Die fünf „Colombo-Mächte“, Pakistan, Indien, Ceylon, Burma und Indonesien, haben in Bogor – das früher Buitenzorg (Sorgenfrei) hieß und Residenz der Gouverneure von Niederländisch-Indien war – eine Konferenz abgehalten. Den Namen „Colombo-Mächte“ haben die fünf Staaten von einem Treffen erhalten, das im Frühjahr 1954 stattfand und auf dem beschlossen wurde, den Lebensstandard der beteiligten asiatischen Völker zu heben, und zwar durch wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Westen. Daraus ist nicht viel geworden. Die Spannungen innerhalb dieses losen Zusammenschlusses sind zu stark, als daß man gemeinsam handeln könnte.

Da ist es verständlich, daß man eine neue Konferenz veranstalten will, um eine Einigung auf Grund eines ideologischen Themas, das sich an die politische Leidenschaft wendet, zu erzielen. Die Anregung kam von Indonesien. Die Regierung in Djakarta schlug vor, eine afrikanisch-asiatische Konferenz abzuhalten, mit dem durch die Colombo-Konferenz bereits strapazierten Thema, eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zu etablieren. Ferner aber will man gegen den „Kolonialismus“ in Afrika protestieren – was alles im Augenblick sehr platonischen Charakter hat. Interessant zu beobachten ist jedoch, wer zu dieser Konferenz eingeladen werden soll und wer nicht.

Pakistan und Ceylon waren für Japan und gegen Rotchina. Indien, Burma und Indonesien vertraten die entgegengesetzte Forderung. Das Ergebnis war ein Kompromiß: beide Staaten sind aufgefordert worden, teilzunehmen. Tailand und die Philippinen, die Rotchina ablehnen, werden daraufhin vermutlich fernbleiben. Israel wurde nicht eingeladen wegen seiner „feindlichen Haltung zu den arabischen Staaten“. Südafrika endlich, die stärkste afrikanische Macht, wurde wegen ihrer Rassenpolitik ausgelassen.

Am bezeichnendsten aber ist: Nicht aufgefordert wurde die Sowjetunion! Moskau hat 1954 alles versucht, um Rotchina zu der Berliner Konferenz, bei der es in erster Linie um europäische Fragen ging, als Teilnehmer hinzuzuziehen. Rotchina hingegen scheint nichts tun zu wollen, um, den Sowjetrussen einen Zugang zu der asiatischafrikanischen Konferenz zu verschaffen. Man mag die Aussichten dieser Konfrenz, die in erster Linie deklaratorischen Charakter haben wird, sehr gering einschätzen. Aber man darf die Tatsache nicht übersehen, daß hier unverhüllt die Sowjetunion, deren Gebiet die Hälfte des asiatischen Kontinents bedeckt, nicht nur aus der asiatischen, sondern auch aus der afrikanischen Politik ausgeschaltet werden soll, und zwar mit Zustimmung ihres stärksten Verbündeten, der rotchinesischen Regierung in Peking. Politisch ist dies von M’ao Tsetung und Tschu En-Lai, die in letzter Zeit mit Nehru und U Nu, dem Ministerpräsidenten von Burma, zweimal eingehend konferiert haben, vorzüglich gespielt worden. Richard Tüngel