starke Stellung des Allianz-Vorstandes erschüttert werden, die er sich durch einen "Gemeinschaftsvertrag" mit der Münchener Rück geschaffen hat.

Der Allianz-Vorstand ist allerdings noch einen Schritt weitergegangen, als er dem Bankhaus Merck, Finck & Co. die Zustimmung bei der Übertragung von Namensaktien verweigerte, obgleich der Erwerber zweifellos eine hinreichende Sicherheit für die Vollzahlung der nur teilweise eingezahlten Versicherungs-Namensaktien bietet. Man macht also keinen Hehl daraus, daß eine weitere Stärkung des Einflusses, den das Bankhaus auf die Allianz genommen hat, unerwünscht ist...

Die nächsten Hauptversammlungen der Allianz und der Münchener Rück dürften mehr Licht in diese Angelegenheit bringen. Ihre Bedeutung ist erst dann voll zu erkennen, wenn man bedenkt, daß bei den Versicherungsgesellschaften meist nur ein geringes Aktienkapital genügt, um sich die Verfügung über Bilanzsummen zu verschaffen, die in die Milliarden gehen. Das Streben des Münchener Bankhauses nach einer günstigen Position bei den Versicherungen hat also feinen durchaus realen Hintergrund. K. W.