Von Herbert Eisenreich

Die jüngeren französischen Autoren zeichnen sich oft durch das Bestreben aus, grundrichtige Themen Ur-Themen – zum Gegenstand ihrer Bücher zu machen. Wenn ihnen dies bei Wahrung ihrer literarischen Ambitionen gelingt, ohne Abgleiten also in die ideologisch tendierte Inhaltsangabe – dann darf ihnen die Zustimmung des Publikums wie des Kritikers sicher sein. Ein solches Buch ist:

Pierre Moinot: „Die königliche Jagd.“ Roman. 219 Seiten. 9,80 DM. Karl Rausch Verlag, Düsseldorf. Deutsch von W. M. Lüsberg.

Zwei Freunde weilen in den Vogesen, um dort zu jagen. Unversehens fügt sich eine zarte, feine Liebesgeschichte in den Kampf der Männer mit der Natur, mit Wilderern und mit ihren eigenen Sehnsüchten und Leidenschaften. Je mehr diese Liebe reift, desto mehr weckt sie in Philipp eine heilsame Skepsis seinem Tun gegenüber, das nun eine neue Dimension gewinnt. Und wovon auch immer der Autor erzählen mag durch all die mit geübtem Auge erspähte und geübter Hand aufgezeichnete Jagdlandschaft leuchtete das Motto des Buches hindurch, ein Wort von Pascal: „Wenn sie auf den Vorwurf, daß das, wonach sie mit solchem Eifer streben, sie doch nicht befriedigen könne, die Antwort gäben, sie suchten darin nur eine hinreißende, berauschende Beschäftigung, die sie davon abhalten solle, an sich selber zu denken, dann würden sie ihre Gegner einer Einrede berauben. Aber dies antworten sie nicht, denn sie kennen sich ja selber nicht. Sie wissen nicht, daß sie nur aufs Jagen ausgehn und nicht auf die Beute.“

Ein Mann, der bloß der Beute wegen auszieht, ist einer der Helden eines anderen, ebenso empfehlenswerten Buches:

Henri Troyat: „Der Berg der Versuchung.“ Roman. 200 Seiten. 8,50 DM. Nymphenburger Verlagsanstalt, München. Deutsch von Otto von Taube.