Wirtschaftliche Interessen sind ein integrierender Bestandteil der Politik; sie sind aber nicht gleichbedeutend mit ihr. Mancherorts ist man offenbar anderer Meinung. In der Dezember-Ausgabe der „Bremischen Hausbesitzer-Zeitung“ lesen wir, daß man es in Hausbesitzerkreisen sehr übel vermerkt habe, als sich das neugebildete schleswigholsteinische Kabinett, das aus Vertretern der Bonner Koalition zusammengesetzt ist, im Bundesrat gegen eine mehr als 10%ige Mietenerhöhung aussprach. Auch der (bürgerliche) Hamburger Senat habe in der Mietenfrage gegen den Stachel geleckt und im übrigen ein weiteres Beispiel „unverständlicher politischer Inkonsequenz“ damit geliefert, daß er, wieder entgegen der Auffassung des Bundeskabinetts, sich den SPD-Antrag zu eigen gemacht habe, der eine Verlängerung des Kündigungsschutzes für gewerblich genutzte Räume über den 31. Dezember hinaus forderte. Eine solche Haltung stände in krassem Gegensatz zu den Versprechungen, die man von Seiten dieser Parteien vor den Wahlen den Hausbesitzern gegeben habe. Man solle sich darum nicht wundern, „wenn angesichts solcher Erscheinungen die Hausbesitzer-Wähler irrewerden und ihrerseits die Konsequenzen in der Form ziehen, daß sie den Wahlen fernbleiben.“

Bei allem Verständnis für den Mißmut der Hauseigentümer über die immer wieder verschleppte Mietenreform: derartige Drohungen verraten keinen guten politischen Geschmack. Sie setzen denjenigen, der sie ausspricht, dem Verdacht aus, nur deswegen zur Wahlurne zu gehen, um seine Interessen – Marx spricht von Klasseninteressen – anzumelden. Wir meinen, es geht dabei doch wohl um. etwas mehr, und auch die Bremer Hausbesitzer würden sich selbst den besten Gefallen damit tun, wenn sie sich hierin nicht beirren ließen. kr.