Die Rekordproduktion der zur Borgward-Gruppe zählenden drei bremischen Automobilwerke – Carl F. W. Borgward GmbH, Goliath-Werk GmbH und Lloyd Motoren Werke GmbH –, die im vergangenen Jahr erreicht werden konnte, hat der deutschen und ausländischen Öffentlichkeit die Bedeutung der Automobilindustrie Bremens mit besonderer Deutlichkeit vor Augen geführt. Die Produktionssteigerung betrug bei den drei Werken gegenüber 1953 rund 62 V. H., eine Zahl, die in der Geschichte der bremischen Automobilindustrie ohne Beispiel ist.

Neben der Steigerung der Goliath-Produktion (um 40 v. H.) und der ungewöhnlichen Erhöhung der Lloyd-Fertigung (um 75 v. H.), hat auch das Borgward-Stammwerk mit einer Steigerung um 55 v. H. einen sehr großen Anteil an diesem Erfolg. Ohne Zweifel liegt er in dem gelungenen Start des Borgward-Pkw „Isabella“ begründet, der Mitte Juni 1954 erfolgte, überraschend schnell fand der Wagen im In- und auch im Ausland eine so große Nachfrage, daß die Borgward-Produktion unverzüglich gesteigert werden mußte. Man war gezwungen, neue Arbeitskräfte einzustellen und die Errichtung einer 20 000 qm großen Halle in Angriff zu nehmen, die vorzugsweise das Preßwerk aufnehmen soll.

Diese günstige Entwicklung ist nicht zuletzt das Verdienstvoll Dr. E. h. Carl F. W. Borg ward, dessen dynamische Persönlichkeit bestes Vorbild aller Mitarbeiter vom Direktor bis zum Lehrling ist. Allein schon der vorbildliche Wiederaufbau des Automobilwerkes, das 1944 in Schutt und Asche zusammsank, verdient höchste Anerkennung. Mit gleicher Initiative wandte er sich aber auch der Pkw-Konstruktion zu. Und der „Hansa 1500“, mit dem Carl Borgward seine Nachkriegskonstruktionen einleitete, wirkte – um mit den Worten des verstorbenen Schriftstellers Norbert Jacques zu sprechen – wie ein „Posaunenstoß auf den deutschen Straßen“. Die Produktionszahlen schnellten hoch; aber jeder Gewinn wurde in neue Anlagen. Gebäude und Maschinen gesteckt. Schon 1950 war dank des pausenlosen Wiederaufbaues die Vorkriegshallenfläche mit 110 000 qm um 30 000 qm überschritten. Im folgenden Jahr liefen dann der „Hansa 1800“ und der „Hansa 2400“ vom Band, denen im Herbst Jes gleichen Jahres der „Hansa 1800 Diesel“ folgte. Es gab eindrucksvolle Siege der Borgward-Erzeugnisse, Rekorde purzelten, und selbst bei der Carrera Panamericana schnitten die Borgward-Wagen hervorragend ab ...

Bisheriger Höhepunkt dieser stolzen Bilanz aus dem Lebenswerk von Carl F. W. Borgward ist die „Isabella“, der neue „Hansa 1500“, der aus der Synthese der beiden Typen „Hansa 2400“ und „Hansa 1800“ mit vorzüglicher Straßenlage und hervorragenden Fahreigenschaften entstand. Schnittigkeit und Eleganz des äußeren Bildes machen die „Isabella“ zu einem wirklich charmanten Wagen, der selbst verwöhntesten internationalen Ansprüchen gerecht wird. Zur Eleganz der vollendeten Pontonkarosserie kommt als wertvollste Ergänzung die völlige Neukonstruktion des Motors, der über 60 PS verfügt. Dank des erhöhten Drehmoments hat der Wagen ein ausgezeichnetes Beschleunigungsvermögen erhalten. Diesen sehr wertvollen Pluspunkten schließt sich auch die übrige Ausstattung des Fahrzeugs an, das z. B. auf den Rücksitzen selbst für besonders lange Beine genügend Platz bietet. Alles in allem: die „Isabella“ besitzt eine beispielhafte Geräumigkeit, sechs Personen sind ohne Schwierigkeiten unterzubringen Nicht ganz glücklich ist bisher die Anbringung der Seitenfenster-Kurbel gelöst; sie ist unbequem erreichbar und hat auferdem eine umgekehrte Drehrichtung, ein leicht zu behebender Mangel, der bei der Fülle der positiven Eindrücke aber kaum ins Gewicht fallen dürfte. Willy Wenzke