Herr Dr. W. Bender, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, stellt uns den folgenden Beitrag zur Verfügung.

Die Durchführung der Rüstung stellt als Hauptproblem die Aufgabe, die Fabrikation der Rüstungsgüter und die Dienstleistungen so vorzunehmen, daß unser Lebensstandard nicht beeinträchtigt wird. Die politischen Gründe für diese Bedingungen sind oft genug dargelegt worden.

Da für den Stand unserer Lebenshaltung die Ausfuhr in erster Line maßgebend ist – mehr noch als die Bauwirtschaft und andere Gruppen unserer industriellen und landwirtschaftlichen Produktion – so ist es verständlich, daß recht häufig die Frage auftaucht: „Ist es möglich, weiterhin eine expansive Ausfuhrpolitik zu betreiben, wenn die Anforderungen der Rüstung erhöhte Ansprüche an unsere Produktion stellen?“

Diese Frage ist natürlich nicht mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten. Wohl aber kann man untersuchen, was zu tun ist, um trotz der Anspannung durch die Rüstung unsere Ausfuhr weiter zu steigern. Zunächst ist festzustellen, daß die günstige Entwicklung unserer Ausfuhr auch im Jahre 1954 – sie überschreitet zum erstenmal die 20-Milliarden-Grenze – immer noch nicht die Geamtsteigerung der industriellen Ausfuhr der Welt eingeholt hat. Unser Anteil an dieser Weltausfuhr beträgt wieder 6 v. H. Das Pro-Kopf-Volumen unserer Ausfuhr gehört zu den niedrigsten der Industrieländer. Insgesamt exportierten wir von unserer Produktion 14 v. H. Das ist ebenfalls ein relativ niedriger Satz. Darum besteht – äußerlich betrachtet – noch ein erheblicher Spielraum für die Expansion unserer Ausfuhr auf den Weltmärkten.

Von ausländischer Seite ist uns in den vergangenen Jahren des älteren gesagt worden, daß die bisherigen Erfolge unserer Ausfuhr nur deshalb möglich gewesen seien, weil wir uns an den Kosten der Aufrütung der westlichen Welt nicht zu beteiligen brauchten. Dieser Vorwurf ist ungerecht, zumal diejenigen, die ihn erhoben, zum Teil auf eine starke Steigerung ihrer Ausfuhr trotz der Rüstungskosten blicken konnten, und zum anderen, weil die Besatzungskosten von 55 Mrd. DM, die wir seit 1945 getragen haben, durchaus einen Vergleich aushalten. Immerhin wird nunmehr diesen Vorhaltungen der letzte Grund entzogen

Bei der Voraussetzung eines jährlichen Aufwandes von 9 Mrd. DM für die Rüstung ist der Ausfall an produktiven Erzeugnissen – die Rüstungsgüter stellen ja keine wirtschaftlichen Werte dar – vom Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie in früheren Ausführungen auf 5 v. H. geschätzt worden, und der Ausfall durch die Herausnahme einer halben Million junger Männer aus dem Wirtschaftsprozeß (wozu noch der Ausfall an Arbeitskraft durch die geburtenschwachen Jahrgänge kommt) auf weitere 5 v. H. Man wird wohl annehmen können, daß unsere heutige industrielle Kapazität bei voller Ausnutzung diese 10 v. H. kompensieren kann. Es ist sogar anzunehmen, daß diese Ausfüllung unserer Kapazität und die damit verbundenen Möglichkeiten größerer Serienfertigung einen kostenmindernden Einfluß auf unsere Produktion hat, so daß hier gewisse Voraussetzungen für gesteigerte Ausfuhrmöglichkeiten geboten werden.

Natürlich muß dieser erhöhten Ausnutzung der Kapazität eine intensive weitere Rationalisierung zur Seite gehen. Die hierzu erforderlichen Investitionsmittel sind, wie es ja immer wieder gesagt worden ist, in erster Linie von der Erleichterung der Steuerlast abhängig. Was in dieser Hinsicht in der Steuerreform sehr vorsichtig begonnen wurde, bedarf also des weiteren Bestrebens und, auf dem Gebiet der Abschreibungen, der zweckentsprechenden Ergänzung. Bisher rührte die Ausdehnung unserer Produktion zum großen Teil aus der Vermehrung der Zahl der Arbeitenden, der Schaffung neuer Arbeitsplätze her. Jetzt rückt eine echte Produktionssteigerung durch die Intensivierung der Fertigungsvorgänge stärker in den Vordergrund.