Von dem Plan, mit dem Pritzkoleit vor Jahresfrist, als er das Buch „Männer, Mächte, Monopole“ der Öffentlichkeit vorlegte, an die „Entschleierung“ des (sogenannten) deutschen Wirtschaftswunders herangegangen war, ist in dem Fortsetzungsband:

Kurt Pritzkoleit „Bosse, Banken, Börsen – Herren über Geld und Wirtschaft“, (Verlag Kurt Desch, München, 440 S., 19,80 DM)

kaum noch etwas Rechtes übriggeblieben. Der Leser, der endlich einmal mehr über „die Börsen heutzutage“ erfahren möchte, wird von den knappen 15 Seiten Text, auf denen dies Thema abgehandelt ist, sicherlich enttäuscht sein. Auch die Enthüllungen über die „Bosse“ und ihre „geheimen Machtpositionen“ (die „bis auf den heutigen Tag keine Publizistik aufgestellt hat“, wie es in der Verlagsankündigung heißt), sind auf mezza voce gestimmt. Das gilt für das Kapitel über Dr. h. c. Dörr, in dem „die Sache mit der Phrix“ noch einmal über die Bühne geht, obwohl sie bereits im Vorjahrsband behandelt worden ist; das gilt ebenso für die Kapitel über Henkel („zum Saubermachen – Henkelsachen“) und Oetker; es gilt schließlich auch für das, was Pritzkoleit über Friedrich Flick zu sagen weiß, dessen Name kurioserweise in „Männer, Mächte, Monopole“ völlig fehlte. Der Hauptteil des Buches ist mit Meditationen über die Macht der in den Aufsichtsratspositionen sitzenden Bankiers und Manager angefüllt. Das geht dann etwa nach folgendem Muster vor sich:

„Überzeugend kommt die enge Verbundenheit der Rhein-Ruhr-Bank mit der Schwerindustrie auch in jenem System wechselseitiger Bindungen zum Ausdruck, welches das Kreditinstitut mit gewissen industriellen Unternehmungen zu Interessengemeinschaften besonderer Art vergesellschaftet. So gehört beispielsweise Dr. Ing. E. h. Gustav Möllenberg, Vorstandsvorsitzender der Westfalia Dinnendahl Gröppel AG, dem Aufsichtsrat. der Bank, Carl Schleipen, Vorstandsmitglied der Bank, dem Aufsichtsrat der Westfalia Dinnendahl Gröppel an – und zwar neben Dr. Heinrich Kost, Dr. Wilhelm Roelen vom Thyssen-Bornemisza-Konzern, Heinrich Wisselmann vom Vorstand der Salzdetfurth AG, H. Spriestersbach vom Vorstand der Stolberger Zink AG, Hans Dütting von der Gelsenkirchener Bergwerks-AG und Karl Kaup, der aus den Vereinigten Stahlwerken hervorgegangen ist. Mag auch die Westfalia Dinnendahl Gröppel AG kein montanindustrielles Unternehmen im engeren Sinne des Wortes sein, sondern mit ihrer Erzeugung nur der Montanindustrie dienen, zeigt doch die Zusammensetzung ihres Aufsichtsrats, daß an ihrem Bestand der Bergbau aller Sparten, vom Erz- bis zum Kalibergbau, ein lebhaftes Interesse bekundet. Kein Zweifel also, daß die enge Zusammenarbeit einer Großbank mit einem Unternehmen dieser Art nicht ohne Wirkung einerseits auf die Kreditpolitik des fraglichen Instituts im besonderen und der rheinisch-westfälischen Banken im allgemeinen, andererseits auf die kreditwirtschaftlichen Anliegen der Schwerindustrie bleiben kann,“

Nach dieser Leseprobe mag nun jedermann selber entscheiden, ob er so wesentliche Einsichten in den modernen Machtmechanismus der Wirtschaft gewonnen hat, daß ihm der Kauf des Buches der Mühe und des Geldes wert erscheint – oder ob er es vorzieht, bis zum nächsten Jahre und bis zum nächsten Pritzkoleit-Band zu warten. Vermutlich wird dieser – da ja nun die Themen „Industrie“ und „Banken“ erschöpft sind – den (im Vorjahrsband bereits angekündigten) Nachweis dafür führen, daß der Präsident des Raiffeisen-Verbandes, weil er den Genossenschaftskredit „beherrscht“, die Hand an der Gurgel jedes einzelnen Bauern hat, und daß sich aus dieser bisher völlig unbekannten Tatsache die ganze malaise der deutschen Agrarwirtschaft ebenso leicht wie zwanglos ableiten läßt... Erwin Topf