Die Leistungsfähigkeit der durch die politische Insellage behinderten Westberliner Wirtschaft hängt nicht nur von der Auftragserteilung, sondern ebenso von der rationellen Arbeitsweise ab. Der Ende 1952 auf amerikanische Initiative zustande gekommene umfangreiche „Wood-Bericht“ enthielt daher als einen Hauptpunkt zur Förderung der Berliner Wirtschaft den Vorschlag, einen für Deutschland neuartigen Beratungsdienst ins Leben zu rufen. Mit Beginn dieses Jahres ist er nunmehr Wirklichkeit geworden. Er ist vor allem für diejenigen Mittel- und Kleinbetriebe gedacht, die bisher trotz einer gesunden Grundstruktur noch unter gewissen Schwächen leiden, insbesondere auf den Gebieten der Absatzorganisation, Werbung, Formgebung, technischen Planung, Produktion und Arbeitsmethodik.

Die Absicht, durch Zuwendungen der Wirtschaft eine private Beratungsgesellschaft zu bilden, hat sich nicht realisieren lassen. Daher wurde ein Ausweg gefunden: auf Wunsch interessierter Betriebe stehen drei erfahrene „Diagnostiker“ beim geschäftsführenden Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft zu einer kostenlosen Betriebsbesichtigung zur Verfügung. Gelangen sie in ihrem Gutachten zu der Überzeugung, daß eine eingehende Beratung die Produktivität des Betriebes wesentlich heben würde, so kann der Unternehmer einen Rationalisierungskredit der Berliner Industriebank erhalten, über dessen Gewährung ein Ausschuß von Vertretern der Behörden, der Kammern und der Gewerkschaften entscheidet. Der Kredit hat nach einem Freijahr eine Tilgungsfrist von drei Jahren bei einem Zinssatz von 5 v. H.; die Rückzahlung soll den individuellen Verhältnissen angepaßt werden.

Die in den USA, vereinzelt aber auch schon in Deutschland, angesammelten Erfahrungen mit erstklassigen Beratern, die nicht dem Betrieb angehören, haben bewiesen, daß die dafür aufgewandten Kosten nur einen Bruchteil des in der Folge entstehenden Gewinnes zu betragen pflegen. Das vorerst größte Hindernis dürfte psychologischer Art sein: es gilt, die vielerorts anzutreffende „Betriebsblindheit“ zu überwinden. Wenn erst einmal auf breiterer Ebene merkliche Erfolge erreicht sein werden, wird auch die Scheu vor dem bezahlten „Besserwisser“ verschwinden. Die ersten zehn Interessenten haben sich in Berlin unmittelbar nach der Bekanntgabe der neuen Einrichtung bereits gemeldet... gns.