Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die seit einigen Wochen auf den Weltwarenmärkten bestehende Preisfestigungstendenz hielt auch während der Berichtswoche an. Bei den meisten Welthandelsgütern trat bereits bei einer geringfügigen Belebung der Nachfrage eine Preisfestigung ein, was auf eine labile Weltmarktverfassung und eine gewisse Nervosität der Marktpartner schließen läßt. Während der letzten beiden Wochen hat die USA-Regierung mit den Regierungen der Türkei und Japans Abkommen geschlossen, nach denen die USA überschüssige Agrarerzeugnisse gegen Warenlieferungen und Bezahlung in inländischer Währung liefert. Diese. Transaktionen können nicht nur als wesentliche Ursache der Preisfestigung angesehen werden, sondern stellen darüber hinaus eine weitere Entleerung der klassischen Funktion des Weltmarktes dar. Während sich früher die Preisbildung am Weltmarkt aus dem Zusammenspiel der Dispositionen einer Vielzahl von Anbietern und Nachfragern ergab, verringert sich heute mehr und mehr durch die Einschaltung der Regierungen, nicht zuletzt ausgehend von den USA, die Zahl der Marktpartner, wobei größere Abschlüsse zustande konnten, die einen stärkeren Einfluß auf das Weltmarktgeschehen und die Preisbildung nehmen. Sollten diese Methoden weiter um sich greifen, so können sie sich zum Störungsfaktor eines normalen Marktablaufs entwickeln. – Im Gegensatz zu den sich hieraus auf dem Weltmarkt eventuell ergebenden negativen Auswirkungen stellen solche USA-Maßnahmen für den inneramerikanischen Konjunkturverlauf eine Stützung dar, die im so notwendiger erscheint, als es bisher noch nicht gelungen ist, eine wirksame und anhaltende Belebung der inneramerikannischen Wirtschaft zu: erreichen. Aus dieser Notwendigkeit dürfte die Absicht resultieren, mit staatlichen Mitteln den USA-Exporthändlern langfristige Investitionsgüterexporte zu ermöglichen. Wenn auch diese Kredithilfe in gewisser Hinsicht begrenzt sein wird, dürfte sie aber über den Rahmen der offiziellen europäischen Exportkredithilfen hinausgehen.

Einen Überblick über die Preisentwicklung in der Woche von 15. bis 19. November vermittelt nachstehende Tabelle:

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei 10 die Tendenz leicht bzw. steigend und bei 9 leicht bis stark schwächer. Die Preise von 4 der notierten Waren, nämlich Aluminium, Kupfer, Blei, Zink, waren konstant.

Getreide: Mit Ausnahme von Mais festigten sich die Loconotierungen, und an der Chikagoer Getreidebörse erreichten die Weizennotierungen in sämtlichen Terminen einen neuen Preishöchststand für diese Saison infolge von Auslandsabschlüssen sowie von Kontrakten mit Japan und der Türkei. Das gleiche gilt für Gerste in Winnipeg. Ein festigender Einfluß ging u. a. von der nach wie vor freundlichen Haltung der New Yorker Effektenbörse aus. – Von der australischen Weizenernte1954/55 werden etwa 140 Mill. bu zurVermarktung zur Verfügung stehen. Damit erreicht. Australien die niedrigste Quote seit acht Jahren. Da noch ein Überhang von 92 Mill. bu vorhanden ist, könnte Australien rd. 230 Mill. bu Weizen exportieren. Nach Schätzungen des australischen Weizenamtes wird es aber nur möglich sein, etwa 140 Mill. bu zu verkaufen. Infolgedessen wird zu Beginn des Erntejahres 1955/56 voraussichtlich wieder ein Überhang von rd. 90 Mill. bu vorhanden sein. – Auch in Kanada ist trotz sehr niedriger diesjähriger Ernte die Weizenversorgung infolge des hohen Überhanges von 594,2 Mill. bu auf 893,2 Mill. bu veranschlagt worden und ist damit die viertgrößte in der Geschichte des kanadischen Weizenanbaus. – Nach amtlicher Schätzung wird die argentinische Weizenernte mit 6,25 Mill. t um 4 v. H. höher geschätzt als im Vorjahr. Private Schätzungen lauten sogar auf 6,5 bis 6,8 Mill. t.

Kupfer: Am New Yorker NE-Metallmarkt war die Nachfrage nach Kupfer weiterhin rege. Die Versorgung wird als knapp bezeichnet. Dennoch sollen die Produzenten keine Erhöhung des gegenwärtig geltenden Grundpreises in Erwägung ziehen, da auch bei höheren Preisen nicht mehr Material auf den Markt kommen dürfte. Auch in London war die Geschäftstätigkeit im allgemeinen lebhaft. Erst zum Wochenende wurde das Geschäft ziemlich ruhig und farblos. Infolge des nach wie vor hohen industriellen Verbrauchs und der Knappheit an Elektrolytkupfer blieb die Preistendenz stetig.

Zinn: Gegenüber der Vorwoche war im Wochendurchschnitt ein Preisanstieg zu verzeichnen, obwohl verschiedentlich, leichte Preisrückgänge eintraten. Gegenwärtig scheint der Londoner Markt unter dem Einfluß von Zinn-Käufen mit billigen Pfund Sterling zum Weiterverkauf nach den USA gegen Dollar, zu stehen, wodurch der Markt gegenwärtig eine stetige Haltung erhält. Auf welchen Zeitraum sich diese Käufe erstrecken werden, dürfte davon abhängen, wie lange billige Pfund Sterling zur Verfügung stehen und wie weit die Möglichkeit zum Weiterverkauf gegen Dollar besteht.