Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland‚ entnommen.

Obwohl die zum Anfang des Jahres einsetzende Belebung der Nachfrage infolge von Bedarfdeckungskäufen eine freundlichere Weltmarkttendenz, verbunden mit Preisfestigungen, hervorgerufen hatte, führte die in der Mitte der Berichtswoche einsetzende Nachfragezurückhaltung zu einer rückläufigen Preisbewegung. Die Wochendurchschnittsnotierungen der Mehrzahl der hier notierten Waren lagen während der Berichtswoche niedriger als in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Besonders lebhafte Preisbewegungen wurden zum Jahresbeginn bei Getreide, Kupfer, Zinn und vor allem bei Kautschuk beobachtet. Die Mitte der Berichtswoche einsetzende rückläufige Weltmarktpreisbewegung stand in engem Zusammenhang mit den an der New Yorker Börse stattgefundenen Kurseinbrüchen. Nach Überwindung der hiervon ausgehenden Schockwirkung fand sowohl an der Wertpapierbörse als auch auf den einzelnen Weltwarenbörsen wieder eine leichte Preisfestigung statt, die als Ausdruck des Vertrauens in eine weiterhin günstige konjunkturelle Entwicklung der US-amerikanischen Wirtschaft interpretiert werden kann.

Einen Überblick über die Preisentwicklung In der Woche vom 3. bis 7. Januar vermittelt nachstehende Tabelle:

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei acht die Tendenz leicht gestiegen bzw. gestiegen und bei elf leicht schwächer bzw. schwächer. Die Preise von vier der notierten Waren, nämlich Kupfer, Blei, Zink und Zucker, waren konstant

Getreide: Unter der Führung von Weizen hatten sich in den letzten Wochen die Getreidenotierungen überwiegend gefestigt. Der Anlaß hierzu waren verstärkte Käufe auf Grund anhaltender Trockenheit in den südwestlichen Anbaugebieten der USA, die Beiordnungen über eine starke Erosionsgefahr hervorgerufen haben. Ferner kam es zu größeren Exportabschlüssen. In der Berichtswoche trat bei den New Yorker Locopreisen zum Teil eine Abschwächung ein. Eine Ausnahme machte Roggen, dessen Notierung anzog. Der Preisrückgang wurde durch stärkere Verkäufe auf Meldungen von Niederschlägen in den Anbaugebieten sowie durch die vorübergehende Schwächeneigung an der Effektenbörse ausgelöst.

NE-Metalle: Auf den NE-Metallmärkten war die Preisbewegung in den letzten Wochen sehr unterschiedlich. Die britischen Aluminiumpreise wurden entsprechend der Preisherabsetzung in Kanada um 7 £ erhöht. Kupfer, das unter dem Einfluß von Streikbewegungen eine starke Festigung aufwies, erfuhr zum Wochenende eine relativ starke Abschwächung. Zinn, das lange Zeit in Erwartung einer baldigen Ratifizierung des internationalen Zinnabkommens verhältnismäßig fest gewesen war, schwächte sich weiterhin ab und hat in London nicht nur die 700-£-Grenze unterschritten, sondern nähert sich auch langsam dem Im Abkommen vorgesehenen Mindestpreis.

Kupfer: Der Kupfermarkt war in der Berichtswoche durch die Gefahr einer erneuten Verknappung gekennzeichnet. Ursache für diese Befürchtungen waren die Streiks in den nordrhodesischen Kupferminen sowie ein Dockarbeiterstreik in San Antonio/Chile. Unter dem Einfluß dieser Streiks sollen die nordamerikanischen Hütten Preisheraufsetzungen erwägen, und außerdem wurde mit der Möglichkeit einer Begrenzung der US-Kupferausfuhr gerechnet. Ein weiterer Anlaß zu derartigen Erwägungen dürften auch die Prognosen über den Kupferverbrauch für 1955 gewesen sein, nach denen in den USA im laufenden Jahr mit einem erheblichen Anstieg des Kupferbedarfs gerechnet wird. – In London kam es infolge der Streiks zu einer kräftigen Festigung, und der Kassapreis erhöhte sich am 15. d. M. auf über 300 £ Sterling. In den letzten beiden Tagen der Berichtswoche trat jedoch ein Tendenzumschwung ein, und durch den Preisanstieg ausgelöste Gewinnmitnahmen führten zu einer Abschwächung. Einen Einfluß hatte außerdem die Abschwächung an der New Yorker Effektenbörse. Trotz dieser Preisabschwächung hat sich die Backwardation für Dreimonatskupfer in London gegenüber der Kassanotierung so gut wie nicht verringert und beträgt nach wie vor etwa 20 £.