dd., Wiesbaden

Vor einigen Tagen klopften zwei Kriminalbeamte an der Tür des Hotelzimmers, das Filmproduzent Jörg Emil Jannings, ein Neffe des großen Schauspielers, im Stern-Hotel zu Büdingen in Oberhessen gemietet hatte. "Zwecks Feststellung der Personalien" wurden Jannings, Aufnahmeleiterin und Kameraleute, zur Polizeiwache der Kreisstadt zitiert. Dort gab es ein Verhör: warum Hinterhöfe und Nachtlokale, Negerkinder und leichte Mädchen in Büdingen photographiert würden? Ob man etwa auch amerikanische Unterkünfte und militärische Anlagen aufnehme, und welche östliche Dienststelle dazu den Auftrag gegeben habe?

Jannings hätte das beste Gewissen von der Welt. Er war von Berlin nach Büdingen gereist, um einen sozialen Kulturfilm zu drehen. Er hat eine Vorliebe für soziale Themen. Sein Vorhaben war keineswegs geheimgehalten worden. Alle zuständigen Behörden wußten davon –, nur die Landeskriminalpolizei nicht. Sie behielt Jannings Paß und die Kennkarte seiner Mitarbeiterin zurück und verhängte eine Art Hausarrest über die beiden. Es dauerte einige Tage, bis sich der in der Fachwelt bekannte Filmproduzent von dem Verdacht reinigen konnte, ein Spion des Ostens zu sein. Vor einigen Tagen ist er mit seinen Aufnahmen nach Berlin abgereist.