Wir sind In die Endtransaktion der sogenannten Entflechtung, in unserem Falle der Re-Entflechtung eingetreten“, erklärte Wilhelm Zangen, Vorsitzer des Vorstandes der Mannesmann AG, Düsseldorf, anläßlich der Bekanntgabe des Umtauschangebots an die Stamag- und Consol-Aktionäre. Nachdem im Handelsregister am 29. Dezember die Kapitalerhöhung um 80 auf 320 Mill. DM eingetragen worden war, bietet Mannesmann den Aktionären der seinerzeit entflochtenen Consolidation Bergbau AG und der ebenfalls entflochtenen Maschinenbaugruppe, zusammengefaßt An der Stahlindustrie und Maschinenbau AG (Stamag), Düsseldorf, neue, ab 1. Januar 1954 dividendenberechtigte Mannesmann-Aktien im Verhältnis 1:1 an. Dieses Angebot wird von der Verwaltung als sehr günstig bezeichnet. Mannesmann werde für 1954 eine Dividende von 7/2 nach 6 v. H. ausschütten und damit eine Verzinsung dem Aktionären bieten, wie sie die Bergbaubetriebe niemals fürsich allein und auch die Maschinenbaugruppe in dieser Höhe nicht erreichen könnten.

Die Stamag käme höchstens auf 5 v. H.; eine Dividende für Consol sei angesichts der Finanzschulden, die aus dem Kauf des Majoritätspaketes von Essener Steinkohle aus den Händen von Friedrich Flick aufgenommen worden waren, unmöglich. Mannesmann rechnet daher auch damit, daß das Umtauschangebot, das bis zum 25. Februar befristet ist, praktisch von allen Aktionären angenommen werden wird.

Zangen meinte weiterhin, daß es an der Steuergesetzgebung liege, wie man in Zukunft den nach dem Umtausch wieder zusammengekommenen Konzern später im einzelnen gliedern werde. An eine Fusion auf die Holding sei nicht gedacht. Man hätte schon 1937 Pläne erwogen, Kohle, Stahl und Röhren zu verselbständigen. Viele Gründe befürworten den aufgelockerten Konzernaufbau. Die Holding-Führung müsse frei für ihre eigentlichen Aufgaben bleiben und könne sich in selbständigen großen Unternehmen bei Kohle, Stahl und Röhren den geeigneten Führungsnachwuchs besser als sonst heranziehen. Im übrigen gehöre z. B. die Röhrengruppe nicht zur Montan-Union; steuerliche Folgen seien zu berücksichtigen. Mannesmann werde aber die Stamag-Betriebe so umordnen, daß sie wirtschaftlich jeweils den sinnvollsten Anschluß finden. Nach Durchführung dieser Maßnahmen werde der Konzern eine konsolidierte Bilanz vorlegen, was wohl zum 31. Dezember 1955 möglich sein könnte. Im übrigen werde man einer HV die Umwandlung der Namensaktien in Inhaberaktien vorschlagen, nachdem sich herausgestellt habe, daß die überwiegende Anzahl der Aktionäre wie der Aktienkapitalien die anonyme Wahrnehmung ihrer Interessen über die Banken gewünscht hätten.

Zur Geschäftslage war zu hören, daß der Gesamtumsatz des Bereiches Mannesmann 1954 rd. 2.4 Mrd. DM betragen hatte, davon der Umsatz mit Fremden einschl. der Handelsorganisation 1.7 Mrd. DM bei 65 000 Belegschaftsmitgliedern. Mannesmann hat 5 v. H. Anteil an der westdeutschen Steinkohlenförderung, 5,5 v. H. Anteil an der Kokserzeugung, 6,2 v. H. bei Roheisen, 8,6 v. H. bei Rohstahl und rund 40 v. H. Anteil an der Fertigung nahtloser Rohre. Bergassessor Winkhaus ergänzte diese Übersicht mit dem Hinweis auf die Kunststoffrohr-Produktion. Zwar werde sich Mannesmann mit den Rohren aus Kunststoff nicht selbst auf dem Stahlgebiet Konkurrenz machen, wenn die Kundschaft aber Kunststoffrohre verlange, könne man sie liefern, Die Produktion daran liefe auch bei Mannesmann gut an. Doch sei man der Auffassung, daß diese Rohre noch einige Jahre harter Probezeit durchmachen müßten. rlt.

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Bayer-Belegschaft kaufte Aktien. Von dem Angebot der Farbenfabriken Bayer AG zum Erwerb von Aktien haben, wie im Jahre zuvor, 11 v. H. der berechtigten Belegschaftsmitglieder Gebrauch gemacht. Der gezeichnete Aktiennennbetrag ist jedoch erheblich gestiegen, von 1,26 auf 2,1 Mill. DM und der von den Erwerbern aufzuwendende Betrag infolge der Erhöhung des Erwerbskurses von 100 auf 150 v. H. von 1,33 auf 3,25 Mill DM. Nach Ansicht der Bayer-Verwaltung läßt sich ein endgültiges Urteil über den Erfolg der Aktien erst in einigen Jahren gewinnen.

Die Bergwerksgesellschaft Walsum mbH in Walsum konnte 1954 die Kohlenförderung um 9 v. H. auf 1,91 Mill. t erhöhen, gegenüber einer Durchschnittszunahme im Vergleich zu 1953 im Bundesgebiet von 2,8 v. H. Die Leistung unter Tage je Mann und Schicht ist bei Walsum um 5 v. H. auf 2100 kg gestiegen. Der Ausbau eines Kraftwerkes und die Erweiterung der Kohlenwäsche brachten Erleichterungen für den Kohlenabsatz. 1955 werden weitere Neuanlagen hinzukommen, so u. a. zwei Zyklon-Hochdruck-Strahlungskessel, eine Bergebrechanlage, ein Zentralmagazin sowie ein weiteres Bürohaus.

Die Vereinigte Kunstmühlen Landshut-Rosenheim AG, Landshut, verteilt für 1953/54 (30. 4.) – wie in den beiden vorangegangenen Geschäftsjahren – wieder 4 v. H. Dividende auf 1.8 Mill. DM AK. Die Beschäftigung der beiden Mühlen in Landshut und Rosenheim war gut. Die Verwaltung weist in ihrem Bericht u. a. auf die Benachteiligung der bayerischen Mühlen durch den Wegfall der Frachtsubvention auf Füllweizen hin. Nach wie vor besteht in der Mühlen-Industrie eine Überkapazität.