t. n. Bremen

Am 12. Januar tritt in Hamburg die Ständige Konferenz der Kultusminister zusammen. Auf der Tagesordnung der Sitzung steht auch ein Punkt, der schon einmal behandelt, aber nicht endgültig geklärt wurde: Wirtschaftsoberschule. Es geht um das Abgangszeugnis für die jungen Leute, die sich später dem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zuwenden wollen. Bislang gab es in allen Ländern der Bundesrepublik „Reifezeugnisse“. Die Kultusminister möchten das ändern–zumindest im Namen. Man will „einheitlich“ ein „Abschlußzeugnis“ einführen, das durch einen Zusatz gekennzeichnet werden soll, damit klar erkennbar ist, daß dem Abiturienten der Wirtschaftsoberschule nur der Weg zum Studium wirtschaftswissenschaftlicher Fächer offensteht. Im allgemeinen sind sich die Kultusminister über diese Änderung bereits einig, nur über die genaue Formulierung soll auf der Hamburger Tagung noch entschieden werden. Inzwischen ist man aber im kleinsten Land der Bundesrepublik, in Bremen, bereits dabei, diese Planung in die Tat umzusetzen. Zum Erschrecken der Schüler, die in der Umtaufe ihrer Zeugnisse eine Benachteiligung gegenüber den anderen Schularten sehen, denn nach dem bremischen Schulgesetz von 1949 sind Oberschulen und Wirtschaftsoberschulen gleichberechtigt. Sie wehren sich ebenso gegen die Umbenennung wie die Diplomhandelslehrer und die Direktoren der deutschen Wirtschaftsoberschulen, die kurz vor Weihnachten gemeinsam in Göttingen tagten. Von Vereinheitlichung könne keine Rede sein, erklärten sie, da ohnehin schon alle Wirtschaftsoberschulen die Bezeichnung „Reifezeugnis“ gebrauchten. Und der Direktor der Bremer Wirtschaftsoberschule, Erhard Halfar, teilte sogar mit, einem seiner Schüler habe man von der Universität Hamburg erklärt, daß er bei dieser Sachlage noch eine Prüfung ablegen müsse. So verschieden die Standpunkte sind, so einig dürften sich alle Betroffenen darüber sein, daß eine klare Abgrenzung dieses Wirtschaftsabiturs vom Abitur der anderen Oberschulen notwendig ist.