H., Paris, im Januar

Für die französischen Börsen war 1954 eines der erfolgreichsten Jahre. Sie adoptierten dieselbe Haussetendenz, wie sie auf den Börsen der anderen Länder festzustellen war und die auf die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen ist. Vergleicht man indessen die Aufwärtsbewegung der Aktienkurse auf dem Pariser Effektenmarkt mit der Evolution der Börsenkurse in London und New York, dann stellt man fest, daß die Aktienkurse in Paris im Vergleich zum Jahresbeginn im Durchschnitt um 50 v. H. stärker angezogen hatten, als in London und in New York.

Das Hauptereignis des Börsenjahres war der überraschende Aufstieg der Petrolwerte, wobei Esso Standard von 8945 auf 93 400 Francs aufrückte. Der Esso Standard-Boom hatte natürlich seine Rückwirkung auf die anderen Petrolwerke, deren Wertindex von 133 zu Jahresbeginn 1954 bis auf 577 stieg. Von den übrigen Werten dieser Abteilung fiel insbesondere die Kurssteigerung der Cie Française des Petroles von 13 400 auf 35 475 auf. Diese Gesellschaft hat nicht nur eine Beteiligung von 23,7 v. H. an der „Irak Petroleum“ in ihrem Besitz, sondern auch eine Beteiligung von 6 v. H. an dem neuen Consortium des iranischen Petroleums. Die „Francaise des huiles de pétrole“ stieg von 7680 auf 22 550.

Bedeutend war auch die Hausse der Metallwerte. Im Vorjahr wurde die französische Stahlindustrie in starkem Maße ausgebaut, während sich dort, wo die Stahlindustrie schwächere Positionen aufweist, wie etwa in Mittelfrankreich, die Konzentrationstendenzen verstärkt haben. So ist erst kürzlich eine Verbindung zwischen den Betrieben der „Châtillon-Commentry“ und jenen der „Forges et Ateliers de la Loire“ hergestellt worden. Im übrigen werden auf Grund des „Carnets de commande“ die Perspektiven für die kommenden Monate überaus günstig eingeschätzt. Diese Situation ermunterte die Hausse der Werte der Stahlindustrie, die bei den „Aciéries de Longwy“ 90 v. H. erreichte, bei den „Haute Fourneaux de la Chiers“ 73 v. H., während Schneider Creuzot um 64 v. H. anstieg.

In der Gruppe der Automobilwerke war die Fusion Simca-Ford von ausschlaggebender Bedeutung. Die neue Firma nimmt innerhalb der französischen Automobilwirtschaft den zweiten Platz ein. Der Aktienwert der Simca war schon im Vorjahr von 4550 auf 8550 angestiegen und erreichte 1954 mit 26 500 einen neuen Höchstkurs. Citroën verdreifachte seinen Kurs seit Jahresbeginn, Peugeot verdoppelte ihn.

Ansehnliche Kursgewinne erzielten Aktien der elektrotechnischen Industrie. Sie waren unter jenen, die vom Publikum im vergangenen Jahr am meisten gesucht worden sind. Während der Index dieser Werte 1953 auf 300 stand, erreichte er Ende 1954 die Ziffer 420. Unter den Aktien dieser Gruppe gehörte die „Générale de électricité“ zu den begehrtesten. Der Kursgewinn erreichte mehr als 50 v. H. Wesentliches Interesse fanden diese Aktien schon im Hinblick auf die bedeutende Produktionsausweitung auf dem Elektrogebiet.

Veniger Beachtung fanden Nahrungsmittel und Textilaktien sowie Kolonialwerte. Wohl stieg der Index der Textilaktien von 134 auf 144, aber die Hausse erscheint im Hinblick auf die allgemeine Kursentwicklung ganz unbedeutend. Indessen ist in der Textilindustrie eine Produktionserhöhung eingetreten, die gegenüber 1953 rund 8 v. H. erreicht, während der Export in den ersten neun Moiaten von 96 auf 110 Mrd. angestiegen ist. Aber um zu diesem Resultat zu kommen, waren die Betriebe genötigt, ihre Gestehungskosten aufs äußerste zu reduzieren, und die Betriebsergebnisse zeugten nicht überall von finanziellen Erfolgen. Dazu kam, daß auch die Pläne der Liberalisierung, soweit es sich um Textilprodukte handelte, nicht genau bekannt waren und daher auch die weitere Konkurrenzfähigkeit der Textilindustrie auf dem Inlandmarkt einige Zweifel hervorrief.