Seit vielen Monaten ist ein Streit über die "Verkehrsgesetze im Gang, deren Behandlung im arlament aber nicht weiterkommt. Das eine Geetz ("Verkehrsfinanzgesetz") soll das Geld für den utobahnneubau beschaffen, um die Straßen dem Verkehr anzupassen. Das zweite ("Straßenentastungsgesetz") soll durch bestimmte Verbote den Verkehr dem jetzt zur Verfügung stehenden Straßennetz anpassen. In der zeitweise sehr aufgej egten Debatte melden sich alle "Interessenten" zum Wort, das sind die Leute, die als Autofahrer oder Angehörige des Verkehrsgewerbes einschließlich der Bundesbahn "interessiert" sind. Gehört werden sollte aber auch die übrige Bevölkerung, die nicht Auto fährt. Sie ist nicht nur durch den Straßenverkehr sehr stark gestört, sondern gehört zum rheblichen Teil zu den Leidtragenden und Opfern. Im Jahre 1954 wurden 12 000 Verkehrstote und 08 000 Verletzte verzeichnet.

Unter den rund 4 7 Millionen Kraftfahrzeugen, ie am 1. Juli 1954 in Deutschland zugelassen sind, nd 2 300 731 Motorräder und Motorroller, 391 278 Personenkraftwagen, 24 664 Omnibusse, 2 491 Lastkraftwagen aller Art und 376 040 gmaschinen. Dazu kommen noch 320 724 Annger. Selbst, wenn man sich vorstellt, daß jedes ser Kraftfahrzeuge laufend von mindestens rei Menschen benutzt wird, so beträgt die Zahl r direkt durch den Besitz von Motorfahrzeugen i Straßenverkehr interessierten Menschen noch ht einmal ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. 2r Fünftel der Bevölkerung sind nur gelegentlich der Lage, als Gäste von Omnibussen, als Mithrer in Personenkraftwagen oder auf Motorlern sich der Vorzüge der Motorisierung auf der äße zu erfreuen. Neben ihnen steht sicherlich wa die Hälfte der Bevölkerung, die keine pernlichen Vorteile von dem Verkehr auf der Straße ziehen vermag und die infolgedessen die Nachile, die der Straßenverkehr nun einmal mit sich ingt, besonders stark empfinden.

Man darf nicht vergessen, daß rund zwei Fünftel xserer Bevölkerung in Wohnungen leben, die an jtraßen mit lebhaftem Verkehr gelegen sind. Weitaus die Mehrzahl der Anwohner belebter Straßen <pürt mehr oder minder stark die Erschütterungen, , vom Straßenverkehr ausgehen. Sie werden im wesentlichen durch die schweren Fahrzeuge hervorrufen. Die Erschütterungen, die von Motorrädern, ersonenkraftwagen und leichten Lastkraftwagen asgehen, werden kaum empfunden. So ergibt sich auf Grund einer Umfrage, die das Allensbacher Institut für Demoskopie im Juli und August 1954 veranstaltet hat, daß rund 38 v. H der Befragten sich persönlich durch den heutigen Straßenverkehr als stark gestört und rund 41 v. H als nicht getört" bezeichnet haben. Die Störungen wurden bei eunehmendem Alter wesentlich stärker empfunden. Dabei fühlen sich die Menschen in den Mittelstädten vom Verkehr wesentlich mehr beeinträchtigt als in den Großstädten und Dörfern.

Von besonderem Interesse ist, wie sich diese Störung auf einzelne Bevölkerungsgruppen auswirkt. Die Hausfrauen fühlen sich dabei wesentlich mehr gestört als die berufstätigen Menschen. Das ist kein Wunder, weil die Hausfrauen, die meistens Fußgänger sind, direkt und besonders durch dis Sorge um die Kinder stärker vom Straßenverkehi beeinträchtigt werden.

Störungen durch den Straßenverkehr treten vor allem in Form des schnellen und rücksichtslosen Fahrens, des Lärms und der Belästigung durch Rauch und Qualm in Erscheinung. Durch schnelles und rücksichtsloses Fahren fühlen sich rund 45 v. H aller Befragten gestört. Durch Lärm fühlen sich rund 40 v. H, durch Rauch und Qualm fühlen sich rund 20 v. H gestört, während ein knappes Drittel der Bevölkerung sich als nicht gestört durch den Straßenverkehr bezeichnet. In diesem Drittel sind im wesentlichen diejenigen Menschen enthalten, die sich überwiegend täglich der Kraftfahrzeuge bedienen oder die Kraftfahrzeuge direkt oder indirekt als Grundlage ihres Erwerbs ansehen.

Von den Personen, die an den Hauptverkehrsstraßen und an Straßen mit viel Verkehr wohnen — das sind rund 40 v. H der Gesamtbevölkerung — bezeichnen sich rund 49 v. H durch Lärm, rund 47 v. H durch schnelles und rücksichtsloses Fahren und rund 21 v. H durch Staub und Qualm als belästigt. Als Störquellen für den Lärm werden in erster Linie die Motorräder, in zweiter Linie die Lastkraftwagen angegeben, während die Personenkraftwagen, Schlepper, Straßenbahnen und Eisenbahnen kaum als Lärmquellen in das Bewußtsein der Befragten getreten sind. Die Lärmbelästigung durch Lastkraftwagen ist 50mal so groß, die Lärmbelästigung durch Motorräder SOmal so groß wie die durch Personenkraftwagen.

Auf die Frage, ob es als gut oder nicht gut angesehen wird, wenn die Anhänger bei den Lastkraftwagen ganz verboten werden, antworteten rund 49 v. H der Befragten mit gut, rund 31 v. H. der Befragten mit nicht gut, während rund 20 v. H. der Befragten sich der S |mme enthielten. Bezeichnet man diese 20 v. H als "Nichtwähler", so ergibt sich eine "Wahlbeteiligung" von 80 v. H, wobei rund 61 v. H der Wähler ihre Stimme für das Verbot des Anhängers bei Lastkraftwagen und 39 v. H gegen das Verbot des Anhängers bei Lastkraftwagen abgegeben haben.