DIE ZEIT

Mehr Honig in Moskaus Leim

Die Sowjetregierung hat der Bundesrepublik ein Tauschgeschäft vorgeschlagen. Sie will ihre Beziehungen zur Bundesregierung normalisieren, wenn diese dafür auf die Ratifizierung der Pariser Verträge verzichtet.

SPD auf falscher Straße

Die SPD will auf die Straße gehen. Die Unmöglichkeit, auf legalem demokratischem Wege etwas gegen die Pariser Verträge zu erreichen, hat die Parteiführung offensichtlich zu dieser außerparlamentarischen Aktion animiert.

Immer noch Vulkan

Als Vizekanzler Dr. Blücher in der vom Verfassungsschutzamt unter Leitung von Dr. John leichtfertig heraufbeschworenen Affäre Vulkan die Namen einiger prominenter Wirtschaftler bekanntgab und hinzufügte, sie seien der Wirtschaftsspionage für die Sowjetzone verdächtig, war vorauszusehen, daß es zu Schadenersatzprozessen gegen die Bundesregierung kommen würde.

Wird Chruschtschew Nr.1?

Spekulationen über Machtkämpfe in Sowjetrußland sind ein undankbares Geschäft. Aber diese Einsicht verhindert nicht, daß unsere, zwischen Friedenshoffnung und Kriegsfurcht straff gespannten Nerven auf alle Veränderungen der Sowjetatmosphäre, wirkliche und vermeintliche, mit der Empfindlichkeit von Seismographen reagieren.

Jean-Marie Soutou

Die unglückliche Verfassung der Vierten Republik, nach dem doppelten Schrecken Pétain–de Gaulle zusammengezimmert, hat zwar der Kammer zu ihrer offiziellen Rolle als Legislative auch die versteckte Funktion der eigentlichen Exekutive zugeschanzt.

ZEITSPIEGEL

Im Steuerausschuß des Bundestages bemerkte der FDP-Abgeordnete Mießner beiläufig: „So Gott will, werden wir das Gesetz über die Steuerreform im nächsten Jahr haben.

Deutsche als Verräter

Wir haben in der Nummer vom 26. August 1954 einen Artikel unter obigem Titel veröffentlicht, der sich mit einer Veröffentlichung der Bonner Außenpolitischen Korrespondenz des Herrn Dr.

Was sonst noch geschah

Der Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Adnan Menderes in Bagdad hat zu einem Übereinkommen geführt, wonach die Türkei und der Irak „unverzüglich“ einen Beistandspakt abschließen wollen.

Mixed Pickles

Mr. Pickles, Dozent der Londoner Wirtschaftshochschule, hat im britischen Rundfunk erklärt, man müsse der Tatsache ins Auge sehen, daß „die Grenze zwischen Kommunismus und Demokratie durch die Mitte Deutschlands läuft“.

Ein „billiges“ Urteil

Am 13. Januar hat Dr. Robert Ernst, der ehemalige Oberbürgermeister von Straßburg, wieder deutschen Boden betreten. Nach neuneinhalbjähriger Haft hatten sich die Tore des Prison du Cambout zum letzten Male hinter ihm geschlossen.

Rüstungspool und Saar

Es war ein langes, zeitweise offenbar recht müdes Gespräch, das, während draußen der Regen kein Ende nehmen wollte, in dem Schloßhotel Hahnhof in Baden-Baden geführt wurde.

Kostet das Auswärtige Amt zuviel?

Mit allen übrigen Zweigen der Staatsverwaltung teilt der Auswärtige Dienst den Vorwurf dauernd steigender Kosten bei einem sich offensichtlich nicht mehrenden Nutzen.

Millionen Bücher vegetieren

Als die Alliierten 1945 das Land Preußen zum Tode verurteilten, da wollten sie den preußischen Geist sterben lassen. Unter preußischem Geist verstanden sie: Marschmusik, Generalstabsstrategie, Militarismus, Eroberungssucht und Staatsvergötterung.

Der weise Kadi

Vor vielen, vielen Jahren hatte ein alter Kadi über einen äußerst schwierigen Fall zu entscheiden. Ein fünfjähriges Kind seiner Gemeinde – der kleine Ben Ali – hatte seine Eltern verloren und mußte zur Adoption gegeben werden.

„Winterschlacht“ am Schiffbauerdamm

Der dramatische Ruhm seines Weimarer Dichterkollegen auf dem Ministersessel ließ Johannes R. Becher, Ex-Expressionist und heutiger Kulturminister der „DDR“, nicht ruhen.

Können Dichter die Welt ändern?

Zu einer Zeit, als Erich Kästner noch nicht als Erzähler, sondern lediglich als Verfasser seiner spöttisch-sehnsüchtigen Gebrauchslyrik hervorgetreten war, weilte ich mit ihm und Hermann Kesten eines Abends in einer bestimmten Runde.

Märsche - entnazifiziert

Das Amtsgericht in Nürnberg hat, wie in der „Neuen Zeitung“ vom 14. Januar zu lesen steht, ein Urteil gefällt, das nicht nur salomonisch genannt zu werden verdient, sondern auch die tröstlichsten politischen Perspektiven aufleuchten läßt.

Erzählungen aus zwei Welten

Der dritte und letzte Band der Erzählungen Werfels, der soeben im Verlag S. Fischer erschienen ist, enthält eine Überraschung.

Die Zeit der Hoffnung

Das Ende des letzten Krieges ist ein Stoff, den der Schriftsteller Karl Friedrich Boree schon einmal, in seinem 1949 erschienenen Buch gestaltet hat.

Zu leicht gemacht

Während es vor vierzig Jahren noch üblich war, die Literatur des Barock als eine Phase argen Verfalls, als mehr oder minder ungenießbares Produkt des Schwulstes oder der Lehrhaftigkeit abzutun, sind heute die Namen der bedeutendsten Barockdichter wieder zu Ehren gekommen.

Königliche Damen von gestern

Woran erkennt man die Verläßlichkeit historischer Romane? Gibt es eine Methode, die jeden Zweifel ausschließt? Offensichtlich bieten sich zwei Regeln an: man kann zeitgenössische Dokumente, Tagebücher und Briefe so geschickt Zusammenstellen und bearbeiten, daß aus dem Mosaik ein echtes Bild des „Helden“ und seiner Zeit entsteht: Oder aber man sucht nach dem menschlichen Problem, welches das Schicksal einer historischen Persönlichkeit prägte, und Verwandelt diese zur zentralen Gestalt eines Romans.

Nicht der Beute wegen...

Die jüngeren französischen Autoren zeichnen sich oft durch das Bestreben aus, grundrichtige Themen Ur-Themen – zum Gegenstand ihrer Bücher zu machen.

Große Völkerkunde

Daß eine Neuauflage der großen, illustrierten Völkerkunde von Hugo Bernatzik sich so bald schon als notwendig und verlegerisch durchführbar erwiesen hat, ist nicht nur ein Beweis für den Wagemut des Verlages, sondern wohl auch ein Zeichen für das Bestehen einer echten Anteilnahme an den Fragen der Ethnologie und Ethnographie.

Hirtennovelle

Unter den Gefährten Mistrals, die um die Jahrhundertwende begannen, das Erbe der Troubadoure in einem neuen Reich provenzalischer Dichtung anzutreten, gilt Joseph D’Arbaud für einen der größten.

Hamburg: Kulturschiff aus Prag

Ein tschechoslowakisches „Kulturschiff“ hat – von der Öffentlichkeit fast unbemerkt – im Hamburger Hafen festgemacht. Es liegt im Abschnitt Moldauhafen in der Nähe des Vorstadtbezirkes Veddel und führt hier ein einsames Dasein.

Hessen: Ein Experiment ist geglückt

Als der Polizeipräsident von Frankfurt die ersten Parkometer in der Innenstadt aufstellen ließ, äußerte die Öffentlichkeit und mit ihr ein Teil der Presse starke Bedenken gegen dieses Experiment, dessen Rechtsgrundlage wegen der mit einer Gebührenerhebung für parkende Wagen verbundenen Einschränkung des „Gemeingebrauchs“ an den öffentlichen Straßen und Plätzen bis heute umstritten ist.

Niedersachsen: Der Paragraph geht sie nichts an

Ein begründeter Verdacht für das Vorliegen einer strafbaren Handlung ist nicht gegeben“, teilte vor einigen Tagen das Landgericht Lüneburg dem Rechtsanwalt der Winsener Möbelfirma Rulfs mit.

Berlin.: Wie die SED verzeiht

Zwei behördliche Instanzen Berlins beschäftigen sich mit dem permanenten Strom der Flüchtlinge aus Mitteldeutschland: An erster Stelle das Bundesnotaufnahmelager in Berlin-Marienfelde (Westberlin), wo die eintreffenden Flüchtlinge registriert und einem komplizierten Aufnahmeverfahren unterworfen werden.

Marschall Turenne wird bewacht

Josef Noiret ist auch mehr als ein schlichter Denkmalswächter. Er bewacht nämlich das einzige französische Staatsgebiet innerhalb der Bundesrepublik.

Nord-rhein-Westfalen: Kripolabor auf Rädern

Nordrhein-Westfalens Kriminalpolizei fuhr mit einem neuen Spezialwagen mit allen Schikanen und dadurch fundiertem großen Hoffnungen für erfolgreiche Verbrecherjagd in das Jahr 1955.

Mecklenburg: Geschäftstüchtige FDJ

Die Volkspolizei bemüht sich gegenwärtig, der Flüsterpropaganda entgegenzuwirken, über Stralsund und über Rügen seien die sogenannten fliegenden Untertassen gesehen worden.

Noch ist es Zeit, die Hausse zu dämpfen

Die folgende (verbürgte) paradoxe Geschichte ist charakteristisch für die verfahrene Situation an den Aktienbörsen: am 5. Januar – das war also jener Mittwoch, als die Kurse erstmalig wieder eine fühlbare Korrektur nach unten erfuhren – kam der Börsendirektor einer unserer Großbanken mit dem Jubelruf „Endlich ist es passiert!“ von der Börse in sein Büro zurück .

Käufermarkt...

Die in unserer Ausgabe vom 30. Dezember („Automarkt erhielt neue Käuferschichten“) als bevorstehend angedeutete rückläufige Preisentwicklung auf dem westdeutschen Automobilmarkt ist unerwartet schnell Wirklichkeit geworden.

Vertagt

In den letzten Augusttagen des vergangenen Jahres hat die französische Nationalversammlung die Ratifizierung des Vertrages einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft abgelehnt.

Eigentum und Gemeinwohl

Zu den Aufgaben, die vom Bundestag vordringlich gelöst werden müssen, gehört die Vereinfachung des Bau- und Planungsrechtes durch ein Bundesbaugesetz.

Frankreichs Börsen haussieren

Für die französischen Börsen war 1954 eines der erfolgreichsten Jahre. Sie adoptierten dieselbe Haussetendenz, wie sie auf den Börsen der anderen Länder festzustellen war und die auf die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen ist.

Ein Versuch in Berlin

Die Leistungsfähigkeit der durch die politische Insellage behinderten Westberliner Wirtschaft hängt nicht nur von der Auftragserteilung, sondern ebenso von der rationellen Arbeitsweise ab.

Engpässe in Österreich

Zu Jahresanfang stand die österreichische Zahlungs- und Devisenbilanz im Zeichen einer zunehmenden Entspannung. Vorher waren die anhaltenden Ausfuhrüberschüsse seit Februar 1954 maßgeblich an der Aufblähung des Notenumlaufs beteiligt.

Montan-Aktien geben den Ton an

Der Kursdruck, den zeitweilig größere Auslandsverkäufe in der ersten Woche des neuen Jahres auf die deutschen Aktienmärkte ausübten, hat sich schnell wieder verflüchtigt.

Reusch vor seinen Aktionären

Vier Themen hatte sich Dr. Hermann Reusch, Vorsitzer des Vorstandes der Gutehoffnungshütte Aktienverein, Oberhausen, für die oHV dieser Holding vorgenommen, und zwar: Konjunktur, Staatsbesitz, Kapitalzins und Mitbestimmung.

Brikett-Ziele

Der Braunkohlenbergbau hat sich für die kommenden Jahre ein großes Stück Arbeit vorgenommen. Der Schwerpunkt des derzeitigen Braunkohlenaufkommens der Bundesrepublik liegt im rheinischen Revier.

Charmante „Isabella“

Die Rekordproduktion der zur Borgward-Gruppe zählenden drei bremischen Automobilwerke – Carl F. W. Borgward GmbH, Goliath-Werk GmbH und Lloyd Motoren Werke GmbH –, die im vergangenen Jahr erreicht werden konnte, hat der deutschen und ausländischen Öffentlichkeit die Bedeutung der Automobilindustrie Bremens mit besonderer Deutlichkeit vor Augen geführt.

Rohstofftendenz der Woche

Die zu Anfang des Jahres verschiedentlich erwartete Geschäftsbelebung auf den Weltwarenmärkten ist bisher nicht nur ausgeblieben, sondern es hat im Gegenteil eine weitere Beruhigung der Geschäftstätigkeit, verbunden mit einer allgemein rückläufigen Preistendenz, stattgefunden.

Zu hohe Konzessionsabgaben

Die HV der Hamburgische Electricitäts-Werke AG, Hamburg, beschloß, für das Geschäftsjahr 1953/54 (30.6.) eine auf 6 (i. V. 5) v.

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