Unter den Gefährten Mistrals, die um die Jahrhundertwende begannen, das Erbe der Troubadoure in einem neuen Reich provenzalischer Dichtung anzutreten, gilt Joseph D’Arbaud für einen der größten. Provenzalische Gastgeber in der Cramague, dem einsamen Hirtenland im Delta der Rhone, gaben mir seine Novelle „La beste du Vaccarês“ mit den Worten: „Wenn Sie die Seele unseres Landes begreifen wollen, müssen sie dieses Buch lesen!“ Ein Schweizer Verlag legt es jetzt mit kongenialen Zeichnungen versehen vor, und wir müssen ihm für ein literarisches Geschenk danken, auch wenn die Übersetzung nicht an allen Stellen geglückt ist...

„Pan im Vaccares“ Origo-Verlag, Zürich, 97 S. 8,80 DM.

Joseph D’Arbaud erzählt die Geschichte eines mittelalterlichen Stierhirten, der die Gewissensqual seiner einfachen Seele einem unbeholfenen Tagebuch anvertraut. Ihm, dem einst zum Priester Bestimmten, der in seinem Glauben so geborgen lebte, wie in der wilden Einsamkeit seines Landes zwischen Stieren und Pferden, begegnet eines Tages ein Tier mit einem uralten, traurigen Menschenantlitz. Er flieht in panischem Entsetzen. Aber immer wieder fühlt er sich in Mitleid und Bezauberung angezogen von dem unheimlichen Geschöpf, das sich ihm mit Menschenworten offenbarte: es ist ein Halbgott, der sich vor einer Zeit, die nicht mehr die seine ist, auf dieses letzte Stück Erde flüchtete, wo er Frieden zu finden hofft.

In der Betroffenheit des Hirten, in dem Wesen des „Tieres“, das sein Elend mit der Würde eines entthronten Königs trägt, begegnet sich – nicht feindlich, sondern in tiefer Schwermut, die versunkene mythische Götterwelt heiterer Sinnenfülle mit einer verwandelten Zeit, deren erstes Gebot jene Götter aus der Schöpfung und den Seelen ihrer Bewohner verbannte. m. z.