Um unseren Lesern das Gedränge im Schallplattenladen während der letzten Tage vor Weihnachten zu ersparen, geben wir schon heute einige Hinweise. Die hier empfohlenen Aufnahmen sind für Geschenkzwecke besonders geeignet, weil jede von ihnen eine ungewöhnliche Fülle musikalischer und klanglicher Schönheitswerte vereinigt. Es sind also, um es klar herauszusagen, Platten, bei denen man "besonders viel für’s Geld" mit nach Hause nimmt.

Klassische Opern-Arien und -Duette: Caruso/Farrar u. a.: (Electrola FJLP 5004, 5010). Sammelprogramm Verdi, Tschaikowskij, Joh. Strauß u. a.: Ljuba Welitsch (Decca LXT 2567). Verdi, Auszüge aus "Othello"; Steber / Vinay / Cleva (Philips N 02102 L).

Gewiß gibt es noch einige unter uns, die sich der Zeiten vor dem ersten Weltkrieg erinnern, als die einseitig bespielten Caruso- oder Farrarplatten mit den hellgrünen und rosa Schildern in den Schaufenstern lagen und oft genug wehrlosen Neid erweckten, weil man den exorbitanten Preisen nicht gewachsen war. Electrola bietet nun auf zwei Langspielplatten eine überraschende Fülle der berühmtesten Arien und Duette, gesungen von den Stars der Vergangenheit. Die Ausmerzung aller unliebsamen Nebengeräusche ist eine erstaunliche Leistung. Durch sie sind die Aufnahmen also nicht etwa nur historisch wertvoll, sondern sie schenken uns einen großen Reichtum an Klangschönheit und repräsentieren eine klassische Gesangskunst, die vielleicht gelegentlich einmal erreicht, aber noch nie übertroffen worden ist. – Und da wir gerade bei der Oper halten: Ljuba Welitsch leiht auf Decca den süßen, schweren Klang ihres herrlichen Organs einer Anzahl von Arien bekannter Opern und Operetten.

Eine Aufnahme der Philips-Ges. bringt die wichtigsten Partien aus Verdis "Othello", gesungen von zwei auch in Deutschland bekanntgewordenen internationalen Künstlern, deren berückend schöne Stimmen sich mit einer elementaren Ausdruckskraft verbinden, die alles Opernhafte abgestreift hat.

Bob; Schumann, Klav -Quintett Es-dur op.44: Arth. Rubinstein / Paganini-Quartett (Electrola BLP 1031). Franz Schubert, Streich-Quintett C-dur, op. 163; Amadeus Quartett / Pleeth (Electrola WCLP 1006). Camille Saint Saens, Havanaise op. 83; Intro. u. Rondo Capriccioso op. 28; Pablo de Sarasate, Symph. nerweisen op. 20 Nr. 1; Edouard Lalo, Symph. Espagnole op. 21: Heifetz / Sternberg (Electrola FALP 252). Sammelprogramm Liszt-Chopin; Wladimir Horowitz (Electrola ALP 1087). Joh. Brahms: Händel-Var. op. 24; Paganini-Var. op. 35. Abbey Simon (Philips A 00195 L). Rob. Schumann, Symph. Etüden op. 13: Yuri Boukott (Philips N 0067. 3 R).

Den Freunden der Kammermusik zeigt Arthur Rubinstein, der Tastengewaltige, in der bisher schönsten Aufnahme von Schumanns herrlichem Klavierquintett auf Electrola, welch ein anschmiegender Ensemblespieler er sein kann. – Das Amadeus-Quartett, eine der subtilsten Quartettvereinigungen der Gegenwart, spielt unter Hinzunahme eines zweiten Cellisten Schuberts von melodischer Schönheit durchflutetes Streichquintett in C-dur. Die Unmittelbarkeit des Streicherklangs überwältigt. Ein regelrechtes "Sonderangebot" bringt Jascha Heifetz auf Electrola mit einer Zusammenstellung berühmter Geigenkompositionen: zwei Werke von Saint-Saens, dazu die "Symphonie Espagnole" von Lalo und obendrein noch Sarasates "Zigeunerweisen" – alles mit des berühmten Geigers vollendeter Virtuosität und mit samtner Weichheit des Tones "hingelegt". – Auch die Pianisten haben Außergewöhnliches zu bieten. Ein Liszt-Chopinsches Sammelprogramm mit der Trauermarsch-Sonate des letzteren darin spielt Wladimir Horowitz, den die Amerikaner zum "Scharfschützen am Flügel" ernannt haben; hier zeigt er sich von einer überraschend lyrischen Seite. Bedeutende Variationenwerke von Brahms und Schumann, deren jedes ein wahres Kompendium der Klavierkunst ihrer Zeit darstellt, bringen zwei brillante Nachwuchsspieler mit plastischer Gestaltungskraft zu Gehör: Bei Brahms muß dabei hervorgehoben werden, daß Abbey Simon, unter Verzicht auf jeden Kürzungs- und Bearbeitungsrummel, auch die Paganini-Variationen Ton für Ton so vorträgt, wie der Komponist sie hingeschrieben hat; und Yuri Boukoff bezieht in die "Symphonischen Etüden" von Schumann auch die nachgelassenen Variationen mit ein, die den altbekannten mehr als gewachsen sind.

Richard Strauß: Don Juan op. 20, Till Eulenspiegels lustige Streiche op. 28: Clemens Krauss / Wiener Philh. Orch. (Decca LXT 2549); Herbert v. Karajan / Philharmonia Orch., London (Columbia 33 WCX 1001). Claude Debussy, Prelude à l’après-midi d’un faune; Paul Dukas, Der Zauberlehrling: Lamoureux Orch., Paris / Jean Martinon (Philips S 06011 R). Serge Prokofieff: Peter und der Wolf op. 67; Math. Wiemann / Berl. Philh. Orch. / Fritz Lehmann, (Dt. Grammophon Ges. 16038 LP); Gudrun Thielemann / Orch. Kostelanetz (Philips B 02607 R).