Mit einer ebenso wichtigen wie gefährlichen Fragestellung beschäftigt sich ein Buch von:

Herbert von Borsch: „Obrigkeit und Widerstand“. Zur politischen Soziologie des Beamtentums, Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen. 243 Seiten. 12,40 DM.

Kann der freiheitgefährdenden Machtergreifung. vor der nach den Erfahrungen der deutscher Katastrophe kein Rechtsstaat jemals sicher ist, vorgebeugt werden? Bei seiner Untersuchung des modernen Umsturzes kommt der Verfasser zu der Erkenntnis, daß in unserer Zeit dem Berufsbeamtentum eine besondere Widerstandsfunktion zukommt. Er zieht den gerade heute äußerst beachtenswerten Schluß, daß „die Architekten der gesamtdeutschen Verfassung, die das Grundgesetz für die Bundesrepublik ablösen wird, in viel stärkerem Maße, als es 1949 der Parlamentarische Rat und erst recht die Autoren des Bundesbeamtengesetzes taten, an den Schutz der freiheitlichen Staatsform denken müssen. Sie werden sich dann auch stärker, als es geschehen ist, der Erkenntnisse der politischen Soziologie bedienen. Diese aber sagen aus, daß ohne eine „soziologische Sicherung‘ im Vollzugsapparat der Obrigkeit selbst die politische Freiheit nicht ausreichend geschützt ist. Eine Sicherung erscheint denkbar, wenn in der Haltung eines freiheitlich gesinnten- und zugleich starken Berufsbeamtentums die paradoxe Verbindung von Obrigkeit und Widerstand erfolgt ist, deren Notwendigkeit sich aus der Analyse der modernen Machtstruktur ergibt.“

w. f. k.