Die deutschen Turner sind wieder einmal böse. Diesmal, weil die Sportjournalisten einer ziemlich dummen Gewohnheit des Auslandes, folgend unlängst den „besten Sportler des Jahres“ Kürten und dabei den Kunstturner Hellmuth Bantz nur auf den zwölften Platz setzten, wohlgemerkt recht weit hinter dem Berufsboxer Heinz Neuhaus, dem Turnierreiter Fritz Thiedemann und dem Trainer des Deutschen Fußball-Bundes, Sepp Herberger. Auf diese uninteressante und vor allem auch recht belanglose Liste näher einzugehen, lohnt sich nicht, aber man kann durchaus die deutschen Turner verstehen, wenn sie sich dagegen wehren, daß man den achtbesten Kunstturner der Welt, der lediglich bei den letzten römischen Weltmeisterschaften in den überragenden Russen seinen Meister fand, hinter einen Berufsboxer und einen Berufssportlehrer einordnete.

Nichts gegen einen Mann wie Neuhaus und erst recht nichts gegen einen so famosen Mann wie Herberger, aber gehören Profis überhaupt in eine derartige Liste, deren Unsinn doch auch dadurch noch besonders unterstrichen wird, daß zum Beispiel unser bester deutscher Turner, Adalbert Dickhut, und unsere beste deutsche Turnerin, Hannelore Assel, überhaupt nicht unter die 62 kamen, denen von 3240 Stimmen mehr als zehn zufielen?

Die Unterbewertung des Türners Bantz war aber auch ungerecht, ‚weil sie die guten Leistungen des Deutschen Turnerbundes im vergangenen Jahre verschwieg und weil man das Werturteil der Sportjournalisten über den besten Zwölfkämpfer leicht im Hinblick auf das Allgemeine falsch auslegen könnte. Die Tatsache, daß beim DTB immer weitere Einladungen vom Ausland her an unsere Turner ergehen, zeigt doch besser als alles andere, daß die Qualität unserer Turner von beachtlicher Güte ist. Führende Turner sind der Ansicht, wenn es nach den Veranstaltern ginge, hätten wir schon längst „Vertragsturner“. Und niemand kann es den verantwortlichen Männern des deutschen Turnwesens zum Vorwurf machen, daß sie sich dagegen wehren und sich energisch vor einem Zuviel an Betrieb schützen wollen. Der Turnerbund wird daher wohl kaum zu allen Einladungen seine Zustimmung geben, was nur zu begrüßen wäre, denn allein so bewahren wir uns echte Amateure. –

Wir können nicht wünschen, daß, wie in gewissen fremden Ländern, turnerischer Sinn vielfach nicht mehr vorherrscht und die Manager den Ton angeben. Der Deutsche Turnerbund hat ein fest umrissenes Programm auch für dieses Jahr aufgestellt, das sich vornehmlich schon mit der Vorbereitung für die Olympischen Spiele in Melbourne befaßt. Der deutsche Kunstturnwart wird seinen bewährten Richtlinien folgen, die einen sichtlichen Formanstieg brachten, und hat das auch eindeutig dem Nationalen Olympischen Komitee gegenüber zum Ausdruck gebracht. Man wird sich gegen jede Fehlentwicklung richten, man wird sich mit allem Ernst auf die großen Weltkämpfe vorbereiten, ohne dabei aber die größere Aufgabe zu vergessen, „einer möglichst großen Zahl von Willigen und Bedürftigen in möglichst vielen Turnstunden eine harmonische Ausbilung ihres Körpers zu vermitteln“, w. f. k.