o. f., Worpswede

In dem Künstlerdorf Worpswede ist mit der Auseinandersetzung um den Grabstein des kürzlich verstorbenen Müllers Heinrich Schwenke ein Präzedenzfall dafür geschaffen, ob die Landes-Friedhofsordnung, die berechtigten Grundsätze des Kirchenvorstandes oder die Pietät der Hinterbliebenen und der Wunsch des Verstorbenen maßgebend für die Ausgestaltung des Grabmales sei. Nach dem Willen des Toten stellte seine Familie einen Mühlstein auf die Grabstätte und versah ihn mit Namen und Lebensdaten Schwenkes. An Stelle des „geb. am..und „gest. am...“ wünschte sich der Müller je eine germanische Lebens- und Todesrune, Zeichen, die neben vielen anderen heidnischen Ursprungs besonders in ländlichen Gegenden Norddeutschlands noch heute als Eigentumsmarken und als Zierat beim Hausbau Verwendung finden.

Der Geistliche des Ortes, Pastor Breitschuh, hat sich gegen die Anbringung dieses Grabmals gewandt. Er erklärt, daß die germanischen Schriftzeichen, „abgesehen von ihrer jahrtausendealten heidnischen Bedeutung, in jüngerer Zeit von den Nationalsozialisten benutzt wurden“. Niemand könne die Aufstellung christlicher Symbole auf dem Friedhof erzwingen, man müsse jedoch verlangen, daß Grabmäler in ihrer Ausführung zumindest neutral gehalten seien.

In Schwenkes Grab-Mahl-Stein klafft ein großes Loch. Das Wappen, welches dort hinein gehört, darf nun auf Anordnung der Friedhofsverwaltung erst angebracht werden, wenn die Runen entfernt und die Umrisse des Steines geändert worden sind.