Die letzte HV der Deutsche Erdöl-AG, Hamburg, die einstimmig die Erhöhung des Grundkapitals um 35 auf 135 Mill. DM beschloß, war in mancherlei Hinsicht bemerkenswert. Mit auffallender Sorgfalt vermied es die Verwaltung, sich in konkreter Form auf den Dividendensatz für 1954 festlegen zu lassen, obgleich in den meisten Aktionärsanfragen das Grundthema „Dividendenpolitik“ anklang. Die Absicht der Verwaltung war klar: sie wollte auf alle Fälle eine Wiederholung der Panne von 1952 vermeiden. Damals legte man nämlich für 1951 einen dividendenlosen Abschluß vor, obwohl man einer sieben Monate zuvor abgehaltenen HV eine Rendite als ziemlich sicher in Aussicht gestellt hatte. Jetzt geht es darum, ob man für 1954 die Dividende erhöhen oder bei 6 v. H. (wie für 1953) stehenbleiben soll. Vorerst mußten sich die Aktionäre mit dem Satz trösten lassen: „Das Ergebnis für 1954 wird auf alle Fälle nicht schlechter als das für 1953 ausfallen!“ Soweit die Aktionäre über die Dividende Auskunft begehrten, machten sie von einem selbstverständlichen Recht Gebrauch; denn wenn man jemandem Geld gibt, muß man wissen, wie es sich verzinsen wird.

Der zweite bemerkenswerte Punkt dieser HV waren die Anfragen des Aktionärs Rechtsanwalt Dr. Gerson (Hamburg), der im vergangenen Jahr als Sprecher des Aktionärsvereins der Phrix hervortrat. Für ihn war, als er mit dem ihm eigenen Pathos auf die Notwendigkeit lebhafter Hauptversammlungen hinwies (daran hat es bei der DEA nie gemangelt), die Dividendenfrage nebensächlich. Dr. Gerson, der sich gern als Verteidiger der Kleinaktionärsinteressen aufwirft, beschuldigte die Verwaltung, den Bezugskurs für die neuen Aktien mit 110 v. H. zu niedrig festgesetzt zu haben; denn in Anbetracht des hohen Kurses der DEA-Aktien (zwischen 175 und 180 v. H.) hätte man – so sagte er – mehr für die Gesellschaft herausholen können.

Dieser Standpunkt erregte nun wieder beim Vorstand und beim Aufsichtsrat Heiterkeit; es kommt wohl selten vor, daß ein Aktionär gegen seine eigenen Belange spricht, wie es hier offensichtlich der Fall war. Dem AR-Vorsitzenden Franz Heinrich Ulrich (Norddeutsche Bank AG) fiel die Antwort auf diese reichlich merkwürdige Stellungnahme denn auch nicht schwer. Er beteuerte, daß sich die Verwaltung wohl über die Höhe des Bezugskurses unterhalten hätte, wobei man zwischen 100 und 110 v. H. geschwankt hätte; niemand wäre indes auf die Idee gekommen, mehr als 110 v. H. zu fordern; denn ein wichtiger Nebenzweck der Kapitalerhöhung war, dem Aktionär wegen der jahrelangen Dividendenlosigkeit mit dem Bezugsrecht und dem relativ niedrigen Bezugskurs eine Art steuerfreier Entschädigung zukommen zu lassen. Da auch einige weitere Fragen Dr. Gersons von wenig Sachkenntnis zeugten, mußte man sich nach dem Sinn und Zweck seines Auftretens fragen. Von der Notwendigkeit, etwa bei der DEA einen Aktionärsverein ins Leben zu rufen, wären wir jedenfalls nicht überzeugt. Fragen zu stellen, damit überhaupt gefragt wird, ist eine schlechte Angewohnheit, weil sie anderen Leuten die Zeit stiehlt. K. W.