b. g., Saßbach Josef Noiret ist der neue Wächter für das Turenne-Denkmal in Saßbach am Rande des Schwarzwaldes – vom französischen Hochkommissar François-Poncet offiziell dazu bestellt.

Josef Noiret ist auch mehr als ein schlichter Denkmalswächter. Er bewacht nämlich das einzige französische Staatsgebiet innerhalb der Bundesrepublik. Das 1,6 ha große Gelände, auf dem 1760 das Denkmal für den französischen Heerführer Henri de Latour d’Auvergne, Vicomte de Turenne, errichtet wurde, ist nicht nur ein Nationalheiligtum der Franzosen, sondern auch französisches Staatseigentum, von Napoleon 1803 annektiert.

Wenn man in Saßbach die Avenue du Monument du Maréchal Turenne betritt, wird jedoch kein Paß oder Passierschein verlangt. Die gepflegte Anlage um den 13 m hohen Obelisk, von dessen Vorderseite der Marschall herabblickt, ist nicht nur für Franzosen ein beliebtes Ausflugsziel. Die Aussicht von dort auf die Schwarzwaldberge wird von jedermann geschätzt.

In einem kleinen Museum erfahren die Besucher mehr über einen der größten Feldherren Frankreichs, wie Turenne in den französischen Geschichtsbüchern genannt wird, und Turenne-Wächter Noiret zeigt die Kugel, von der der Marschall 1675 tödlich getroffen wurde. Auch Landkarten und Zeichnungen, Handschriften, Gemälde und Bilder, Fahnen und Standarten, die dort aufbewahrt werden, sind Dokumente deutsch-französischer Geschichte.

Das Denkmal des Marschalls steht auf französischer Erde, die mühsam über den Rhein gebracht wurde. Die 80 000 Franken, die damals der Denkmalsbau kostete, waren zu jener Zeit „ein schöner Batzen Geld“. Der Obelisk hat lange und bange Zeiten deutsch-französischer Spannungen ziemlich unbeschadet überstanden. Erst am 26. September 1940 gab der damalige NSDAP-Gauleiter Wagner den Befehl, das Denkmal zu sprengen.

Das Besatzungskostenamt mußte im Jahre 1945 tief in die Tasche greifen, als die Franzosen den Wiederaufbau ihres Nationaldenkmals verlangten. Französische Pioniere und süddeutsche Steinmetzen vollbrachten in Saßbach die erste „deutsch-französische Gemeinschaftsarbeit nach dem Kriege“, als sie die Turenne-Gedenkstätte nach dem alten Vorbild neu erstehen ließen. Schon am 6. Oktober 1945 konnte General de Gaulle seine Weiherede halten.