N. Z., Muskau

In der Mitte zwischen Görlitz und Guben liegt an der Neiße das hübsche Kleinstädtchen Muskau. Bekannt wurde es durch den Fürsten Pückler, der hier residierte und um sein Schloß herum wie diesseits und jenseits der Neiße seine weltberühmten Englischen Gärten anlegte.

Heute ist das Schloß Pücklers eine Ruine – weit nach Kriegsende von marodierenden Rotarmisten und polnischen Banden angezündet. Kopfschüttelnd liest der Besucher an den Fassaden wänden: "Das Volk verjagte die Junker!" Darunter aber findet man mit unbeholfenen Kreidebuchstaben den Satz: "Und doch wird aus Muskau kein Klein-Moskau!"

Wie sinnlos das alles ist: – Da ist der herrliche Pückler-Park, der plötzlich in zwei Hälften geteilt wurde. Die kleinen zierlichen Filigranbrücken zwischen den beiden Ufern sind alle fortgesprengt, abgerissen oder verheizt. Die alten Eichenbestände auf der jetzt polnischen Flußseite sind auch nicht mehr da. Man hat sie abgeholzt, um Sicht- und Schußfeld für die Grenzwachen zu bekommen. Hinter den Drahthindernissen legten die Polen noch zu allem Überfluß Truppenübungsplätze an, die auch die weiter östlich gelegenen Parkreste verwüsteten. Jeden Morgen und jeden Nachmittag knattert MG- und Karabinerfeuer von dort herüber.

Nur auf dem westlichen Ufer ist noch einiges von dem alten Muskau erhalten geblieben. Der Park auf dieser Seite wird seit einiger Zeit wieder von den Angestellten des "Staatlichen Moorbades Muskau" in Ordnung gehalten. Eine Reihe älterer Ortsansässiger arbeitet unentgeltlich mit, um den Rest der einzigartigen Anlagen zu erhalten. Die meisten der unzähligen kleinen Wasserläufe sind wieder ausgehoben und mit Stegen versehen. Wiesen, Weiden und Sträucher haben sich etwas erholt. Der "Garten Edens" besteht – wenn auch en miniature – weiter!

Die alle vierzehn Tage nach Muskau verschickten 175 Kurgäste des Moorbades finden wie ehedem Erholung. Sie sind im Kavalierhaus des Schlosses untergebracht. Daß das Moorbad wieder geöffnet ist, ist der Initiative von Ärzten und Bürgern Muskaus zu verdanken, eine wesentliche staatliche Hilfe gab es nicht.

Auch Glück war im Spiel: im Frühsommer hieß es, Ostberliner Parteiprominente wollten sich in Muskau von ihren Strapazen erholen. Daraufhin stellte Pankow größere Mittel zur Verfügung – zur Verschönerung des Parkgeländes. Natürlich sagte man niemandem, daß der Englische Garten nach den alten Plänen des "Junkers" Pückler restauriert wurde. Viele der früheren Einrichtungen wie riesige Blumenkolonien und Zierbaumanpflanzungen geben dem Park schon wieder etwas von dem früheren Glanz. Und das Schönste: die rote Prominenz sagte ab. Auf der Krim soll besseres Wetter sein...