Vor über vierzig Jahren erklärte der Chirurg Gustav v. Bergmann zum ersten Male, daß ein Magengeschwür psychische Gründe haben könne. Heute gehört diese damals heftig angegriffene These zum festen Wissensschatz aller interessierten Menschen. Man muß also schon einen ziemlich scharfen Maßstab anlegen an ein Buch, das sich 291 Seiten lang mit einem einzigen Fall von Magengeschwür und dessen Heilung durch Auflösung von psychischen Konflikten befaßt, wie das von

JohnKnight: "Geglückte Psychoanalyse", Ciaassen Verlag, Hamburg, 1954, 11,80 DM.

Hier schildert der Patient in 20 Kapiteln den Gang seiner Analyse. Man erfährt, wie er sich zuerst gegen die Analyse sträubt, wie er danach Vertrauen zu dem Analytiker gewinnt und wie sich die Komplexe einer nach dem anderen-unter der Analyse lösen. Rassische, gesellschaftliche und sexuelle Verkrampfungen weichen einer klaren, besseren Einsicht von den Dingen. In dem Maße, in dem die Spannungen von ihm abfallen, bessert sich auch das Magengeschwür. Die Analyse dauert zwei Jahre. Dann sind die Komplexe weg, und alles ist gut...

Sicher ist alles wahr, was in diesem Buch steht. Dennoch liest man sich durch die 291 Seiten nur mit Mühe durch. Schon nach dem dritten Kapitel weiß auch der noch nie mit der Psychologie in Berührung gekommene Leser, wie eine psychoanalytische Sitzung vor sich geht. In allen folgenden Kapiteln wiederholen sich solche Sitzungen, nur die Inhalte wechseln. Dieselnhalte aber sind wenig interessant, auswechselbar und durch andere ersetzbar. Die Zusammenhänge sind leicht durchschaubar und alltäglich simpel.

Und so zeigt sich einmal wieder: das meiste in einem menschlichen Leben, zumal die Wahrheit, ist langweilig und uninteressant für den unbekannten Dritten, oder ärztlich ausgedrückt: nicht alles, was im Sprechzimmer geschieht, muß der Öffentlichkeit hinterher als Buch vorgelegt werden.

In geradezu diametralem Gegensatz dazu steht eine andere Publikation aus Amerika:

Fisher-Hawley: "Umgang mit dem Verborgenen", Schünemann-Verlag, Bremen, 1954, 12,80 DM.