Der Kampfruf „Käuferstreik“ wird in landwirtschaftlichen Versammlungen wieder laut. Ein solcher Streik wird als Selbsthilfeaktion proklamiert, mit der gegen die unbefriedigenden Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und gegen die Unterbewertung des Bauernstandes und seiner Arbeit protestiert werden soll. Die Älteren werden sich entsinnen, daß dies Feldgeschrei bereits vor zwei Jahrzehnten zur Zeit der großen Wirtschaftskrise weithin ertönte: mit dem Ergebnis, daß die Atmosphäre zwischen Stadt und Land immer stärker vergiftet wurde, während im Berufsstand selbst der zunächst geschmähte Streikbrecher schließlich doch triumphierte.

Kühle Vernunft vermag eine solche Parole bei allem Verständnis für die Note vor allem der kleinen Bauern unmöglich ernst zu nehmen. Sie erinnert fast an das frierende Kind, das sich über die Schuld des Vaters freut, der ihm keine Handschuhe kauft. Was kauft der Bauer? Maschinen und Düngemittel. Wen schädigt sein Streik? Ihn selbst. Oder hält man tatsächlich die Solidarität des Berufsstandes für derart gefestigt, daß auf längere Frist jeder Kauf unterbleiben könnte? Es hieße denn doch die Lage der Industrie verkennen und die Einsicht der Allgemeinheit unterschätzen, wenn man glaubt, durch derartiges Vorgehen Eindruck zu machen oder gar die „Bewertung des Bauernstandes“ zu heben. Die Stimmen, die ihn mangelnder Wirtschaftseinsicht zeihen, werden in ihrer „Unterbewertung“ nur bestärkt werden!

Dabei könnte man sich denken, daß man sehr wohl zur Formulierung einer Streikparole gelangen könnte, die dem Landwirt nutzen und seine wirtschaftliche Einsicht erweisen würde, ja, der sogar die Industrie beipflichten könnte. Seit Jahren wird geklagt, und dies nicht zu Unrecht, über die zu hohen Maschinenpreise, über die Überzahl der Maschinentypen (an die 150 Traktoren-, über 40 Melkmaschinentypen usw.) und die damit verbundene Kompliziertheit der Ersatzteilbeschaffung. Alle Mühen, hier Wandel zu schaffen, scheinen fruchtlos zu bleiben. Warum kann sich hier die Landwirtschaft nicht zu einer einheitlichen Parole aufraffen und von ihren Organisationen verlangen, daß jedes einzelne Dorf sich auf den Kauf von einer oder einigen wenigen erprobten Typen einigt, die durch geordneten Kundendienst die Versorgung mit Ersatzteilen gewährleisten? Sollte es wirklich nicht möglich sein, durch die Berater die geeigneten Typen gemeinde- oder gegendweise bekanntzugeben? Und sollte es nicht zu verantworten sein, den entflammten Streikeifer nicht gegen die Berufsgenossen zu wenden, die die empfohlenen Maschinen kaufen, sondern gegen die „Streikbrecher“, die auf ihren Sonderwünschen beharren und dadurch zur Erhöhung der Preise beitragen?

Der Einwand wird nicht ausbleiben: Durch derartige Empfehlungen setzt sich der Berater dem Angriff der Verfertiger der nicht empfohlenen Maschinentypen aus. Nun, das muß er in Kauf nehmen. Wenn es im Ausland, z. B. in Dänemark und Schweden, möglich ist, daß der Bauer nur geprüfte, also öffentlich empfohlene Maschinen kauft, wenn dort auch negative Urteile veröffentlicht werden: dann sollte die Beratung sich durchsetzen können und müssen.

Jedenfalls wäre es eine sinnvolle, produktive und für die Allgemeinheit verständliche Streikparole, wenn sie lauten würde: Kauft nur Maschinen mit Test und geordnetem Kundendienst, einigt euch gemeindeweise auf die oder die Typen und verlangt von euren Beratern deren Nachweis! Oder glaubt man, die öffentliche Meinung von der Einsicht landwirtschaftlicher Führung zu überzeugen, wenn man die Parole ausgibt: Kauft keinen Dünger und keine Maschinen? Mth.