Nicht alles, was von Interessenverbänden gefordert wird, ist übertrieben oder gar unberechtigt. Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels hatte beim Bundeswirtschaftsministerium den Wunsch angemeldet, im neuen Bundeshaushalt mit 3,5 Mill. DM an der Vergabe von Gewerbeförderungsmitteln beteiligt zu werden. Bevor sich das Bundeskabinett mit diesem Begehren beschäftigen konnte, hatte man bereits die Summe auf 2 Mill. DM „gedrückt“. Das Kabinett strich sie dann nochmals um die Hälfte, der Bundesrat schloß sich dieser überraschenden Regelung an, und als man sich die Ergebnisse bei Licht besah, stellte man fest, daß mit der verbliebenen 1 Mill. DM neben dem Einzelhandel auch noch dem Großhandel und dem Gaststättengewerbe in Richtung auf eine sinnvolle Betriebs- und Berufsförderung „geholfen“ werden sollte...

Der Einzelhandel hat nun darauf aufmerksam gemacht, daß in der ihm gegenüber geübten „Sparsamkeit“ ein Bruch der vom Bundeswirtschaftsminister auf der Jahrestagung des Einzelhandels in Hamburg gemachten Versprechen (2 Mill. DM) gesehen werden müsse. Die Sparsamkeit des Kabinetts wirke auf den Einzelhandel um so merkwürdiger, als in den letzten drei Jahren dem Handwerk Gewerbeförderungsmittel in Höhe von mehr als 15 Mill. DM aus öffentlichen Kassen zur Verfügung gestellt wurden. Der Einzelhandel wollte die ihm zugesagten Mittel zum Ausbau des Fachschulwesens verwenden. Wie man hört, sind infolge der Reduzierungen so wichtige Projekte wie die Möbelfachschule in Köln und die Textilfachschule in Nagold (Schwarzwald) ernsthaft gefährdet.

Die weitere Initiative in dieser Frage liegt nun beim Haushaltsausschuß des Bundestages, der – wie man erfährt – um die Wiedereinsetzung der ursprünglichen 2 Mill. DM besorgt sein dürfte. Dü.