Selbst im Zeitalter der Wasserstoffbombe kann der Kauf veralteter P-51-Mustang-Jagdbomber für ein ganzes Staatengebiet eine alarmierende Wirkung haben. Diese erstaunliche Tatsache ergab sich in den zentralamerikanischen Ländern, als Nikaragua vor kurzem 25 Mustangs in Schweden kaufte. Da Nikaragua nunmehr die Luftüberlegenheit im zentralamerikanischen Raum besitzt, ist es nicht zu verwundern, wenn alle übrigen mittelamerikanischen Staaten beunruhigt sind. So hat der Präsident José Figueres von Kostarika wiederholt auf die militärischen Vorbereitungen Nikaraguas aufmerksam gemacht, die dem ehemaligen Präsidenten Kostarikas, Rafael Calderon Guardia, und seinen Anhängern Gelegenheit geben könnte, in Kostarika einen Umsturz herbeizuführen.

Der Grund für die gespannten Beziehungen beider Länder liegt in dem schlechten persönlichen Verhältnis ihrer Staatspräsidenten. Während José Figueres ein Vertreter der liberalen Demokratie ist, herrscht der Staatspräsident von Nikaragua, General Anastasion Somoza, seit mehr als zwanzig Jahren als Diktator. Er hat dem Expräsidenten Calderon Guardia ein Asyl in Nikaragua gegeben und ihm ermöglicht, militärische Vorbereitungen zum Sturz des verhaßten Figueres zu treffen, der obendrein beschuldigt wird, Attentatspläne auf Somoza unterstützt zu haben. Figueres steht aber nicht nur vor dieser von außen drohenden Gefahr, im Lande selbst versuchen seine politischen Gegner, den neuen Vertrag mit der nordamerikanischen United Fruit Co. im Parlament zu blockieren in der Hoffnung, durch eine Verhinderung der Ratifizierung den Präsidenten stürzen zu können.

Auf der anderen Seite muß sich Honduras, das bisher in Mittelamerika über die größte und am besten ausgebildete Luftwaffe verfügte, nunmehr hinter Nikaragua mit dem zweiten Platz begnügen, eine Tatsache, die bei dem leicht verletzbaren Nationalstolz der Lateinamerikaner geeignet ist, das nachbarliche Verhältnis zu Nikaragua zu trüben.

In der Republik Panama hat die Unterzeichnung des neuen Vertrages mit den Vereinigten Staaten über den Panamakanal und die Verwaltung in der amerikanischen Kanalzone zu einem schweren Konflikt geführt. Eine Woche nach der Veröffentlichung des Vertrages fiel am 2. Januar der Staatspräsident von Panama, José Antonio Remon, einem Maschinenpistolenattentat zum Opfer. Es wird vermutet, daß die unbekannt gebliebenen Attentäter aus den Kreisen der Arbeiter und Angestellten stammen, die mit einigen Bestimmungen des Vertrages unzufrieden sind. Der neue Vertrag bestimmt nämlich, daß alle panamesischen Staatsangehörigen, die in der Kanalzone beschäftigt sind, dort aber nicht wohnen, in Zukunft nicht mehr in den billigen staatlichen nordamerikanischen Geschäften in der Kanalzone kaufen dürfen. Von dieser Bestimmung, die auf Druck der Kaufleute Panamas in den Vertrag aufgenommen wurde, werden 17000 Arbeiter und Angestellte betroffen, deren Lebensstandard sich durch das Einkaufsverbot erheblich verschlechtert, wenn ihre Löhne und Gehälter nicht wesentlich erhöht werden’.

Auch El Salvador, die kleinste der zentralamerikanischen Republiken, steht vor Lohnkämpfen der in den Kaffee- und Baumwollpflanzungen beschäftigten Arbeiter, deren Löhne auch nicht annähernd mit den ständig steigenden Lebenshaltungskosten Schritt halten.

Von allen mittelamerikanischen Ländern sieht sich aber Guatemala, das die Folgen seiner Revolution noch nicht überwunden hat, vor die schwierigsten Probleme gestellt. Die Regierung des Diktators Carlos Armas steht unter schwerem Druck von rechts und links. Steigende Preise, ernste Arbeitslosigkeit, ständige Unzufriedenheit des Heeres und der bisherige Mißerfolg bei dem Versuch, ihr wirtschaftliches und soziales Programm durchzuführen, sind Faktoren, die der Regierung große Sorgen bereiten.

Diese Zeit allgemeiner nervöser Spannung im mittelamerikanischen Raum hat General Somoza dazu benutzt, sich eine militärische Überlegenheit zu verschaffen. Die USA versuchen zwar, durch Lieferungen auf Grund ihres mit Guatemala geschlossenen militärischen Hilfspaktes das gestörte Gleichgewicht in Mittelamerika wiederherzustellen, sie werden jedoch durch die unklaren innenpolitischen Verhältnisse in Guatemala zur Zurückhaltung gezwungen. Im übrigen muß Washington darauf Rücksicht nehmen, daß Nikaragua bei der prompten Rückzahlung von Krediten für Warenimporte aus den Vereinigten Staaten an der Spitze aller vierundzwanzig lateinamerikanischen Länder steht. Hinzu kommt noch, daß sich Nikaragua unter Somozas Führung in außenpolitischen Fragen insbesondere auch in der UNO als treuer Freund der USA erwiesen hat. Darum wird dem Diktator Somoza in Washington vieles nachgesehen, was im krassen Widerspruch zu den dort herrschenden Auffassungen über Demokratie steht.