Das fünfjährige Bestehen einer Genossenschaft ist gemeinhin ein Ereignis, an dem außer den unmittelbar beteiligten kaum weitere Kreise. Anteil nehmen. Die „Fruchthof Berlin eGmbH“ aber darf dieses öffentliche Interesse aus solchem Anlaß beanspruchen. Einmal vermittelt sie etwa 90 v. H. des gesamten Westberliner Umsatzes an Obst, Gemüse, Süd- und Trockenfrüchten – der restliche Bedarf der über zwel Millionen Bewohner der Westsektoren wird von den einheimischen Produzenten unmittelbar gedeckt –, zum anderen ist sie ein typisches Kind der besonderen Nachkriegsverhältnisse in der gespaltenen Stadt, das zu einem wohlgeratenen Mitglied der Improvisierten Wirtschaftsfamilie geworden ist.

Mit der Spaltung Berlins war dem Fachhandel der Zugang zu der Zentalmarkthalle in der Nähe des Alexanderplatzes versperrt. Eine für solche Zwecke, geeignete Stätte bestand in den Westsektoren noch nicht, und die Hüter der vorerst leeren Stadtkasse hatten dringendere Sorgen, als die Verwirklichung eines jahrzehntealten Projektes in der Nähe des Westhafens. So machte private Initiative aus der Not eine Tugend, Ein von sowjetischer Hand gründlich von allem Inventar befreites, jedoch sonst relativ gut erhaltenes Industriegelände wurde gemietet und großzügig aufgeteilt. Die einzelnen Stände konnten so bemessen werden, daß Verkauf und Lager nicht mehr getrennt zu sein brauchten: die Uberlandlastzüge aus allen Anbaugebieten Westdeutschlands und vielen Märkten des Auslandes rollen bis unmittelbar an den Stand, wo an der anderen Seite der Einzelhändler seine Ware in Empfang nimmt. Da die Genossenschaft der Importeure und Großhändler – zur Zeit rund 150 Mitglieder – nur nach kaufmännischen Gesichtspunkten arbeitet, erübrigte sich der bei kommunalen Märkten übliche Verwaltungsapparat. Eine Folge dieser Rationalisierung sind die um etwa die Hälfte gegenüber normalen Großmarkthallen niedrigeren Standmieten. Die Selbstkontrolle der Genossenschaftsmitglieder wirkte auch marktregulierend: während kommunale Verwaltungen erfahrungsgemäß nur auf die pünktliche Gebührenzahlung achten, hat hier die Gemeinschaft der Kaufleute im Laufe der Jahre eine Reihe von „zeitgemäßen“ Geschäftspartnern ausgeschlossen, die es mit den soliden Erfordernissen des Gewerbes zum Schaden der Kundschaft nicht allzu genau nahmen. Ein Zeichen für die Bonität des Fruchthofes ist es, daß sich auf dem Gelände bald eine Bankfiliale, eine Poststelle, eine Großtankstelle und eine Reparaturwerkstatt für Kraftfahrzeuge ansiedelten. Die günstigen Erfahrungen haben später auch zur Gründung eines entsprechenden Fleischgroßmarktes auf dem gleichen Gelände geführt, so daß die einstigen Fabrikhallen von Mariendorf im Süden Berlins jetzt Umschlagplatz für Vitamine und Kalorien pflanzlicher und tierischer Herkunft geworden sind. Der wirtschaftliche Erfolg hat den Unternehmern recht gegeben: der Umsatz stieg von fast 100 000 t in 1950 auf 176 000 t im vorigen Jahr. Ein noch nicht genau bestimmbarer Rückgang in diesem Jahr ist nicht nur eine Folge der Preissteigerungen, sondern auch der Verlagerung der Verbraucherwünsche von der Quantität zur Qualität. gns.