In der vorigen Woche hat der Frankfurter Stadtrat beschlossen, den beiden Privattheatern der Stadt (Fritz Rémonds Intimem Theater und dem Theater am Roßmarkt) eine städtische Subvention von je 20 000 DM zu gewähren. Die Summe ist bescheiden und den strebsamen Bühnen gewiß zu gönnen. Aber die Begründung fordert Bedenken heraus. Man müsse berücksichtigen, sagt der Beschluß, daß die beiden Bühnen genötigt seien, den Besucherorganisationen (vor allem der „Volksbühne“) Vorstellungen zu ermäßigten Preisen zu überlassen, und so entstehe ein Fehlbetrag in ihrem Etat.

Hier machen drei Partner eine Rechnung auf, ohne einen vierten Partner zu berücksichtigen: den Bühnenautor. Er erhält laut Vertrag zehn v. H. der Bruttoeinnahmen jeder Vorstellung – wobei aber vorausgesetzt ist, daß die Eintrittspreise, aus denen sich diese Einnahmen zusammensetzen, nach Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit berechnet sind. Findet eine Aufführung nicht ausreichenden Zuspruch und bleiben viele Karten unverkauft, so trägt der Autor selbstverständlich den Schaden mit. Er muß es ja auch hinnehmen, daß sein Stück bei mangelnder Nachfrage vom Spielplan abgesetzt wird. Wenn aber die Besucherorganisationen, die den Geschmack ihrer Mitglieder recht genau kennen, eine Vorstellung kaufen, so beweist dies schon, daß genügend Nachfrage vorhanden ist. Warum sollte also dann der Autor genötigt werden können, mit einer geringeren Tantieme vorliebzunehmen, als sie ihm ein ausverkauftes Haus zu vollen Preisen bieten würde?

Die Besucherorganisationen, ursprünglich zum Besten bedürftiger Theaterbesucher gegründet und als solche überaus verdienstvoll, haben sich inzwischen an den meisten Plätzen in Veranstaltungen von Abonnements zu ganz besonders ermäßigten Preisen verwandelt. Trotzdem sind sie von großer wirtschaftlicher Bedeutung, und eine Rückkehr zu den früheren Verhältnissen des freien Marktes von Angebot und Nachfrage ist undenkbar. Aber warum sollen dort, wo Publikum und Bühnen – und mit ihnen die Kunst – einen Nutzen haben, die Künstler einen materiellen Schaden haben?

Kürzlich hat in Wien ein Gerichtsurteil einem Autor die prozentuale Beteiligung an einer derartigen städtischen Subvention für private Bühnen zugesprochen. Denn es ist doch wohl nicht in Ordnung, daß die Autoren zwar Umsatzsteuer zahlen müssen, gleichzeitig aber zusehen sollen, wie auf ihre Kosten Steuergelder zur Unterstützung von Bühnen und Besucherorganisationen verwandt werden. C. E. L.