Mr. Pickles, Dozent der Londoner Wirtschaftshochschule, hat im britischen Rundfunk erklärt, man müsse der Tatsache ins Auge sehen, daß „die Grenze zwischen Kommunismus und Demokratie durch die Mitte Deutschlands läuft“. Die holländische Zeitung Nieuwe Rotterdamse Courant schreibt: „Das Drängen nach Wiedervereinigung trägt... einen irrealen Charakter.“

Nimmt man hierzu ein paar Zitate aus Times-Leitartikeln und einige vertrauliche Äußerungen englischer und französischer Diplomaten zu amerikanischen Journalisten, auf der anderen Seite die in den Pariser Verträgen enthaltene Verpflichtung der Siegermächte, sich für die deutsche Wiedervereinigung einzusetzen, und gießt man über das Ganze die saure Sauce englischer, französischer und deutscher Dementis in dieser Sache, dann kann man wirklich sagen: Mixed Pickles.

Daß dies Gericht nicht nach deutschem Geschmack ist, versteht sich von selbst. Überraschend ist nur, daß es diesseits des Eisernen Vorhanges überhaupt Menschen gibt, die es genießbar finden. Versteht Mr. Pickles nicht, daß er seiner Regierung recht unumwunden vorschlägt, einen Wortbruch zu begehen, und versteht diese nicht, wie gefährlich es ist, wenn solche Gedanken über den britischen Rundfunk oder eine so angesehene Zeitung wie die Times verbreitet werden? Sicherlich will sich die englische Regierung nicht dem Verdacht aussetzen, sie habe nichts dagegen, von einer „breiten Volksmeinung“ zu etwas gezwungen zu werden, was dem klaren Sinn und Buchstaben der von ihr unterzeichneten Verträge widerspricht. Sie kennt die Wechselbeziehungen zwischen Volksmeinung und Regierungsmeinung sowie die Gesetze, welchen diese Beziehungen unterliegen, sicherlich genug, um zu wissen, daß es mit ein paar Dementis in diesem Fall nicht getan ist. Zumal da die bisherigen Dementis auf Mr. Pickles und die Leitartikler der Times keinen Eindruck gemacht haben. -ll