h. z., Magdeburg

Verstärkte politische Arbeit mit den Interzonenreisenden“ gehörte zum Neujahrsprogramm der SED-Propaganda. Die Idee stammte von der SED-Bezirksleitung Magdeburg. Die Großzügigkeit gegenüber den „unterdrückten und vom politischen Terror gezeichneten“ Menschen aus Westdeutschland soll weiter verstärkt werden. Fliegende Agitationskommandos haben ab 1. Januar 1955 – den westdeutschen Interzonenreisenden eine Vielzahl schriftlicher Einladungen zu politischen Diskussionen in Form eines repräsentativen Veranstaltungskalenders mit nachträglichen Wünschen zum Neujahr überreicht.

In den Becher der Vorfreude ist allerdings schon ein bitterer Tropfen gefallen –: Ein sechs Tage lang durchgeführter Test ergab, daß die Interzonenreisenden aus der Bundesrepublik nur in seltenen Fällen auf die Bemühungen der D-Zug-Agitatoren reagierten und ihnen infast allen Fällen tannengeschmückte Geschenkpäckchen in die Hand drückten, die von den Leitern der Probeaktion hernach stillschweigend eingezogen wurden.