DIE ZEIT

Entgleist

Bei einer Weihnachtsfeier der deutschen Botschaft in London hielt die Frau des Botschaftsrats Schlitter die Ansprache an die rund 90 Teilnehmer.

Moskau nicht eingeladen

Die fünf „Colombo-Mächte“, Pakistan, Indien, Ceylon, Burma und Indonesien, haben in Bogor – das früher Buitenzorg (Sorgenfrei) hieß und Residenz der Gouverneure von Niederländisch-Indien war – eine Konferenz abgehalten.

Politik als Gelderwerb

Von Zeit zu Zeit erheben sich mißmutige, weil steuerzahlende, Stimmen, um über die Höhe der parlamentarischen Diäten oder gar darüber, daß es sie überhaupt gibt, lebhafte und populäre Klage zu führen.

Das neue Ziel

Seit der Errichtung der Bundesrepublik, das heißt seit fünf Jahren, galt in Deutschland der Vorrang der Außenpolitik. In einem besetzten, von fremden Militärregierungen verwalteten Land ist das unvermeidlich.

ZEITSPIEGEL

Vor schwierige Probleme werden die deutschen Grenzbeamten durch die Anordnung gestellt, daß ausländischen Diplomaten gegenüber besonders schnell, höflich und taktvoll zu verfahren sei.

Berlins doppeltes Gesicht

Man muß schon zweimal hinsehen, um den Modell-Wolkenkratzer des „Zentralhauses gesamtdeutscher Verwaltungsorgane“, das die Ostberliner Stadtplaner gegenüber Schinkels Altem Museum erbauen wollen, nicht mit dem Warschauer Kulturpalast zu verwechseln.

Der Museumsdirektor von heute

Der Hamburger Senat hat zum Nachfolger von Carl Georg Heise als Leiter der Hamburger Kunsthalle den bisherigen Direktor des Kestner-Museums in Hannover, Alfred Hentzen, ernannt.

Was sonst noch geschah

In dem Trommelfeuer des Nervenkrieges der Ostblockstaaten gegen die Ratifizierung der Pariser Verträge ist die Drohung mit der Aufstellung einer sowjetzonalen „deutschen Nationalarmee“ in Polen und der Tschechoslowakei mit sehr geteilten Gefühlen aufgenommen worden.

Kanzler-Geburtstag

An seinem 79. Geburtstage darf der Kanzler auf die Arbeit der letzten Jahre mit der Genugtuung eines Mannes blicken, der seine Ernte gesichert weiß.

„Der Mann des Jahres“

Niemand wird zögern, Mendès-France den Titel „Mann der Überraschung des Jahres 1954“ zuzuerkennen. Denn uns alle, Freunde und Feinde, hat er vom ersten Tage seiner Regierung an überrascht.

Krise in Mittelamerika

Selbst im Zeitalter der Wasserstoffbombe kann der Kauf veralteter P-51-Mustang-Jagdbomber für ein ganzes Staatengebiet eine alarmierende Wirkung haben.

Nach Djilas – Dedijer

Die Säuberung, die gerade vor einem Jahr mit dem Ausschluß des damaligen Parlamentspräsidenten Milowan Djilas aus der Kommunistischen Partei Jugoslawiens begann, scheint sich jetzt fortzusetzen.

Pankow droht mit Kirchenspaltung

Nach der Ratifizierung der Pariser Verträge durch Frankreich steht zu erwarten, daß die sowjetische Propaganda ihr Feuer auf Deutschland konzentrieren wird.

Selbstprüfung der CSU

Wer den Schaden hat, braucht, wie es heißt, für den Spott nicht sorgen. Die CSU in Bayern, für die die Niederlage bei der Regierungsbildung nach ihrem schönen Wahlerfolg um so überraschender kam, hat es erfahren, und auch sie selber hat ihrem Ärger ohne viel Hemmungen Luft gemacht.

Enterbte Nachfahrin

In der Bechardgasse 24, im dritten Bezirk von Wien, lebt eine alte Frau in einem Zimmerchen, dessen einziges Fenster mit Pappe und Ölpapier verklebt ist.

Eine einsame Nacht

Reglos lag er im Bett und starrte an die Zimmerdecke. Er lauschte auf das Motorengebrumm der Autos, die zwei Stockwerke tief unter dem Fenster auf der Straße vorbeifuhren.

Der Kurzgeschichtenpreis

In unserer nächsten Ausgabe vom 13. Januar 1955, der Nummer 2, werden wir das Ergebnis unseres Kurzgeschichten – Preisausschreibens und die Namen der Preisträger veröffentlichen.

Ablösung am Dirigentenpult

Herbert v. Karajan hat die ihm durch einstimmigen Beschluß des Berliner Philharmonischen Orchesters angetragene Leitung der bevorstehenden Amerikatournee übernommen.

Schule in Not

Man spricht viel und laut von den Schülernöten und den Schulnöten der Eltern. Es ist an der Zeit, von der Not der Schule zu sprechen, weil jene Nöte in dieser ihren Grund haben.

Neue Schallplatten:: Boris Godunoff

Die von Electrola herausgebrachte Langspielaufnahme von Mussorgskys Oper Boris Godunoff ist ein Ereignis und eine Tat. Ein Ereignis, weil sie endlich ein gründliches Eindringen in das Hauptwerk eines Meisters ermöglicht, der nicht nur als der bedeutendste nationalrussische Komponist, sondern darüber hinaus als der „Stammvater der Neuen Muik“ zu gelten hat – eine Tat, weil der unentschuldbaren Bequemlichkeit der großen Operninstitute ein Beispiel dafür vorgehalten wird, was Zielwille und Findigkeit auch unter schwierigen Umständen, durchsetzen können.

Dichter und Gedicht

Ein mehrstrophiges Gedicht auf ein einziges Wort zu reduzieren, mag ein absurdes Spiel sein. Bei einer solchen Beschäftigung zeigte es sich jedoch nicht selten, daß die letzte unauflösbare Vokabel die Grundsubstanz der Verse enthält.

Wiener Theaterbrief

Die mit der größten Neugierde erwartete Wiener Premiere des Jahresendes war ohne Zweifel die Dramatisierung von „Don Camillo und Peppone“ durch Walter Firner.

Herman Stahl:: Vor der Nacht

Aus dem Gedichtband „Wolkenspur“ (Verlag Carl Schünemann, Bremen), der rund 60 in den letzten Jahren entstandene lyrische Arbeiten des Dichters, Zeugnisse reifer Menschlichkeit und überlegener Meisterschaft der künstlerischen Formung, vereinigt.

Poetik 1955

Auch sollte man den Untertitel nicht verschweigen: „Formen der Wortkunst. Werkzeug und Handgriffe des Schriftstellers.“ Herausgeber ist Otto Schumann, der in seiner Einleitung Absicht und Ziel der Darstellung heraushebt: Dichter zu werden sei Gnade, Schriftstellern könne man lernen.

Das Paradies ist verriegelt

Eine gefährliche Straßenkreuzung wird zum Schnittpunkt des Geschehens in einer kleinen Universitätsstadt. Dort gerät ein Mann unter die Räder des Autobus.

Der Schrecken der Geschichte

Schöpferische Freiheit und Geschichtlichkeit hängen für den modernen Menschen zusammen. Der moderne Mensch will die Geschichte.

Vorbeugung gegen die Macht

Kann der freiheitgefährdenden Machtergreifung. vor der nach den Erfahrungen der deutscher Katastrophe kein Rechtsstaat jemals sicher ist, vorgebeugt werden? Bei seiner Untersuchung des modernen Umsturzes kommt der Verfasser zu der Erkenntnis, daß in unserer Zeit dem Berufsbeamtentum eine besondere Widerstandsfunktion zukommt.

Psychotherapie und Test

Diskussionen über weite Gebiete der Psychologie sind auch bei uns in Deutschland an der Tagesordnung. Schlagworte wie Psychosomatik, Verdrängung, Komplexe, Analyse gehören zum Hausgebrauch.

Das Buch des Auslandes:: Himmel über allen

Ohne Liebe ist alles tot“, heißt es an einer Stelle des neuen Romans von Max Tau. „For over oss er himmelen.“ (Denn der Himmel ist über uns allen), im Verlag Tanum, Oslo, Mit dem Titel ist die Grundmelodie des Werkes angegeben, die auf allen Seiten des Romans zu hören ist.

Niedersachsen: Der Stein des Anstoßes

In dem Künstlerdorf Worpswede ist mit der Auseinandersetzung um den Grabstein des kürzlich verstorbenen Müllers Heinrich Schwenke ein Präzedenzfall dafür geschaffen, ob die Landes-Friedhofsordnung, die berechtigten Grundsätze des Kirchenvorstandes oder die Pietät der Hinterbliebenen und der Wunsch des Verstorbenen maßgebend für die Ausgestaltung des Grabmales sei.

Bremen: Wirtschaftsoberschulen

Am 12. Januar tritt in Hamburg die Ständige Konferenz der Kultusminister zusammen. Auf der Tagesordnung der Sitzung steht auch ein Punkt, der schon einmal behandelt, aber nicht endgültig geklärt wurde: Wirtschaftsoberschule.

Sachsen: Mit Shirow bohren

Berta und Ingelore, Weberinnen im Thüringer Textilwerk Bleicherode, bedienen jede zehn Webstühle zu gleicher Zeit. Mit dieser „Mehrstuhlbedienung“, die sie von sowjetrussischen Arbeitern gelernt haben, sparen sie Zeit, Kosten und Material ein, ebenso wie die Lehrlinge des Hüttenwerkes Thale, die neuerdings mit Shirow-Anschliff bohren, und wie die Maurer an der Stalinallee, die nach der Dreier-Methode arbeiten.

Berlin: Der gespaltene Schiller

Auf einem Lagerplatz hinter dem Ostberliner Rathaus sitzen vier marmorne Damen mit suchend ins Leere gerichtetem Blick. Wonach sie Ausschau halten, wird klar, wenn man erfährt, wer die Damen sind: „vier allegorische Gestalten, die Hauptgebiete der Schillerschen Muse verkörpernd: Lyrik, Drama, Philosophie und Geschichte“.

Schleswig- Holstein: Boysen liebt das Schöne

Dem 49jährigen Hilfsrangierer Detlev Boysen aus Meldorf in Dithmarschen wird eine künftige deutsche Nachkriegskunstgeschichte einige Sätze, vielleicht einen ganzen Abschnitt, widmen müssen.

Hessen: Einbahnstraße Rhein

Am 1. Januar ist die neue Rheinschiffahrtsverordnung in Kraft getreten; sie ist das Ergebnis mehrjähriger Beratungen der Rheinschiffahrts-Zentralkommission in Straßburg, in der alle an der Rheinschiffahrt interessierten Staaten vertreten sind.

Immer nur Interessen...

Wirtschaftliche Interessen sind ein integrierender Bestandteil der Politik; sie sind aber nicht gleichbedeutend mit ihr. Mancherorts ist man offenbar anderer Meinung.

Stückemangel

Das Börsenjahr 1954 war zu gut; die Aufwärtsentwicklung der Kurse hätte sich wohl besser über zwei Jahre verteilt.“ Das ist die Meinung, die Direktor Hans Rinn, Vorstandsmitglied der Hamburger Kreditbank, nach der letzten Sitzung der Hanseatischen Wertpapierbörse während eines Silvesterempfangs seines Instituts vertrat.

Kartellgesetz auf Gesetzkartellbasis

Wie weiland Martin Luther zu Worms, hat Prof. Erhard in mannigfachen Äußerungen immer wieder erklärt, daß er unerschütterlich zum Prinzip des Kartellverbots stehe – so etwa letzthin noch in Loccum mit den Worten: „Um die Marktwirtschaft wäre es geschehen, wenn ich in der Kartellfrage einen Schritt zurückweichen würde.

Holland gegen Mitbestimmung

Es ist Holland gelungen, die wirtschaftlichen Folgen des Krieges und den Verlust seiner südostasiatischen Gebietsteile ziemlich schnell und so befriedigend zu überwinden, daß gewisse Panegyriker der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa nach dem Kriege schon den Mut aufgebracht haben, dem „deutschen Wunder“ ein „niederländisches Wunder“ an die Seite Zu stellen.

Jahresbilanz der Weltwarenmärkte

Die im Herbst 1953 einsetzende Preiserhöhung kam im Laufe des zweiten Quartals 1954 nicht nur zu einem Stillstand, sondern wurde sogar von einem Rückgang abgelöst, der sich bis zum Ende des dritten Quartals fortsetzte.

Käuferstreik der Bauern?

Der Kampfruf „Käuferstreik“ wird in landwirtschaftlichen Versammlungen wieder laut. Ein solcher Streik wird als Selbsthilfeaktion proklamiert, mit der gegen die unbefriedigenden Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und gegen die Unterbewertung des Bauernstandes und seiner Arbeit protestiert werden soll.

Tropenprüfung

Über 500 Spitzenerzeugnisse der deutschen Ernährungswirtschaft wurden mit dem Motorschiff „Transvaal“ der Deutschen Afrika-Linien auf eine 100tägige Reise geschickt: sie führt an der westafrikanischen Küste entlang über den Äquator hin und zurück und läuft unter der etwas langatmigen aber doch recht bedeutsamen Bezeichnung „DLG-Tropen- und Exportprüfung für Nahrungs- und Genußmittel Sinn dieser Prüfung (durchgeführt von der Markenabteilung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft) ist es, Fleisch- und Fischdauerwaren, Erzeugnisse der Feinkostindustrie, Obst-, Gemüse- und Dauerkonserven, Marmeladen und Konfitüren, Kondensmilch, Milchpulver, Spezialbrote, Dauerbackwaren, Fett, Wein, Weinbrand und Spirituosen auf ihre Haltbarkeit in den Tropen zu kontrollieren.

Eigenkapital fehlt

In dunklen Farben gehalten ist das Bild, das die Lastenausgleichsbank in ihrem Bericht über die Eingliederung von Vertriebenen und Flüchtlingen als Selbständige in die gewerbliche Wirtschaft gibt (Volkswirtschaftliche Berichte der Lastenausgleichsbank, Jahrgang 1954, Heft 1).

Großtechnische Kautschuksyn

Der Verbrauch an Kautschuk nimmt von Jahr zu Jahr zu. Naturkautschuk kann schon seit Jahrzehnten den Bedarf allein nicht mehr decken, und rund ein Drittel des Weltverbrauchs wird gegenwärtig durch Synthese-Kautschuk befriedigt.

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